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28. März 2008, 07:05 Uhr

Anti-Islam-Film schockt Niederländer

Der niederländische Politiker Geert Wilders hat einen islamfeindlichen Film über den Koran im Internet veröffentlicht. Mit dem Film wolle er davor warnen, dass der Islam die Freiheit der Niederlande gefährde. Die niederländische Regierung bedauert die Veröffentlichung des Films: Er sei "gemein und verletzend".

Der Politiker Geert Wilders hat einen islamkritischen Film veröffentlicht© Marcel Antonisse/AFP

Der niederländische Abgeordnete Geert Wilders hat seinen angekündigten antiislamischen Film im Internet veröffentlicht. In dem 15-minütigen Film werden Verse aus dem Koran zitiert und vermischt mit Szenen von den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA, den Anschlägen 2004 in Spanien sowie der Ermordung des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh 2004. Die ersten Reaktionen auf den Film fielen verhalten aus. Der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende kritisierte den Film. "Der Film setzt den Islam mit Gewalt gleich", erklärte Balkenende. "Das weisen wir zurück. Wir bedauern, dass Herr Wilders diesen Film veröffentlicht hat. Wir glauben, er dient keinem anderen Zweck, als zu beleidigen."

"Gemein und verletzend"

Der Fraktionsvorsitzende der regierenden Christdemokraten, Pieter van Geel, nannte den Film "gemein und verletzend". Eine Sprecherin der mitregierenden Sozialdemokraten sagte, Wilders stelle bereits bekannte Szenen so zusammen, dass sie "angsteinflößend" wirken. Die Zeitung "de Volkskrant" kommentierte am Freitag, der Film gleiche den Propagandamethoden, mit denen totalitäre Regime Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufhetzen.

Die niederländische Regierung hatte schon Befürchtungen geäußert, der Film könne in muslimischen Ländern zu ähnlichen Ausschreitungen führen wie vor zwei Jahren die zuerst in dänischen Zeitungen abgedruckten Mohammed-Karikaturen. Wilders' Film beginnt und endet mit einer dieser Karikaturen. Dann wird am Ende ein Blatt Papier zerrissen. Im Untertitel wird dem Zuschauer versichert, es sei nur eine Seite aus einem Telefonbuch. "Es ist nicht meine Sache, sondern die der Muslime, die Hass säenden Seiten aus dem Koran zu reißen", heißt es dann. Wilders erklärte, er habe den Film veröffentlicht, weil der Islam und der Koran auf lange Sicht die Freiheit in den Niederlanden gefährdeten. "Ich musste die Menschen davor warnen", erklärte er. "Es ist keine Provokation, aber es ist fünf vor Zwölf."

Ein Sprecher der Muslime, Yusuf Altuntas, erklärte, Wilders teste mit dem Film die Grenzen, überschreite sie aber nicht. "Für Herrn Wilders ist das schon recht subtil." Der Film sei nicht so schlimm wie erwartet, sagte der Islamwissenschaftler Maurits Berger von der Universität Leiden. Er zeige nur Bilder, "die wir alle schon kennen". Der Film sage mehr über Wilders, als über den Koran.

Koran für Wilders ein "faschistisches Buch"

Ein Richter wollte am Freitag einen Antrag von Muslimen anhören, die in dem Film einen Fall von Volksverhetzung sehen. In ihrer Klageschrift fordert die Niederländische Islamische Vereinigung für jeden Tag 50.000 Euro Strafe, an dem Wilders seinen Film ausstrahlt. Für jede "beleidigende Äußerung" soll er 5.000 Euro zahlen, heißt es in der bei einem Bezirksgericht eingereichten Klageschrift. Wilders will mit seinem Kurzfilm seine Auffassung belegen, dass der Koran ein "faschistisches Buch" und der Islam unvereinbar mit Demokratie sei. Der Anwalt der Islamischen Vereinigung, Ejder Kose, kündigte an, er werde in dem Verfahren Dutzende von volksverhetzenden Äußerungen Wilders aus den vergangenen vier Jahren zitieren.

So habe der Chef einer mit neun Abgeordneten im Parlament vertretenen reaktionären Partei den Koran mit Hitlers "Mein Kampf" verglichen und den Propheten Mohammed als "Barbaren" bezeichnet. Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass sie gegen Wilders wegen seines Films ermittelt habe. Nach dem Strafrecht drohen jedem, der öffentlich zum Hass gegen eine Gruppe Menschen wegen ihrer Religion, Rasse, Lebensphilosophie oder sexueller Orientierung aufruft, bis zu einem Jahr Gefängnis. Allerdings garantiert die Verfassung, dass es keine Kontrolle von Rundfunk- und Fernsehbeiträgen vor der Sendung gebe.

Der Vorsitzende des Nationalen Marokkanischen Rates in den Niederlanden, Mohamed Rabbae, sagte in einer ersten Reaktion, Wilders' Film sei "weniger schlecht" als erwartet. "Aber er vermittelt den Eindruck, dass der Islam Gewalt rechtfertigt, was völlig falsch ist", sagte er. Die indonesische Regierung kritisierte den Film als irreführend und rassistisch. "Wir betrachten die Produktion dieses Films als eine unverantwortliche Tat unter dem Deckmantel der Pressefreiheit", sagte Außenamtssprecher Kristiarto Legowo. Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde.

Westergaard will gegen den Film klagen

Unterdessen will der dänische Karikaturist Kurt Westergaard, dessen Karikaturen on den Film verwendet wurden, gerichtlich gegen den Anti-Islam-Film des niederländischen Politikers Geert Wilders vorgehen. Westergaard sagte in Kopenhagen, er betrachte die Verwendung seiner ebenfalls umstrittenen Mohammed-Karikatur am Anfang und Ende des Internet veröffentlichten Film als Missbrauch. Wilders setzt in dem 15 Minuten langen Streifen den Islam mit dem Faschismus gleich und verlangt ein Verbot des Korans.

Westergaard muss selbst nach der erneuten Veröffentlichung seiner Mohammed-Zeichnung als Terrorist mit einer Bombe im Turban wegen Morddrohungen an wechselnden Adressen leben. Er kündigte an, dass er per einstweiliger Verfügung ein Verbot von Wilders' Film erreichen will. Auch die Zeitung "Jyllands-Posten", in der die umstrittenen dänischen Mohammed-Karikaturen erschienen waren, distanzierte sich vom Anti-Islam-Film des niederländischen Populisten Wilders.

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 193)
 
h-p-t (31.03.2008, 11:40 Uhr)
@alex
wow, danke für den artikel, das sagt alles.
hat dieser Niels Lillelund gut auf den punkt gebracht.
Alex64 (31.03.2008, 11:26 Uhr)
Und noch was von mir
Ein aus dem Dänischen übersetzter Kommentar zum Film aus der "Jyllands-Posten" (ja, genau die mit den Karikaturen)welcher die Dinge mal gut klarstellt...
"Westlicher Selbstbetrug über “Fitna”
Die Bürger im Westen verstecken ihren Kopf im Busch (Sand) in der Hoffnung, dass die Wirklichkeit um sie herum verschwindet. Die Logik ist ja überzeugend.
Islam ist eine friedensliebende Religion, und der, der anderer Meinung ist, riskiert Fürchterliches wie Feuer, Brand und Blutvergießen. “Fitna” ist gefährlich. Alle halten den Atem an, von Le Monde bis zum Provinzblatt von Lolland-Falsters Folketidende, Verurteilungen strömen herein, und der iranische Außenminister findet den Film abscheulich. Er ist eine zarte und verfeinerte Seele, eine muslimische Mimose.
Nun ist Wilders’ Film an sich kein wichtiger Diskussionsbeitrag. Wir haben die Bilder schon gesehen, wir haben die Hasspredigten der Imame gehört, wir haben Steinigungen von Frauen gesehen und wie Homosexuelle gehängt wurden, wir kennen die Koranpassagen, also in der Hinsicht bringt Wilders’ nichts, das neue Diskussionen hervorbringen könnte.
Aber die Reaktionen eröffnen eine neue Sicht. Es ist die verärgerte Öffentlichkeit, es sind alle die feinen, toleranten Menschen, die Wilders’ Produkt eine Bedeutung geben, und das ist natürlich mächtig ironisch.. Er behauptet, dass der Islam die Freiheit erstickt, und er kann sich wie ein zweiter Grundtvig (bedeutender Dichter Dänemarks) an die Brust schlagen mit den Worten: Ich bin der Beweis.
Rein filmisch erinnert Wilders in seiner Vorgehensweise am meisten an Michael Moore, nur nicht so unterhaltsam. Das liegt zum einen am mangelnden Talent, teilweise aber auch daran, dass es ungleich witziger ist, Bush vorzuführen als den bedrängenden Islam in Nahaufnahme zu betrachten.
Man kann beides belächeln, wie die Imame sich ereifern, und wie eine westliche Intelligenzia sich entschuldigt, dieselben erklärt und ihre Kritiker verurteilt - da bleibt nur ein ohnmächtiges eingefrorenes Lächeln.
Der Unterschied zwischen Moore und Wilders ist die Reaktion, die sie bewirken, das illustriert viel mehr als ein Film. Wenn man Bush basht, gewinnt man Preise und Beifall in Cannes. Wenn man den Islam basht wird es ernst, und eine benommene westliche Öffentlichkeit braucht Riechsalz, während die Aufgescheuchten wie Hasen wichtige und prinzipielle Begründungen für ein Verbot des Filmes erfinden.
In Dänemarks Radio verglichen Nachrichtenredakteure das Phänomen mit einem Film, der die Juden und den Holocaust relativierten, und das hat auch der Sozialdemokrat Mogens Jensen gemacht.
Das ist ein unglücklicher Vergleich, wie der Film “Fitna” beweist, und es gibt ausgezeichnete aufklärende Bücher, die über den Zustand in Nahost schreiben.
Denn wo wird “Mein Kampf” verkauft? Wo liest man “Die Protokolle der Weisen von Zion”? Wo werden Kinder zum Judenhass erzogen? Wer sind sie, die Israel von der Weltkarte ausradieren wollen, und wo sind die, die meinen, dass Hitler doch richtig lag? Das ist in Nahost. Das sind die Muslime. So ist das leider.
Wilders hat primitiv zusammengeschnitten und manipuliert, aber er hat die Teile nicht selbstgemacht. Es war nicht Wilders oder ein propagandischer Rechtsflügel, der die Flugzeuge im Namen Allahs in das World Trade Center geflogen hat. Es ist nicht Wilders, der die Köpfe von westlichen Geiseln abgesäbelt und dies aufgenommen hat. Es war nicht Wilders, der Theo van Gogh erstochen hat.
Alles das sind wesentlich verstörendere Geschehnisse als ein Mann, der einen primitiven Film darüber gemacht hat. Merkwürdigerweise ist sich die westliche Öffentlichkeit darüber einig, dass die Ereignisse grausam, aber der Film darüber viel schlimmer ist. Es ist, als ob man glaubt, dass, wenn man die Augen lange genug verschließt, die Wirklichkeit verschwindet.
(Jyllands Posten-Kolumne vom 29. März 2008 von Niels Lillelund)"
zaxxon (31.03.2008, 11:22 Uhr)
@sandoamigo
Die Zukunft gehört uns??? Wie soll denn diese Zukunft aussehen? Sie überziehen die Welt zwecks Masse mit Islamfaschismuß oder wie? Sie machen mir Spaß und belegen mal wieder, wo ihr geistiger Horizont liegt.
Kann mich Alex64 und h-p-t in allen belangen nur anschließen.
Alex64 (31.03.2008, 11:20 Uhr)
Letzter Teil
... gutmenschlich-toleranter Argumentationstaktik: Der beleidigte/beleidigende Rückzug...
Q.e.d.
paulmaz (31.03.2008, 11:18 Uhr)
Alex 64
Na Herr Alex, habe jede meinerBehaup-
tungen mit Zahlen und Fakten belegt
was man von ihren vielen Kommentaren
wiklich nicht sagen kann. Da ihnen
offensichtlich die Argumente ausge-
gangen sind, beissen sie nur noch um sich.Weiter mit ihnen zu diskutieren ist daher reine Zeitverschwendung.
Alex64 (31.03.2008, 10:53 Uhr)
paulmaz
halt dich besser mal etwas zurück mit deinen Ausdrücken.
Der einzige, der versucht vom Thema - und das ist numal das Islam-Filmchen und damit der Islam und der Koran - abzulenken und mit dem Finger auf die "anderen Bösen" zu zeigen bist DU.
Vorschlag: Es gibt genug antiamerikanische und antiisraelische Blogs - da bist du besser aufgehoben.
Ah so - vergessen: Wieviel Erdöl gibt es eigentlich in Korea und in Vietnam?
h-p-t (31.03.2008, 10:37 Uhr)
@sandoamigo
wer behauptet das er euch muslime nicht will ?
wer behauptet das ihr alle schlecht seid ?
wer will eure existenz in frage stellen oder wer schreibt hier ihr hättet kein recht hier zu sein ?
hier steht lediglich zur debatte das viele muslime den koran als lebensgrundlage nutzen und diesen in vielerlei hinsicht extrem auslegen .
ich habe nichts gegen muslime die sich integrieren, die ihren kinder erlauben deutsch ( oder andere europäische sprachen ) zu lernen und ihre töchter mit deutschen / europäischen / andersgläubigen leuten ausgehen dürfen ohne das der große bruder vom ehrenmord träumt.
ich habe nichts gegen muslime die ihren glauben vertreten ohne hetze auf ungläubige zu predigen,
ich habe nichts gegen muslime die sich von verbrechen ( die unserem GG wiedersprechen ) distanzieren.
ich habe nichts gegen muslime die in europa ihrer arbeit nachgehen und sich "menschlich" verhalten und extreme verhaltensweisen ablehnen.
was ich jedoch nicht mag, sind intolerante muselmanen, die bei karikaturen die flaggen andedrer länder verbrennen, die aufrufen zur vollständigen ausrottung eines volkes, die "ungläubige" nicht tolerieren und ihnen den kopf abschneiden, ich mag keine muslime die hass predigen und mit terroristen symphatisieren ohne sich klar zu distanzieren.
was ist mit ihnen, anstatt auf den text einzugehen und farbe zu bekennen wollen sie hier "ängste schüren" mit artikeln wie das ist unsere zukunft etc....?
was meinen sie wieviel zukunft ihre länder haben wenn es zu einem kräftemessen kommt? wobei das nichts hier zu suchen hat weil ich kriege jeglicher form ablehne.
natürlich zeigte der anti-islam film nur einen zusammenschnitt der wichtigsten / schlimmsten ereignisse, das genau ist aber auch ein teil des extremen islams, und wünschenswert wäre ja, anstatt dies hier zu verteidigen, von den "nicht extremen muslimen" zu sagen:"ok hier gibt es missstände die es zu bearbeiten gibt"
wie in jedem anderen teil der menschen auch, aber stattdessen wird es verteidigt und in schutz genommen, das macht euch unbeliebt und zeigt das ihr muslime zum grossteil der ganzen geschichte gegenüber tolerant eingestellt seid, oder haben sie auch gegenstimmen der muslime vernommen die aussagten das in ihrerm rechtssystem wirklich etwas nicht stimmt und man z.b. den koran einheitlich übersetzen / auslegen sollte, oder aber die grundrechte der menschen die dort leben überarbeiten müsste etc.?
wenn in BRD ein zug nazi´s aufmarschiert zeigen doch auch viele deutsche flagge und stellen sich diesen entgegen.
Alex64 (31.03.2008, 10:29 Uhr)
Was hindert dich
... selbst tätig zu werden?
Falls Du nichts findest - schau mal hier rein.
http://www.rasalgethi.org/wiki/index.php/Paret-Koran
herdon (31.03.2008, 10:06 Uhr)
Koran kennen lernen
Es wäre für alle verständlicher, wenn der Koran seitenweise veröffentlicht werden würde.Man könnte das Verhalten
der Leute vergleichen und verstehen - oder nicht!
Anemone (31.03.2008, 10:03 Uhr)
@Alex
Deine WER-Liste von gestern abend möchte ich ergänzen:
WER - feiert öffentliche Freudenfeste, wenn ein Selbstmordterrorist (sprich: Verbrecher) viele Juden mit sich in den Tod reißt?
Ich kenne allerdings einige wenige Muslime, die nicht den Islam verteidigen, wie es auch hier wieder passiert, sondern die sich ernsthafte Gedanken machen über die Wahrheit und über den Geist des Korans.
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