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23. März 2009, 16:58 Uhr

Israelis benutzten Kind als Schutzschild

Als israelische Soldaten während des Gaza-Krieg in ein Stadtviertel von Gaza-Stadt einrücken wollten, wurden sie beschossen. Zum Schutz schickten die Soldaten einen palästinensischen Jungen als menschlichen Schutzschild voraus - eine massive Menschenrechtsverletzung, die die Vereinten Nationen Israel vorwerfen. Und es ist nicht die einzige.

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Junge im zerstörten Gaza: Israelische Soldaten sollen während des Krieges ein Kind als menschlichen Schutzschild missbraucht haben© Adel Hana/AP

Israelische Soldaten haben laut einem Bericht von UN-Menschenrechtsexperten im Gaza-Krieg einen elf Jahre alten Palästinenser als menschliches Schutzschild missbraucht. Der Vorfall stelle einen klaren Bruch israelischen und internationalen Rechts dar, sagte die UN-Gesandte zum Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten, Radhika Coomaraswamy, am Montag.

Der 43 Seiten umfassende Untersuchungsbericht zum Gaza-Krieg führe noch viele weitere dokumentierte Menschenrechtsverletzungen auf, sagte Coomaraswamy. Der Fall des elfjährigen Jungen, der sich am 15. Januar ereignet haben soll, scheint aber besonders schockierend zu sein: Israelische Soldaten zwangen den jungen Palästinenser laut dem UN-Bericht vor ihnen herzulaufen, während sie in das Viertel Tel al Halwa von Gaza-Stadt vorrückten, von wo auf sie geschossen wurde. Zudem zwangen sie den Jungen, vor ihnen in Gebäude zu gehen. Die diplomatische Vertretung Israels in Genf erklärte, die Vorwürfe würden geprüft. Man werde dazu kurzfristig vor dem UN-Menschenrechtsrat Stellung nehmen.

Hunderte Menschenrechtsverletzungen

In dem Bericht wird den israelischen Streitkräften auch vorgeworfen, ein Haus niedergerissen zu haben, in dem noch eine Frau und ein Kind ausharrten. Außerdem sollen Soldaten gezielt Kinder erschossen haben. In einem anderen Fall beschossen die Streitkräfte demnach ein Gebäude, das sie noch tags zuvor als Schutzunterkunft angepriesen hatten. Die Liste stelle nur „einige wenige Beispiele von hunderten Zwischenfällen dar“, die von UN-Mitarbeitern vor Ort dokumentiert und überprüft worden seien, sagte Coomaraswamy. Der UN-Bericht fordert Israel zugleich auf, die Blockade des Gaza-Streifens zu beenden.

Auch die radikalislamische Hamas habe sich Menschenrechtsverletzungen zu Schulden kommen lassen, heißt es in dem Papier weiter. Die Organisation sei aber bislang nicht willens, diese zu untersuchen. Unabhängig von dem UN-Bericht waren in den vergangenen Tagen auch Zeugenaussagen israelischer Soldaten bekanntgeworden, die von massiven Menschenrechtsverletzungen seitens der Streitkräfte in dem rund drei Wochen langen Krieg vom 27. Dezember bis 18. Januar berichteten.

AP
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