6. September 2011, 11:40 Uhr

Wo London am leckersten schmeckt

Immer nur Fish & Chips und fade Erbsen? Vorbei! Heute bietet London kulinarische Weltreisen, sagt Jenny Linford, Mitglied der "Guild of Food Writers". Sie verrät im Interview, wo man in London gut essen gehen kann.

In der hipsten Stadt der Welt halten auch DJs die Tea Time ein: Der Mix aus Tradition und Trends ist ihr Erfolgsrezept. Geo-Saison-Autorin Christina Niemann sprach mit Jenny Linford, der Autorin des Buches "The London Cookbook".

Was kann man von der Londoner Küche erwarten?

Jenny Linford: Nirgendwo kann man so vielfältig essen wir hier. Das hat natürlich mit der Geschichte zu tun, dem Empire und mit der Weltoffenheit.

In Deutschland sagt man: Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.

Nein, hier sagt man eher: "O, ein nepalesisches Restaurant. Toll, mal sehen, was das Land kulinarisch zu bieten hat."

Wo schmeckt London wirklich nach London?

Gehen Sie auf Foodmärkte wie Borough Market in Southwark oder am Wochenende zu den Bauernmärkten mit regionalen Produkten. Briten gelten als Liebhaber pampiger Substanzen. Gibt es tatsächlich einen Mangel an Kochkultur? Ja, aber zurzeit erweist sich das als Vorteil. Es findet nämlich eine rasante Aufholjagd statt, es gibt viele tolle Restaurants und Fernsehshows mit Starköchen. Jamie Oliver ist ein Idol, auch für Jugendliche. Inzwischen sind wir stolz auf unsere Küche.

Teenager tauschen statt Songs die neuesten Rezepte aus?

Das ist wohl die Ausnahme, aber Grundwissen über gutes Essen ist für Jüngere und Ältere zu einer Art Lifestyle Statement geworden.

Ist selber kochen populär?

Leider nein. Die meisten sehen Promis gern dabei zu, reden darüber, aber denken: Wozu die Mühe? Es gibt Restaurants und Läden an jeder Ecke, die bis nachts geöffnet sind.

London, Hauptstadt der Fertiggerichte?

Eher der Ungeduld und Eile. Es ist einfach praktisch, wenn eine Mahlzeit in fünf Minuten fertig ist.

Klingt, als wäre die Stadt ein guter Standort, um ein Restaurant zu eröffnen.

Ja, jeder, auch ohne Ausbildung, darf sich ausprobieren. Sie als Deutsche könnten sehr gut etwas anbieten, wie wär's mit einem Knödel-Shop? Die Erfolgschance ist sicherlich gut. Überall entstehen kleine Restaurants, Bäckereien, Käsereien.

Welches Gericht sollten Besucher unbedingt probieren?

Ok, es ist zwar etwas teuer, aber High Tea mit Scones, Konfitüre und Clotted Cream in einem Grandhotel ist fantastisch. Und in der Nähe der Kew Gardens gibt es eine bezaubernde Bilderbuchbäckerei (The Original Maids of Honour, Kew Rd. 288, Tel. 020-89 40 27 52).

Auf der nächsten Seite finden Sie köstliche Chefsachen und weitere Gastro-Tipps für die britische Hauptstadt, zusammengestellt von "Geo Saison".

Gefunden in

Gefunden in Geo Saison, Heft 9/2011, für 5 Euro am Kiosk

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