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Vor G20-Gipfel - Was treibt ein Flugzeug im Tiefflug über Hamburg?

Ein kleines Propellerflugzeug ist am Donnerstag in engsten Schleifen über Hamburg geflogen. Es gehört der Firma Aerial Imaging in den USA. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und einen Zusammenhang mit dem bevorstehenden G20-Gipfel sieht.

Normalerweise vermeiden die am Airport startenden und landenden Flugzeuge den direkten Weg über die Innenstadt. Höchstens die gerade wieder instandgesetzte Ju52 der Lufthansa unternimmt mit zahlenden Passagieren Rundflüge, die auch über die Alster und Wohngebiete führen. Doch am heutigen Donnerstag flog eine kleine Cessna eine Stunde lang engste Schleifen über die Wohngebiete westlich der Außenalster.

Die einmotorige Propellermaschine mit der Kennung N72RK ist in den USA registriert, wie ein Screenshot von flightradar24.com zeigt. Das Bild des Flugverlaufs zeigt ein äußerst ungewöhnliches Muster: Der Abstand der parallelen Flugbahnen erfolgt oft nur in wenigen Metern Abstand. Das ist meist ein Zeichen, das fotografische Beobachtungen aus der Luft gemacht werden. Verstärkt wird die These, da die Cessna T206H auf den Namen der Firma Aerial Imaging, die in South Bend, im US-Bundesstaat Indiana, registriert ist.

Der südliche Teil des einstündigen Flugverlaufs im Zoom

Der südliche Teil des einstündigen Flugverlaufs im Zoom


Zwischen 11.43 Uhr und 12.48 Uhr kreiste das in nur umgerechnet 300 Metern Höhe insbesondere über die Stadtviertel Harvestehude, Altona und Eimsbüttel, bis es vor den Toren im Nordwesten der Hansestadt wendete.

Zu dem intensiv überflogenen Territorium gehören auch die Messehallen, in denen am 7. und 8. Juli der G20-Gipfel abgehalten wird, und das Schanzenviertel. Bei letzterer Nachbarschaft handelt es sich um die Hochburg der Gegner des Gipfeltreffens, zu dem auch US-Präsident Donald Trump, der russische Präsident Wladimir Putin und der türkische Präsident Recep Erdogan anreisen werden.

Kaum war die Maschine wieder am Boden, wurden von Gegnern des G20-Gipfels unter dem #NoG20 auf Twitter gleich entsprechende Mutmaßungen veröffentlicht: Könnte der Überflug für eventuelle Luftaufnahmen in einem Zusammenhang mit dem bevorstehenden Treffen der G20-Gipfel stehen, zu dem Kanzlerin Angela Merkel eingeladen hat?

"Oh, da macht jemand viele schöne Fotos von unserer Stadt. Das ist doch GANZ BESTÜMMT für Google Maps, oder?", schreibt User CptLC in seinem Tweet.

Deutsche Flugsicherung bestätigt Fotoflug

Auf Anfrage des stern wies die Deutschen Flugsicherung (DFS) in Hamburg darauf hin, dass "die Höhenangaben bei Flightradar oft nicht stimmen." Es handele sich um einen Foto- und Arbeitsflug. "Die Flughöhe befindet sich auch nicht unterhalb der Sicherheitsmindesthöhe." Bei diesen Flügen wird ein Bereich in verschieden Streifen aufgeteilt, "die in einer bestimmten Höhe und bei bestimmten Wetterbedingungen abgeflogen werden müssen. Sie können mehrere Stunden andauern."

Die DFS hat dabei den gesetzlichen Auftrag, "diese Flüge sicher, geordnet und flüssig abzuwickeln und in den sonstigen Flugverkehr einzubinden. Ort, Zeitpunkt und Dauer der Flüge hängen vom jeweiligen Auftrag ab." Weitere Einzelheiten wurden nicht bekannt.


tib

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