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85 Menschen besitzen so viel wie die halbe Welt

Laut einer Studie von Oxfam besitzen die reichsten 85 Menschen der Welt ebenso viel wie die ärmsten 3,5 Milliarden. Dieser gefährliche Trend spalte auch wohlhabende Länder.

Spielzeuge für Superreiche: In aufstrebenden Ländern wie China ist eine Zunahme von ungleich verteiltem Reichtum deutlich zu beobachten

Spielzeuge für Superreiche: In aufstrebenden Ländern wie China ist eine Zunahme von ungleich verteiltem Reichtum deutlich zu beobachten

Die britische Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam hat kurz vor dem Beginn des Weltwirtschaftsforums im Schweizerischen Davos mit deutlichen Worten die Verteilung von Reichtum und Besitz angeklagt. In einer am Montag veröffentlichten Studie heißt es, dass in vielen Ländern die ungerechte Verteilung von ökonomischen Gütern schnell zunehme und zu einer Gefahr für demokratische Systeme werde. Wie stark ausgeprägt diese ungleiche Verteilung ist, zeigt Oxfam anhand einiger prägnanter Vergleiche:

Das reichste Prozent der gesamten Weltbevölkerung besitzt heute fast ebensoviel wie die restlichen 99 Prozent.

Sieben von zehn Menschen leben in Ländern, in denen sich die Armutsschere in den letzten 30 Jahren geöffnet hat.

In den USA sind die unteren 90 Prozent der Bevölkerung seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2009 ärmer geworden. In der gleichen Zeit hat das reichste Prozent der US-Amerikaner 95 Prozent des wirtschaftlichen Wachstum eingeheimst.

Auf den Punkt bringt die ungerechte Verteilung folgender Satz:

"Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt zusammen ebenso viel wie die 85 reichsten Menschen der Welt."

Besonders dramatisch sei diese Entwicklung in China, Pakistan, Indonesien, Indien oder Nigeria zu beobachten. Aber nicht nur aufstrebende oder arme Länder sind betroffen. Unter den G20-Staaten - also den 20 stärksten Volkswirtschaften der Welt, zu denen auch Deutschland gehört - sei dieser Trend nur in Südkorea nicht zu beobachten.

Je größer die Kluft desto ungleicher die Chancen

Geringe Unterschiede bei Einkommen und Reichtum seien ein wichtiger Antrieb für Wachstum und Fortschritt, schreibt Oxfam. Entsprechende Systeme würden talentierte und hart arbeitende Menschen motivieren, unternehmerische Risiken einzugehen und Innovationen voranzutreiben. Extrem ausgeprägte Unterschiede in der Verteilung von Reichtum hätten jedoch fatale Folgen für die Stabilität von Demokratien. Konzentriere sich der Reichtum auf eine winzige Elite, werden sich dadurch Nachteile für alle ergeben. Soziale Spannungen sind ebenso eine oft beobachtete Folge entsprechender Entwicklungen, wie Benachteiligung von Frauen oder Chancenungleichheit. Wenn sich die Reichen vom Rest der Bevölkerung durch bessere Schulen oder eigene Gesundheitssysteme abkapseln würden, gäbe es keine Möglichkeit für einen sozialen Aufstieg.

Laut Oxfam gäbe es genügend Instrumente mit denen dieser Trend umgekehrt werden könne. Korruption und Steuerflucht müssten entschieden bekämpft werden. Die Verwendung öffentlicher Gelder müsse transparent gemacht werden, in soziale Systeme investiert und Steuernachlässe für wohlhabende Teile der Bevölkerung verhindert werden.

In der Vergangenheit sei dies schon gelungen, beispielsweise in den USA und vielen Ländern Europas in den drei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch Lateinamerika haben in den vergangenen zehn Jahren große Fortschritte erzielt.

ono
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