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Gericht will Muslimin zwingen, ihren Schleier abzulegen

Eine Zeugin in München weigert sich vehement, vor Gericht ihr Gesicht zu zeigen. Die Richter verlangen jedoch, dass sie ihren Niqab abnimmt. Nun soll sogar ein Rechtsgelehrter aus Saudi-Arabien die Frau zu dem Schritt überreden.

München: Eine Zeugin weigert sich, vor Gericht ihren Schleier abzunehmen

Frauen, die in einen Niqab gehüllt sind (Symbolbild): Eine Zeugin weigerte sich, vor einem Gericht in München ihren Schleier abzunehmen

Vor dem Landgericht München wird derzeit ein Fall wegen Beleidigung verhandelt. Das Problem ist nur, dass die mutmaßliche Geschädigte sich weigert, ihren Schleier abzunehmen. Bereits im November wurde der Angeklagte unter anderem aus diesem Grund von einem Amtsgericht freigesprochen. Der Richter Thomas Müller wollte damals das Gesicht der Zeugin Amira B. sehen, um ihre Reaktionen und Mimik während der Verhandlung beobachten zu können. "Nein, das mache ich nicht. Wegen meines Glaubens", soll sie ihm entgegnetet haben, berichtet die "Bild"-Zeitung am Donnerstag. 

Bis zum Ende der Verhandlung blieb Amira B. dem Bericht zufolge uneinsichtig. Auch die Erklärung des Richters er habe ansonsten "erhebliche Probleme bei der Bewertung ihrer Aussage", überzeugte sie demnach nicht. "Ich habe einen Gott am Ende der Welt, der mir am Ende recht geben wird", berief sie sich laut der "Bild" auf den Islam. Den Niqab, der den Körper und das Gesicht vollständig bedeckt, behielt die Zeugin an. 

Der Zeugin drohen Zwangsvorführung oder Beugehaft

Gegen den folgenden Freispruch legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Am 17. März soll die Berufungsverhandlung nun stattfinden. Die Richter fürchten aber offenbar, dass die Muslima sich erneut weigert, den Niqab abzulegen. 

Aus diesem Grund soll die 22. Strafkammer den Islam-rechtsgelehrten Abdullah Al Muuslih aus Saudi-Arabien um eine Expertise gebeten haben. In einem ähnlichen Fall soll er bereits laut der "Bild" geurteilt haben, dass " das Ablegen von Niqab vor den Justizorganen wie Richtern, Polizei, Staatsanwälten etc. (...) auf Grund von Notwendigkeiten und Schadensverhinderungen (...) erlaubt" sei. 

Sollte sich Amira B. dennoch weigern, am 17. März den Schleier abzulegen, könnte das Gericht mit prozessualen Maßnahmen die Durchführung der Aufforderung durchsetzen. Mit Ordnungsgeld, Zwangsvorführung oder Beugehaft, könnte das Gericht eine Entschleierung erzwingen.

ivi
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