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Offensive in Nordsyrien: Operation "Schutzschild Euphrat": Türkei rückt gegen IS vor und warnt Kurden

Ein größeres Engagement im Kampf gegen den IS hatte die Türkei angekündigt. Nun wurde die Islamisten-Bastion Dscharablus in Nordsyrien zu Luft und zu Land attackiert. Ankara ist aber auch die kurdische Dominanz im Grenzgebiet ein Dorn im Auge.

Türkischer Panzer nahe der Grenzstadt Karkamis auf dem Weg nach Syrien

Türkischer Panzer nahe der Grenzstadt Karkamis auf dem Weg nach Syrien. Die Türkei hat eine Bodenoffensive gegen den IS gestartet

Türkische Panzer sind im Zuge einer am Mittwoch begonnenen Offensive gegen die IS-Bastion Dscharablus über die Grenze nach Nordsyrien vorgedrungen. Das meldete das türkische Staatsfernsehen TRT unter Berufung auf Militärkreise. Zugleich stießen Einheiten der als moderat geltenden Freien Syrischen Armee (FSA) über die Grenze vor. Die Milizen seien westlich von Dscharablus nach Syrien vorgerückt, sagte der Vorsitzende des oppositionellen Lokalrates der Stadt, Mahmud al-Ali. Laut einem Medienbericht drang die FSA inzwischen in Keklice, einen Vorort von Dscharablus, vor, der etwa drei Kilometer tief in syrischem Gebiet liegt.

Türkische Artillerie und Kampfjets hatten bereits am Morgen die von den Extremisten kontrollierte Stadt Dscharablus an der Grenze zur Türkei angegriffen. Schon in den vergangenen Tagen hatten syrische Oppositionskräfte berichtet, Rebellen des Landes wollten mit türkischer Unterstützung eine Bodenoffensive auf den Ort beginnen. Diese Berichte erwiesen sich jetzt als korrekt. Nach Angaben türkischer Medien ist es Ziel der Operation, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus Dscharablus zu vertreiben.

Verteidigungsgraben des IS überquert

Al-Ali sprach von einer "groß angelegten Militärkampagne". Die Rebellen hätten dabei einen Verteidigungsgraben überquert, der vom IS ausgehoben worden sein.

Die Türkei hat der Militäroffensive den Namen "Schutzschild Euphrat" gegeben. Dscharablus liegt direkt am Fluss Euphrat. Der Regierung Erdogan dürfte es aber vor allem darum gehen, einen weiteren Vormarsch syrisch-kurdischer Kräfte zu verhindern. Die Offensive begann wenige Stunden vor einem Besuch von US-Vizepräsident Joe Biden in der Türkei, der am Vormittag in Ankara landete.

Eine der letzten Bastionen des IS

Dscharablus ist eine der letzten größeren Bastionen des IS an der Grenze zur Türkei. Der Ort liegt rund 35 Kilometer nördlich der Stadt Manbidsch, die erst kürzlich von einem Bündnis unter Führung der syrischen Kurden-Miliz YPG zurückerobert worden war.

Die Offensive stieß bei den syrischen Kurden auf Kritik. "Die Türkei ist im syrischen Sumpf", schrieb der Co-Vorsitzende der syrischen Kurdenpartei PYD, Salih Muslim, auf Twitter. "Wird besiegt werden wie Daesh." Daesh ist die arabische Abkürzung für den IS.

Türkei bekämpft auch die Kurden

Die kurdischen Volksschutzeinheiten YPG - der bewaffnete Arm der PYD - haben vom IS in Syrien bereits mehrere Gebiete erobert und kontrollieren mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei.

Unterstützung erhalten sie von der US-geführten internationalen Koalition. Die PYD ist eng mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden. Die Türkei sieht beide Kräfte als Terrororganisationen an und bekämpft sie. So sagte der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu in einem Statement nach Beginn der Offensive, die syrisch-kurdischen Kämpfer müssten sich auf Gebiete östlich des Euphrats zurückziehen oder die Türkei "wird tun, was nötig ist". Ein YPG-Sprecher bezeichnete die türkische Offensive als "Akt eklatanter Aggression".

dho / DPA / AFP