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8. August 2007, 18:58 Uhr

So schwer haben es die Superreichen

Das Leben ist hart für eine neue Generation superreicher Amerikaner. Sie wissen nicht mehr, wohin mit all dem Geld. Drittvillen? Viertwagen? Reisen ins Weltall? Selbst die Freizeitgestaltung ist für die Millionäre eine echte Herausforderung. Von Jan Christoph Wiechmann

Bei den Superreichen geht der Trend zur Drittvilla© colourbox

Unsere Freunde von der Upper East Side in Manhattan haben ein sehr amerikanisches Problem. Sie wissen nicht, wohin mit ihrem Geld. Sie haben zu viel davon. Er hat sich als Hedge-Fund-Manager an der Wall Street schwindelig verdient, und nachdem er sich selbständig machte, verdiente er noch mehr. Nun verwaltet er mehr als 200 Millionen Dollar im Jahr. Das sagt er beim Barbeque in seiner Sommervilla so nebenbei: "Ich habe gerade die 200 Millionen Dollar überschritten. Noch ‘n Beck's-Bier?"

12.000 Dollar Monatsmiete

Unsere sonst sehr unprätentiösen Freunde haben sich zunächst ein paar New Yorker Statussymbole gekauft: einen Mercedes 600 als Zweitwagen, einen Audi Coupé als Sonntagswagen und ein Abendessen mit den Clintons. Sie kaufen ihren Schmuck bei Tiffany und ihre Schuhe bei Manolo Blahnik auf der Fifth Avenue. Sie mieten ein Penthouse für monatlich 12.000 Dollar, einen Fitnesstrainer für 800 Dollar und würden ihr Geld gern für die 2000 Dollar teuren Logenplätze eines Basketballspiels der New York Knicks im Madison Square Garden ausgeben, aber dazu werden sie schon von anderen Superreichen eingeladen, die auch nicht mehr wissen, wohin mit ihrem Geld.

Du kannst in New York schnell vom Millionär zum Multimillionär aufsteigen. Aber so schnell nicht wieder fallen.

Je mehr Millionen, desto weniger Steuern

Unsere Freunde von der Upper East Side hassen Präsident Bush, aber sie haben ihn wegen seiner netten Finanzpolitik gewählt. Sie zahlen so gut wie keine Steuern. Je mehr Millionen sie verdienen, desto weniger Steuern zahlen sie. Amerika sitzt auf 8,5 Trillionen Dollar Schulden, aber der Steuersatz unserer Freunde ist inzwischen auf unter 15 Prozent gefallen. Vor etwa 100 Jahren verdiente John Rockefeller, damals reichster Mann Amerikas, 7000 Mal so viel wie ein Arbeiter. Heute verdienen Hedge-Fund-Manager 38000 Mal so viel.

An Dick Cheneys Steuersatz jedoch kommen auch unsere Freunde nicht heran. Der Vizepräsident zahlte 2005 laut der Organisation "Citizens for Tax Justice" auf sein 8,1-Millionen-Dollar-Jahreseinkommen nur 5,7 Prozent Steuern. Der Wert seiner Aktienoptionen vom Kriegskonzern Halliburton - das er einst leitete - stieg in demselben Jahr um 3210 Prozent. Je mehr Kriege Amerika führt, desto reicher wird Cheney. Je länger die Kriege dauern, desto besser für ihn. Cheney hätte sich rein finanziell keinen besseren Krieg wünschen können als diesen endlosen, vermaledeiten Irakkrieg. So ähnlich verhält es sich auch bei unseren Freunden. Je mehr Arbeiter die Unternehmen entlassen, desto besser verdienen sie. Das sagen sie beim Barbeque ganz nebenbei: "Man müsste jetzt Chrysler kaufen. Die werden noch kräftig entlassen. Noch ‘n Beck‘s?"

Das schwere Leben der Superreichen

Das Leben als Superreicher in Amerika ist keineswegs leicht. Es gibt immer mehr dieser Superreichen. Seit Bushs Amtsantritt hat sich ihre Zahl verdoppelt. Unter den 400 reichsten Amerikanern befinden sich erstmals keine Multimillionäre mehr, sondern nur noch Milliardäre. Man muss schon eine Menge Kreativität aufwenden, um als Superreicher aus der Masse der Superreichen hervorzustechen. Unsere Freunde denken über einen Viertwagen nach und eine Drittvilla in der Karibik, aber originell ist das nicht gerade. Sie haben ihre Tochter deswegen in einen Kindergarten gesteckt, in dem fünf Kinder von vier Betreuern umsorgt werden. Aber es sind keine normalen Betreuer. Es sind Psychologen und Soziologen mit Master-Abschluss. Gemeinsam sitzen diese fünf Betreuer um die vier spielenden Kinder herum und evaluieren täglich ihr soziales Verhalten und die Zukunftschancen in einer wettbewerbsintensiven, globalisierten Welt.

Noch schwieriger ist die Freizeitgestaltung. Die Frau hat mit Mitte Vierzig noch mal Schwimmstunden bei einem Privattrainer genommen, um die Beinarbeit beim Rückenschwimmen zu perfektionieren. Sie hat Ballettunterricht bei einem Privattrainer genommen und einen Fotokurs bei einem Starfotografen belegt. Sie wollte gern ein bedeutendes Fotoessay schaffen über arme schwarze Kinder in Camden, New Jersey, der gefährlichsten Stadt Amerikas, bis sie feststellen musste, dass sich die armen schwarzen Kinder von Camden eher für die Diamanten in ihrem Ohr interessierten als für ihr bedeutendes Fotoessay.

Eigene Wohnung für die fünfjährige Tochter

Auch der Hauskauf ist für Superreiche nicht ganz unkompliziert. Unsere Freunde hatten eine große Sommervilla auf dem Land in Pennsylvania, aber um etwas Geld loszuwerden, mussten sie jetzt eine noch größere Sommervilla kaufen, mit Pferdekoppel und einem Pool in Olympiagröße, dessen Umbau allein eine halbe Million Dollar kostet. Sie sind keineswegs selbstsüchtige Menschen, deswegen haben sie für ihre fünfjährige Tochter einen eigenen Wohntrakt gebaut samt Zimmer für die Tagesmutter, eine illegale Immigrantin aus Ecuador, die einspringt, wenn die illegale Babysitterin aus Guatemala nicht kann, weil sie die illegale Köchin aus Mexiko vom Bahnhof abholt.

Unsere Freunde finden uns exotisch. Sie finden es exotisch, in Brooklyn zur Miete zu leben. Sie finden es exotisch, dass Kinder in staatliche Schulen gehen. Sie finden es exotisch, mit der U-Bahn zum Strand nach Coney Island zu fahren. Wir sind ihre Brücke zur Welt. Wir sind der Beleg für ihre Bodenhaftung. Wir haben unseren Freund bei einem guten deutschen Bier nach einem sicheren Investmenttipp gefragt. Aber er konnte uns nicht helfen. Er kennt sich bei Beträgen unter 20.000 Dollar nicht so aus.

Von Jan Christoph Wiechmann
 
 
KOMMENTARE (10 von 26)
 
Nostradamus (19.08.2007, 16:10 Uhr)
Das Problem..
ist nicht Neid.
Wenn viele 200Mio. auf dem Konto haben und damit nichts anfangen, während gleichzeitig gering qualifizierte 80 Stunden die Woche in den USA arbeiten, dann stimmt was nicht.
Das Problem ist wohl das Verhältnis bei der Entlohnung. Dass man in den USA durch Arbeit reich werden kann ist eine Mär und für Deutschland stimmt das schonmal gar nicht.
Die deutschen sind, da stimme ich den Amerikanern hier im Forum zu, sozialistische Neidhammel, die dem Nachbarn das Schwarze unter den Fingernägeln nicht gönnen.
Auf der anderen Seite ist es schäbig, wenn ein ehemaliger Halliburton Mitarbeiter Kriegsminister und reicher und reicher wird. Der Steuersatz ist eine Schande.
Steuersysteme sollten die belohnen, die in einen Staat investieren und Arbeitsplätze und "Existenzen" schaffen und jene bestrafen, die das Geld horten. Denn diese entziehen dem Wirtschaftskreislauf das Geld.
Das hat rein gar nichts mit Neid zu tun. Gerade in den USA hat es Tradition, dass sich die Wohlhabenden in Stiftungen etc. für die ärmeren einsetzen. Krankenhäuser und Schulen finanzieren etc.. Das ganze freiwillig und ohne Steuern.
Es scheint als wenn der Gerechtigkeitssinn des amerikanischen Großbürgertums auf der Strecke bleibt.
Niemand missgönnt ihnen ihren Besitz aber jeder meckert über ihre Dekadenz und ihr Phlegma. Paris Hilton sei da nur ein Beispiel für das dekadente Amerika, das so wenig Zustimmung findet.
Phlegma,Dekadenz und Drogenkonsum hat, (Siehe 20'iger Jahre) bereits zu einer Weltwirtschaftskrise geführt.
Geld sollte man einsetzen um neue Werte zu schaffen.
In der Wissenschaft und Forschung fehlt es an allen Ecken und Enden. Wichtige Themen wie z.B. Hubble sind notleidend und andere Themen (Energieforschung, Mond- Mars Besiedlung) werden nicht entsprechend forciert.
Es gibt genug zu tun und mir erscheint es unmöglich, wenn dekadente und selbstsüchtige Leute ihr Geld horten um, wie Dagobert und Klaas Klever Zahlen um die Wette zu vergleichen.
Zumal dieses Geld binnen weniger Wochen wertlos werden kann und das eben weil man zu dekadent und faul war und keinen Visionen Raum gab.
Die amerikanische Immobilienkrise kann so zu einer weltweiten werden und dann nutzen einem 200 Mio. $ auf dem Konto auch nix mehr....
Die Debatte hat offensichtlich rein gar nichts mit Neid zu tun.
Countryjoe (11.08.2007, 13:54 Uhr)
@Vincent_Vega
Es geht sich doch in dem Artikel nicht um die wenigen Milliardäre die mit Talent, Energie und Glück zu ihren Reichtum kamen, sondern um die gesichtslosen Vampire der "private equity" Gesellschaften die sich skrupel- und rücksichtslos vom Ruin 1000er fettmachen.
bernie-abg (09.08.2007, 17:34 Uhr)
MoodyMare...
...hat weder den Artikel noch die Kommentare verstanden.
MoodyMare (09.08.2007, 16:42 Uhr)
Propaganda... mal wieder
Jetzt ist (wie immer in dt. Propaganda Medien) Bush schuld dass es Reiche leute gibt in USA.
Nicht nur hat Bush persoenlich (laut dt. Propaganda) Kathrina bestellt und Deiche angebohrt, eine Bruecke zum einstuerzen gebracht und war nicht buddy buddy mit einem Tyrannen so wie Dland gerne Tyrannen mag, nein, jetzt ist er auch noch dran schuld dass jemand Reich ist und der Deutsche Neidisch weil er in seinem Armen Deutschland nicht genauso reich werden kann, dank des ach so tollen deutschen Sozialsystem und der tatsache dass man *oh mein gott!!* arbeiten muss und sich tatsaechlich anstrengen muss in den USA um Geld zu bekommen.
Auf der faulen Haut liegen wie in Dland ist nun mal nicht.
Hoert doch einmal auf neidisch zu sein, und wacht auf mit eurer Propagandamedien anti amerikanismus zu schnueffeln.
Dland wird immer aermer.
Ich habe es hier in USA zu mehr gebracht als es mir jemand in Dland gelassen haette. Armes Deutschland, arme Deutschen.
bernie-abg (09.08.2007, 12:43 Uhr)
Mal eben in die...
...Kristallkugel geschaut wie es weitergeht in G.W.Bushs USA: Ah, ja als nächstes werden die Spendeneinahmen sozialer Einrichtungen wie Armenküchen zur Konsolidierung des Staatshaushalts mit 50% besteuert. Zeitgleich gibt es eine "vorgreifende Generalamnestie" für Superreiche, damit nicht noch mal so etwas passiert wie mit dem "armen" Kenneth Lay. Sodann wird dieses ganze "System" an Frau Merkel ins befreundete Deutschland exportiert, wo es von den Regierungsparteien dankend angenommen wird.
Lelou (09.08.2007, 12:28 Uhr)
Nicht jede Kritik ist Neid!

Schade eigentlich, dass der Unterschied zwischen (Sozial-)Neid und berechtigter Kritik manchen Menschen einfach nicht klar zu machen ist.
@chrizz
Sie haben Recht: es gibt die ständigen Nörgler, die von 8.00 bis 16.30 ihre Arbeit verrichten, anschließend mit dem Hintern auf dem Sofa sitzen und auf alle schimpfen, deren Häuser und Autos größer sind.
Es gibt auch die Menschen, die viel Geld verdienen, weil sie außerordentliche Leistungen bringen und außerordentliche Verantwortung tragen; es dann verdienterweise genießen und dennoch auch an vom Schicksal weniger Begünstigte denken.
Doch leider wächst die Zahl derer, die ihren Reichtum durch Skrupellosigkeit und menschenverachtendes Verhalten ins Unermäßliche steigern und tatsächlich irgendwann jeglichen Bezug zur Realität verloren haben. Und die nächste Generation, die dann das Arbeiten gar nicht mehr kennengelernt hat, wächst in diesen Kindergärten, Schulen - in dieser Luftblase heran.
Ich glaube, es wird langsam wirklich Zeit, den Menschen mit Verantwortung deutlich zu machen, dass das Leben kein Monopolyspiel ist.
Und übrigens: wir gehören zu denen mit eher viel Geld, viel Arbeit, viel Verantwortung. Und ich gebe auch zu, dass es noch immer(materielle) Wünsche gibt, die wir uns nicht erfüllen können, und dennoch tue ich alles dafür, nicht so zu werden wie die Menschen, von denen in diesem Artikel die Rede war!
RomanTicker (09.08.2007, 12:19 Uhr)
Kritik an Reichen ist berechtigt
Natürlich ist die Kritik an Reichen in den meisten Fällen berechtigt. Es steht außer Frage, dass viele Reiche, sich den Reichtum auch ehrlich erarbeitet haben, ABER was für ein Mensch muss man sein, wenn man mehr Geld hortet als man selbst und alle Nachkommen in den nächsten 100 Jahren nicht ausgeben kann, obwohl es auf der Welt Milliarden Menschen gibt, die unter ärmlichsten Verhältnissen geben. Zur Ehrenrettung mancher Reichen muss man natürlich sagen, dass es einige gibt, die mit einem Teil ihres Geldes etwas Gutes machen oder sich engagieren. Die Mehrheit der Superreichen muss aber anscheinend egoistisch sein und das Leid der anderen Menschen muss ihnen vollkommen gleichgültig sein, denn diese Riesensummen ersparten Geldes könnten die Not der Welt deutlich lindern. Dafür müssten die Superreichen noch nicht einmal ihr Geld abgeben sondern nur einen Teil der Zinsen und Erträge ihres riesigen Vermögens.
Und was machen viele Reiche stattdessen? Entweder gar nicht oder aber sie wenden sich an die Normalverdiener und rufen sie zum Spenden auf. Das finde ich zum Kotzen.
Vincent_Vega (09.08.2007, 12:13 Uhr)
@countryjoe
"Na, wenn das reicht wo ist denn mein Reichtum? Stecken den sich nicht genau die Leute in die Taschen die im Artikel beschieben wurden? Hängt nicht alles ab vom Vitamin B?"
Alles eben doch nicht. Bill Gates und Steve Jobs haben auch nicht nur durch Beziehungen ihre Firmen aufgebaut, sondern neben auch durch Produkte und eben dem besseren Verkaufen von bestimmten Produkten.
Es hilft also nicht, einfach nur wie ein Kumpel unter Tage zu malochen oder als Ingenieur sich die ganze Woche inklusive Wochenende mit Planen und Leiten um die Ohren zu Hauen, wenn das Produkt, dass man liefert, eben nur zu diesem Preis bezahlt wird.
Und Talent gehört mit Sicherheit auch dazu (es sei denn man ist George W. und Daddys Freunde greifen einem unter die Arme, das ist dann wieder Vitamin B, aber die werden das auch nicht aus reiner Liebe zu Daddy gemacht haben).
Countryjoe (09.08.2007, 11:59 Uhr)
Engstirnig
"5.30 Uhr aufstehen, bis in die Nacht arbeiten, Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen, 60 oder mehr Stunden Wochen..."
Na, wenn das reicht wo ist denn mein Reichtum? Stecken den sich nicht genau die Leute in die Taschen die im Artikel beschieben wurden? Hängt nicht alles ab vom Vitamin B?
Außerdem finde ich es mehr als engstirnig, jeden in die linke Schublade zu stecken, der die Ausbeutung von Volk und Heimat durch eine kleine aber einflußreiche Kaste kristisiert.
Betonpaul (09.08.2007, 11:47 Uhr)
1789
Wenn man so was liest, wünscht man sich, die Zeit zurückdrehen zu können.
Köpfe, in denen sowieso nichts drin ist, kann man auch abhacken.
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