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9. November 2009, 14:31 Uhr

Goldman-Chef verrichtet "Gottes Werk"

Der Zusammenbruch von Lehman Brothers hat sich gerade gejährt. Doch die Erinnerung verblasst: Inzwischen verdienen die Banker wieder Millionenboni. Goldman-Chef Lloyd Blankfein verteidigt die Zahlungen - und spricht von einem "sozialen Zweck".

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Erfüllt nach eigener Ansicht soziale Zwecke: Goldman-Sachs-Vorstandschef Lloyd Blankfein© Jemal Countess/Getty Images

Goldman-Sachs-Vorstandschef Lloyd Blankfein hat erneut die Bonuszahlungen an die Mitarbeiter des Wall-Street-Hauses verteidigt. Eine leistungsbezogene Vergütung sei eine Garantie für verantwortliches Handeln und ein klares Anzeichen für eine Erholung der Weltwirtschaft, sagte Blankfein der "Sunday Times".

Zudem strich er die gesellschaftliche Rolle der Banken heraus: "Wir helfen Unternehmen, die wachsen wollen, bei der Aufnahme von Kapital. Wachsende Unternehmen wiederum schaffen Wohlstand. Wir dienen also einem sozialen Zweck", sagte Blankfein und fügte hinzu. "Ich bin bloß ein Banker, der Gottes Arbeit verrichtet."

Das Blankfein-Interview ist Teil einer Imagekampagne von Goldman Sachs. Keine Bank wird im Hinblick auf Bonuszahlungen so kritisch von der Öffentlichkeit beurteilt. Im dritten Quartal lagen die Rückstellungen für Personalkosten bei 5,4 Milliarden Dollar und damit niedriger als im Vorquartal. Die Summe entspricht rund 43 Prozent der Nettoerträge. Dieser Posten beinhaltet leistungsabhängige Zahlungen, aber auch Abfindungen oder Steuern. Insgesamt hat die Bank damit in diesem Jahr 16,7 Milliarden Dollar für die Entlohnung von Mitarbeitern beiseite gelegt.

Die wieder ansteigenden Saläre haben heftige Kritik ausgelöst, da die Institute mit Milliarden an Hilfen gestützt wurden - und die an den Märkten spürbare Besserung bisher auf dem Arbeitsmarkt nicht angekommen ist. Goldman Sachs ist dabei besonders in die Schusslinie geraten und hat harte Überzeugungsarbeit vor sich. Das US-Musikmagazin "Rolling Stone" etwa beschrieb die Bank in einem im Frühsommer erschienenen Artikel als "riesigen Vampirtintenfisch, der sich um das Gesicht der Menschheit gewickelt hat und seinen Bluttrichter unbarmherzig in alles hineinpresst, was nach Geld riecht".

Goldman Sachs will daher sein Image aufpolieren. Zu einer großangelegten Charmeoffensive gehören Interviews mit Bankchef Blankfein, hohe Ausgaben für Lobbyarbeit in Washington sowie Überlegungen, das karitative Engagement des Geldhauses auszuweiten. "Es ist wichtig, dass wir unser Geschäftsmodell einem größeren Publikum erklären, warum es wichtig ist, was wir tun, und warum und wie wir unsere Mitarbeiter bezahlen", sagte ein Sprecher dem "Wall Street Journal" vor mehreren Tagen.

Goldman Sachs hat die Finanzkrise hinter sich gelassen und streicht wieder dicke Gewinne ein. Im dritten Quartal lag das Nettoplus bei 3,2 Milliarden Dollar oder 5,25 Dollar je Aktie. Die Nettoerträge lagen bei 12,37 Milliarden Dollar. Damit schlug das Geldhaus die ohnehin hohen Erwartungen noch.

Getrieben wurde das Ergebnis vom Handel und den Investments der Bank. Im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Devisen und Rohstoffen erzielte Goldman Sachs Erträge von knapp 6 Milliarden Dollar, die Geschäfte mit Aktien brachten 2,8 Milliarden Dollar ein. Dabei ging die Bank weniger Risiko ein als zuvor: Der Value at Risk, der das mathematische Verlustrisiko ausdrückt, lag im dritten Vierteljahr durchschnittlich bei 208 Millionen Dollar. Im Vorquartal hatte er sich noch auf 245 Millionen belaufen.

Einige Beobachter zweifeln allerdings an der Nachhaltigkeit der Ergebnisse. "Handelsgewinne kommen und gehen", hatte Peter Jankovskis, Co-Leiter für Investitionen bei Oakbrook Investments, gesagt. "Das sind echte Einnahmen, aber es ist nichts, auf das man sich Quartal für Quartal verlassen kann."

Blankfein strotzt hingegen vor Zuversicht: "Obwohl die Welt weiter mit ernsthaften wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert ist, sehen wir Verbesserungen und Belege für eine Stabilisierung, sogar Wachstum, in einer Reihe von Sektoren."

Dieser Artikel wurde gefunden... ...in der Financial Times Deutschland

 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
rebegtar (09.11.2009, 21:31 Uhr)
Wenn man versteht wie unser Geld funktioniert
Wenn man versteht wie unser Geld funktioniert dann kann ihm seine Vermessenheit sogar verzeihen. Eigentlich sollten einige Leute hier schon lange hinter Gittern und die Tatsache dass sie immer noch frei rumlaufen muss ihnen ja irgendwann zu Kopfe steigen.

Für diejenigen die sich gerade nicht vorstellen können was gemeint ist, hier ein kleiner Einstieg:

http://video.google.de/videoplay?docid=6433985877267580603




Aquarius2 (09.11.2009, 18:36 Uhr)
Na, es ist doch auch so - wie ein göttliches Werk.
Niemand weiß. wie die Krise zustande gekommen ist. Es gibt keine Schuldigen. Und es gibt keine Maßnahme zur Vermeidung für die Zukunft.
Gottes Werk eben.
Beten scheint die hoffnungsvollste Möglichkeit der Aktivisten zu sein:
L. G., gib mir Maximalprofit;
L.G., hilf, dass ich für meine Fehler nicht einstehen muss;
L.G. sorge bitte weiter dafür, dass die Dummys so blöd bleiben, wie sie sind - und meine Verluste bezahlen.
hamburg123 (09.11.2009, 17:46 Uhr)
Schön einfach
Man kann es sich natürlich als Manager immer schön einfach machen, wenn man sein Handel, Fehler und alles weitere immer mit Gott rechtfertigt. Ganz schön clever, aber wer glaubt, dieser Mann ist gläubig, dem ist nicht mehr zu helfen. Er missbraucht den Glauben für sein Handeln und das ist an Widerlichkeit nicht mehr zu überbieten.
GFuture (09.11.2009, 17:28 Uhr)
Artikel 5 Grundgesetz
@ Stern-Redaktion
So viel Angst vor der Wahrheit ?

rebegtar (09.11.2009, 17:22 Uhr)
Den Gott der Christen oder Muslime...
scheint er aber nicht gemeint zu haben.

So heisst es doch in der Bibel:

?Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.?
? Mt 6,24 Lut

Und der Islam kann bis heute dem Zins nichts Gutes abgewinnen (siehe islamisches Banksystem).

gesox (09.11.2009, 16:55 Uhr)
@oluja: Ist doch völlig egal!
Der betet zusammen mit Ackermann und vielen anderen den HEILIGEN MAMMON an. Geld ist deren einzige Religion.
Sternchen2020 (09.11.2009, 16:35 Uhr)
Der Mann hat Recht!
Als ich eben auf der Straße war, trug jeder Zweite einen Heiligenschein mit sich herum.

Im Ernst: ich befürchte, einige unserer sogenannten Eliten gehören direkt in die Klapsmühle. Sorry, aber das muss mal gesagt werden.
S-achte (09.11.2009, 16:30 Uhr)
He gesox,
Du hast Amen vergessen :-)

Aber ist schon faszinierend: Ein paar unfähige Geldzähler steuern ihren Laden in den Abgrund, fahren damit die Weltwirtschaft runter, kassieren kurz drauf wieder Millionenprämien, weil sie Milliardengewinne einfahren und der Rest der Menschheit kann schauen wo er bleibt.

Kann es sein, daß die einzige Lösung doch ist, nichts mehr staatlich zu unterstützen, damit alles den Bach runtergeht und wirklich neu strukturiert wird?
Wird hart für alle, aber eben wirklich für alle und nicht nur für den arbeitenden Teil der Bevölkerung.
Oder gibt es versteckte Kriegsgelüste irgendwo? Dann würde auch wieder ein Schuh draus.
Schade, daß alles schonmal da war und alles immer wiederkommt. Wir scheinen doch zu dumm zu sein um zu lernen ...
Hochbahnopfer.de (09.11.2009, 15:56 Uhr)
Außer Gott sind da noch andere "Kräfte"
am Werk! Z.B. die HSH mit Ihrer unnötigen 45 Mio. Dollar Spende an die Götterboten, oder Frau Merkel; Verbindungen zur Politik haben bei Goldman Sachs Tradition ? dafür sorgt das unternehmens-interne Netzwerk rund um den Globus, auf das Dibelius (GS Deutschland) wie die weltweit insgesamt 320 Partner Zugriff hat! Alexander Dibelius nahm schon früh Kontakt zu CDU-Parteichefin Angela Merkel auf, lange vor ihrer Nominierung als Kanzlerkandidatin. Für die Politikerin arrangierte er mehrere Dinner mit Unternehmenschefs, damit sie besser und schneller mit Personen aus der Wirtschaft ins Gespräch kam. Immer wieder steht er der Kanzlerin bei Fragen zur Verfügung. Wir sind halt nicht nur Pabst....
dalamar (09.11.2009, 15:55 Uhr)
Bezeichnend
Ein Satz , eine Aussage die so allumfassend die Weltsicht dieser Globalplayer darstellt.
Abgehobener und zynischer geht es echt nicht. Ekelhaft
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