8. Februar 2008, 12:34 Uhr

Jeder fünfte Ausländer bricht Schule ab

Eine neue Studie belegt, wie gering die Bildungschancen für ausländische Kinder in Deutschland sind. 19,4 Prozent der ausländischen Jugendlichen brechen die Schule ab. Die Wochenzeitung "Die Zeit" hat herausgefunden, welche Ausländer es besonders schwer haben.

Ein erschreckend hoher Anteil ausländischer Jugendlicher beendet den Weg zum Schulabschluss nicht©

Ausländische Jugendliche in Deutschland brechen nach Angaben der Bertelsmann Stiftung deutlich häufiger die Schule ab als deutsche Schüler. Bundesweit verließen 19,4 Prozent der Jugendlichen aus ausländischen Familien die Schule ohne Abschluss, teilte die Stiftung mit. Bei deutschen Jugendlichen sind es 9,3 Prozent. Die Stiftung beruft sich dabei auf Berechnungen das Internet-Frühwarnsystem "Wegweiser Demografie" zur Bevölkerungsentwicklung.

Die niedrigsten Schulabbrecherquoten unter ausländischen Jugendlichen gibt es demnach in Hessen (10,3 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (13,0), die höchsten in Bremen (29,0) und Sachsen-Anhalt (29,4).

Italienische Schüler am schlechtesten

Italienische Migrantenkinder sind im Vergleich mit anderen großen Zuwanderernationen die schlechtesten Schüler, wie die "Zeit" unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes berichtet. Sie liegen deutlich hinter den meist im Fokus stehenden türkischstämmigen Schülern. Demnach landen 48,3 Prozent der italienischen Kinder auf der Hauptschule und 8,6 Prozent auf Sonderschulen. Bei den Türken seien es nur 44,7 Prozent und 6,6 Prozent.

In Italien bis Nachmittags Unterricht

Am besten schneiden demnach die Kinder aus spanischen Familien ab: Von ihnen gehen nur 26,1 Prozent auf die Hauptschule und 5,1 Prozent auf die Sonderschule. Zum Vergleich: Von den deutschen Kindern besuchen 17,7 Prozent Hauptschulen und 4,4 Prozent Sonderschulen. Einen Grund für das schlechte Abschneiden sehen Bildungsexperten dem Blatt zufolge in den großen Unterschieden zwischen den Schulsystemen nördlich und südlich der Alpen. Während in Deutschland die Eltern stark gefordert sind als Helfer beim Lesen oder Rechnen, dauert der Unterricht in Italien bis zum Nachmittag.

Generalkonsul beklagt "selektiven Charakter"

Der italienische Generalkonsul in Stuttgart, Faiti Salvadori, sprach von mangelnder Unterstützung italienischer Kinder in Deutschland. Er würde sich wünschen, "dass die deutsche Seite eine stärkere Verantwortung für diese Schüler übernimmt", sagte er der "Zeit". Italien investiere jährlich rund 3,5 Millionen Euro in Deutschstunden, Elternschulungen und italienische Lehrer, die deutschen Kollegen zur Seite stehen. Der selektive Charakter des deutschen Schulsystems sei eine Art Diskriminierung. Der Diplomat vermute aber auch ein geringes Interesse seiner Landsleute an Bildung und zu wenig Ehrgeiz, berichtet das Blatt.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
Buureremmel (08.02.2008, 20:52 Uhr)
Die schon übliche Schuldsuggestion.
Der Einstieg in die Meldung ist dreist suggestiv und sachlich falsch. Die Bildungschancen für Imigranten sind ausgesprochen gut und wahrscheinlich besser und sozial gerechter als in den Herkunftsländern. Sie werden allerdings nicht genutzt. Dem deutschen Bildungssystem dafür die Verantwortung in die Schuhe zu schieben, ist ein sträfliche Umkehr von Ursache und Wirkung.
groetjes (08.02.2008, 17:29 Uhr)
italienische Schulen
Meine (deutschen ) Kinder besuchen italienische Schulen, ich habe bisher nicht feststellen koennen, das Geld in die Foerderung von fremdsprachigen Kindern gesteckt wird . Und was den Nachmittagsunterricht betrifft - da koennen die Kinder anschliessend noch Hausaufgaben machen und kommen, mit Unterrichtsstunden , locker auf 40 - bis 45 Stunden pro Woche. Und das in Grund und Mittelschule! Das italienische System ist eine Katastrophe!
ela
taucher1102 (08.02.2008, 17:07 Uhr)
Das sind....
unsere zukünftigen Hartz Vier Empfänger.
Giubar (08.02.2008, 16:39 Uhr)
Falsche Interpretation
Ich halte es für falsch, aus den ermittelten Zahlen auf "mangelhafte Bildungsschancen" zu schliessen. Die Chancen auf einen Schulabschluß sind für alle gleich, aber dazu muß ich auch bereit und in der Lage sein, die Angebote anzunehmen und den Anforderungen gerecht zu werden. Gegen mangelnde Sprachkenntnisse kann jeder selbst etwas unternehmen. Die Forderung, das Schulsystem so zu ändern, dass jeder seinen Abschluß bekommt, geht in die völlig falsche Richtung.
manesse (08.02.2008, 15:44 Uhr)
Dank sei Koch, dem Herrn!
Woran man sieht, dass der hessische Ministerpräsident eben in Sachen Integration seine Hausaufgaben gemacht hat, anders als etwa Bremen usw. Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch, warum er - wie im Wahlkampf - kriminellen Jugendlichen ausländischer Abstammung ins Gewissen redet. Hier in Hessen kümmert man sich nämlich um diese Leute. Die Kampagne der Medien und der linken Parteien gegen Koch ist durch diese Zahlen vollends als miese Hetze kenntlich gemacht.
undjetztnochder (08.02.2008, 15:41 Uhr)
Mich würden mal interessieren,
etwas mehr über die Schulabbrecher zu erfahren. Deutschkenntnisse? IQ? Bildungsstand der Eltern? Soziale Auffälligkeiten? Und auch: was wird eigentlich aus denen, sagen wir mal nach 5-10 Jahren: Job gefunden? Oder "auf Hartz IV"? Abgeschoben ins Herkunftsland? oder im Gefängnis? Oder vielleicht sogar: Schulabschluss nachgeholt? - Hat das nie jemand untersucht?
RobertNawrath (08.02.2008, 15:34 Uhr)
Hessen nun Vorreiter in Integrationsfragen?
Daraus läst sich etwas ableiten: Hessen ist damit auf dem besten Weg die Jugendkriminalität durch ungebildete Mitbürger mit Migrationshintergrund (oder einfach Ausländer) einzudämmen. Bekannt ist allgemein, je höher die Bildung (auch Berufsausbildung) je niedirger die Kriminaltätsraten. Dumm für Roland Koch, richtige Schritte (z.B. Deutschkurse für Kinder und Eltern vor der Einschulung) brauchen sehr lange bis sie wirken. Meist länger als die Legislaturperiode ist...
Alex64 (08.02.2008, 14:34 Uhr)
Also DA liegt der Hund begraben...
"Während in Deutschland die Eltern stark gefordert sind als Helfer beim Lesen oder Rechnen, dauert der Unterricht in Italien bis zum Nachmittag."
Nicht die Kinder sind´s - denn doch eher das "Elternhaus". Schon schlimm, wenn man nicht alles auf den Staat abschieben kann.
Obwohl - meine Eltern (Handwerker) konnten mir auf dem Gymnasium auch nicht helfen - und trotzdem ging es auch ohne Ganztagsschule ....
Snark7 (08.02.2008, 14:32 Uhr)
Genau da...
"Der italienische Generalkonsul in Stuttgart, Faiti Salvadori, sprach von mangelnder Unterstützung italienischer Kinder in Deutschland. ...Der selektive Charakter des deutschen Schulsystems sei eine Art Diskriminierung. Der Diplomat vermute aber auch ein geringes Interesse seiner Landsleute an Bildung und zu wenig Ehrgeiz, berichtet das Blatt. "
Liegt das Problem. Es liegt nicht dran, das Deutschland "zuwenig Verantwortung" für seine Landsleute zeigt. Ganz deutlich wird das eben, wenn man das mit den Spaniern vergleicht. Es ist ja nicht nur das unterschiedliche Schulsystem. Aus Spanien kamen - flüchtend vor der Franco-Diktatur- viele Angehörige der Mittelschicht, Akademiker und andere, die Bildung ZU SCHÄTZEN WISSEN und auch selber was dafür tun.
Aus den anderen Migrationsländern kamen vorwiegend bildungsferne Hilfsarbeiter, die es bereits im eigenen Land nicht wirklich zu was gebracht haben.
Was ein unglaubliches Wunder,daß auch die Kinder nix zustande kriegen. Das liegt gaaaaanz sicher vor allem an der furchtbaren Benachteiligung durch das böse deutsche Schulsystem.
Und nicht etwa an der Blödigkeit der Eltern.
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