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Ju52: Besuch bei der alten Dame auf der Intensivstation

Seit eineinhalb Jahren war die" Tante Ju" der Lufthansa nicht mehr in der Luft. Wegen eines Mittelholmbruchs muss die 80 Jahre alte Propellermaschine eine Zwangspause einlegen. Die Sanierung dauert länger als geplant. Aber im Sommer soll sie wieder fliegen - mit Passagieren.

Ju52 der Lufthansa

Die Junkers Ju52 im Hangar: Der fliegende Oldtimer steht zur Generalüberholung mit demontierten Flügeln und ohne Frontpropeller bei der Lufthansa Technik in Hamburg.

Die alte Dame der Lüfte, auch "Tante Ju" genannt, hat ihren 80. Geburtstag längst hinter sich. Den beging das historische Flugzeug der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung nicht knatternd in der Luft, sondern im vorigen Jahr am Boden, abgeschottet in einem Hangar am Rande des Hamburg Airport. Statt sich von Flugzeug-Enthusiasten feiern zu lassen, musste die Ju52 ihren runden Geburtstag auf der Intensivstation verbringen. Die Diagnose: Mittelholmbuch.

An Fliegen war nicht mehr zu denken. Und das ausgerechnet nur wenige Wochen, nachdem die dreimotorige Propellermaschine mit ihrer markanten Wellblechoptik bei einem Festakt im August 2015 zum fliegenden Denkmal erklärt wurde.

Doch der Schaden unterhalb der Pilotenkanzel am Mittelholm, der den Rumpf mit beiden Tragflächen verbindet, bedeutete keinesfalls ein Todesurteil. Als bei der Zwangspause beide Flügel abmontiert waren, zeigte sich, dass auch einige der Flächenholme präventiv saniert werden müssen: Eine zweite schwierige Operation stand an.

5. April 2017: Tante Ju wird 81 Jahre alt

Seit der Diagnose kümmert sich ein Team von 20 Metallbauern um das Wohl des silbernen Flugzeugs. Die Patientin steht in einem geheiztem Hangar der Technik und wird, seitdem die Finanzierung für die Therapie steht, im Drei-Schichten-Betrieb rund um die Uhr betreut.

Der lange OP-Termin für die alte Dame hat ihren Preis. Mehr als eine Million Euro betragen die Kosten. Doch da es sich bei der Ju52 um das erste Passagierflugzeug der Welt handelt, das offiziell als fliegendes Denkmal anerkannt ist, hat der Bund die Sanierung mit 400.000 Euro aus Mitteln des Denkmalschutz-Sonderprogramms VI bezuschusst.

All jene Fluggäste, die bereits Tickets für Rundflüge im Herbst 2015 erworben hatten und nicht fliegen konnten, mussten vertröstet werden. Doch nun dürfen sie sich freuen. Ab Juni 2017 soll die "Tante Ju" nach ihrer Frischzellenkur wieder in die Luft gehen und Passagiere mitnehmen.

Und alle, die am Boden bleiben, dürfen ein Novum erleben: Im Hamburger Hangar bekam die Ju52 auch ein ADS-B-System verpasst, das in der Luft die aktuellen Positionsdaten ausstrahlt. So kann jeder Fan des fliegenden Oldtimers endlich die Flüge der "Tante Ju" auf flightradar24.com live verfolgen.


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