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14. Juli 2008, 19:30 Uhr

Grabstätte für Odins Anhänger

In Dänemark wird es zum ersten Mal nach tausend Jahren wieder eine letzte Ruhestätte für Neuheiden geben. Auf dem Wikingerfriedhof sollen jene Dänen begraben werden, die an die altnordischen Götter Odin und Thor glauben - und deren Zahl nimmt zu. Von André Anwar, Stockholm

© Colourbox.com

Mit König Harald kam eigentlich vor tausend Jahren das Christentum nach Dänemark und verdrängte den heidnischen Glauben der Wikinger an die Götter der Germanen. Doch heute gibt es eine wachsende Gemeinde von Neu-Wikingern, die tatsächlich wieder an Odin, Thor und Loke glauben. Der dänische Staat hat nun beschlossen, dem Antrag der so genannten Asatrogemeinde auf eine eigene Grabstätte zuzustimmen.

Seit 2003 offiziell anerkannt

Die heidnische Grabstätte soll mitten in der Stadt Odense liegen, der auf Fünen gelegenen drittgrössten dänischen Stadt. Damit bekommen die Anhänger des alten nordischen Glaubens erstmals seit König Haralds Zeiten wieder einen eigenen separaten Grabplatz. Bislang konnten die neuen Wikinger nur zwischen herkömmlichen christlichen Friedhöfen und dem offenen Meer wählen, auf dem ihre Asche verstreut wurde.

Doch seit die größte vorchristliche Gemeinde, "Forn Sidr", 2003 vom dänischen Kirchenministerium als offizielle Glaubensgemeinde anerkannt worden ist, haben die Odin-Anbeter ihre Gemeinde auf 600 Mitglieder verdreifachen können. Deshalb sei ein eigener Grabplatz nun notwendig geworden, sagt Sören Fisker, Begräbnisbeauftragter von "Forn Sidr". "Wenn man eine Glaubensgemeinschaft etabliert, muss man die Gemeindemitglieder auch von der Wiege bis zum Grab betreuen können. Dass wir nun einen eigenen Grabplatz bekommen, ist für uns ein großer Durchbruch", sagte er dem "Kristeligt Dagblad".

Erst Odense, dann Kopenhagen

"Forn Sidr" will nun auf dem Friedhof von Odense eine Reihe großer Steine aufstellen, die zusammen den Umriss eines 18 Meter langen Wikingerschiffes bilden. Sie bilden damit den Rahmen des heidnischen Sammelgrabplatzes. Fisker hofft, dass bald auch andere Kommunen dem Beispiel von Odense folgen. Gerade größere Friedhöfe sollten in Zukunft Land für Sammelgrabstätten der Neuwikinger abtreten.

Die Verwaltung der fünf Kopenhagener Friedhöfe hat sich bereits positiv zu einem Wikingerfriedhof geäußert. "Ja, die können gerne ein Gebiet mieten. Wir werden sehr offen sein für die spezifischen Wünsche der Ausgestaltung dieser Fläche. Allerdings werden wir natürlich ‚nein' sagen, wenn die Wikinger 15 Meter hohe Steine auftürmen wollen", sagt Tom Olson von der Verwaltung der Friedhöfe der dänischen Hauptstadt. Bislang ist die Neuwikingergemeinde "Forn Sidre" die einzige von rund 35 Gruppen, die als Glaubensgemeinde anerkannt wurde. Insgesamt soll mehrere tausend Odin-Anhänger in Dänemark geben.

Weitere Liberalisierung zu erwarten

Bereits mit dem Aufkommen der Romantik im 19. Jahrhundert blühte die alte nordische Naturmythologie wieder auf, dann wieder in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts und erneut in den 60er Jahren. Das isländische Wort ásatrú oder auch Odinismus sind gängige Ausdrücke dafür. Einen schlechten Beiklang hat die Bewegung dadurch bekommen, dass sich auch Neonazis und Satanisten für die alte nordische Religion begeistern. Die öffentliche Meinung im überwiegend protestantischen Dänemark, in dem Moslems die größte religiöse Minderheit noch vor den Katholiken bilden, ist deshalb in der Bewertung der neuen Heiden geteilt.

Die Mehrheit der Dänen scheint jedoch eine größere Offenheit bei der Wahl der Begräbnisformen zu begrüßen. Die Menschen wollten immer häufiger individuell begraben werden, sagt der Religionsforscher René Pedersen von der Universität Aarhus. "Die Genehmigung für Odinisten wird zu einer weiteren Liberalisierung der Begrabungspraktiken führen." Die Genehmigung sei ein gutes Zeichnen für mehr Offenheit gegenüber religiösen Minderheiten, glaubt der Forscher. Schon heute können Muslime in Dänemark eigene Begräbnisstätten anlegen.

Von André Anwar, Stockholm
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
Alex64 (16.07.2008, 15:45 Uhr)
Die
... haben da auch mehr freie Fläche zum verstreuen - da verteilt es sich halt besser.
Ausserdem sieht man ja gerade an DEM Beispiel, wozu das führt ;-))
tricky_dude (16.07.2008, 15:26 Uhr)
@Alex64
In den USA konnten wir den Opa da verstreuen wo er es sich laut Testament auch gewünscht hat.
"Umweltschutz", aaargh! Wenn ich mir so anschaue was da manchmal aus dem Schornstein des Krematoriums am Münchner Ostfriedhof kommt... jaja, waren alles starke Raucher, ich weiß.
Alex64 (16.07.2008, 15:02 Uhr)
tricky
Da bekommst bei uns aber Probleme mit mehreren Behörden ...
Ausser dem Verstoß gegen sämtliche Bestattungsgesetze ist das nämlich auch noch imissionsschutzrechtlich sehr bedenklich (im übrigen genauso wie das blosse "vergraben" einer menschlichen Leiche aufgrund des Schwermetalleintrages beim Verwesungsprozess in´s Grundwasser).
Versuch dann dein Glück doch lieber in Indien oder anderen Ländern, in denen an eine sofortige Wiedergeburt geglaubt wird....
Ausserdem nimmt man es da mit dem Umweltschutz nicht sooo genau .
tricky_dude (16.07.2008, 14:52 Uhr)
@Alex64
Na eben die Religion der Ureinwohner Europas, bevor irgendwelche Missionare unseren Vorfahren das Christentum eingeprügelt haben.
Das deutsche Bestattungsrecht ist Mist. Ich habe keine Lust in der Erde verscharrt zu werden, genausowenig will ich in einem Industrieofen, aka Krematorium verbrannt werden. Ich will auch ein Wikingerbegräbnis, aber richtig! Auf ´nem brennenden Schiff aufs Meer raustreiben, oder aufgebahrt auf einem Holzhaufen verbrannt werden.
Alex64 (16.07.2008, 14:00 Uhr)
Aber klar doch.
Was sind denn "Urreligionen"?
Das "Wildbeuter"thema, eher "Nomaden"religionen, die der frühen Ackerbauern oder denn doch eher die der ersten Städtebauer?
Und in welchem aktuellen Land?
In den deutschen Bundesländern ist das Thema "Bestattungsrecht" ja recht umfassend aund abschliessend geregelt....
tricky_dude (16.07.2008, 10:02 Uhr)
Mich hätten
wirklich mal die Meinungen anderer Leser zum Thema Friedhöfe für Anhänger Ur-Religionen interessiert, aber offensichtlich ist das in diesem Forum nicht möglich.
Alex64 (15.07.2008, 18:29 Uhr)
Na sowas
Man darf hier also keine Verleumdungen richtig stellen? Na mal sehen:
Vielleicht etwas gewählter?
Deine Vorwürfe, mein Lieber, sind schlicht falsch und haltlos.
Ohne auch nur eine marginale Ahnung von meiner persönlichen Umweltbilanz, meiner Lebens- und Fahrweise bezichtigst du mich - juristisch gesehen - der versuchten grob fahrlässigen Körperverletzung und des Fremdenhasses.
Hättest du alle Diskussionen hier verfolgt, würdest du dir nicht anmassen, mir unreflektierten Fremndenhass zu unterstellen.
Könntest du aufgenommene Informationen adäquat verwerten (was ich schwer bezweifle) hättest du bemerkt, das ich nicht egegn die von dir politisch korrekt als Imigranten bezeichnete Ausländer an sich, sondern gegen den Islam als Gesellschaftsform und dessen negative Auswüchse habe.
Aber eine in der Sache gerechte Bewertung wäre wohl zuviel von jemandem wie dir verlangt.
Alex64 (15.07.2008, 16:54 Uhr)
Och
Der Sozialmensch steht auf "Sie" - sowas.
Da ich in deinen Augen ja sowieso nicht sozialverträglich bin, geht mir das ja sowas von ... irgendwo vorbei.
Und nein, wir haben noch kein Bier getrunken - würde ich auch verweigern.
Und nein, Bildzeitung lesen überlasse ich auch anderen.
"Nicht authentisch" "feige" - hab ich was bei meinen mir angedichteten negativen Eigenschaften vergessen?
Falsch geraten - ich habe nur keinen Bock mehr mir von übersozialen, auf die sogenannte (und in meinen Augen nicht mehr vorhandene) Gemeinschaft bedachten Menschen wie dir vorschreiben zu lassen, was sozialverträglich ist und was ich tun oder lassen soll.
Also - womit hast du ein Problem?
Und bevor wieder dumme Vorwürfe kommen: ich bin auf die von Herdentieren wie dir angeblich so großmütig zur verfügung gestellten sozialen "Leistungen" nicht angewiesen - was ich mir aber leiste, ist eine gute Portion Egoismus.
Progreso (15.07.2008, 13:46 Uhr)
@Alex64
Zum Artikelthema:
Genau das habe ich gemeint - Wikinger sind weder ... noch und was bedeutet schon Religion?
Zu Ihnen:
Neid? Auf jemanden wie Sie? Och Gottchen, Sie "Bild"en sich einfach zu viel ein!
Für mich gibt es keinen strukturellen Unterschied zwischen Religionsfanatismus und Hedonismus bzw. postmodernem Materialismus, wie Sie ihn präsentieren.
Beide werden die Welt zerstören mit ihrer jeweils eigenen Rücksichtslosigkeit, Arroganz und Überheblichkeit, denn beide schöpfen ihre "Daseinsberechtigung" aus Gewalt, Zerstörung und Tod - sie sind per se destruktiv!
Also, "empfinden Sie einen als "grün-alternativen Duckmäuser", wenn ich Mißstände in gewissen Bevölkerungsschichten anspreche? Besser Augen zu und durch - und dabei auch noch "Fresse halten"" (Ende mod. Zitat).
Sie sind einfach nicht authentisch ... und feige dazu, denn sonst würden Sie, und gewisse andere mit dieser Gesinnung, unsere Solidargemeinschaft ehrlicherweise aufkündigen - aber dazu haben Leute wie Sie einfach nicht den Mumm. Sie verhalten sich doch genauso nach dem Motto "der Spaß ist meiner - die Risiken trägt die Gemeinschaft".
Um mal in Ihrer Nihilismus-Sprache zu bleiben, bedeutet das, dass Sie mindestens genauso ein Gesellschafts"schädling" sind wie Sie es gerne andern vorwerfen. Aber diese Einsicht bringen Sie leider nicht auf.
Wie kommen Sie dazu mich zu Duzen?
tricky_dude (15.07.2008, 08:17 Uhr)
Erfreulich
das eine neuzeitliche Regierung Verständnis für die alte Religion hat. Hier in DE würden vermutlich die Christlichen Funktionäre schäumen wenn jemand das beantragen würde.
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