Schweinsteigers Genugtuung

19. September 2012, 23:30 Uhr

Es war sein Spiel: Bastian Schweinsteiger hat die Bayern zu einem 2:1-Erfolg gegen Valencia zum Auftakt der neuen Champions-League-Saison geführt. Die Frustbewältigung ist abgeschlossen. Von Klaus Bellstedt

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Bayern, Valencia, Pizarro, Robben, Ribery, Pizarro

Kurz vor der Pause, das war sein Moment: Bastian Schweinsteiger nach seinem erlösenden 1:0 für die Bayern©

Exakt vier Monate ist sie her, die schmerzhafteste Niederlage in der Geschichte des FC Bayern. Bastian Schweinsteiger war die tragische Figur des Champions-League-Finales im eigenen Stadion gegen den FC Chelsea, weil er sich im Elfmeterschießen einen verhängnisvollen Fehlschuss geleistet hatte. Nun, gegen Valencia, erzielte ausgerechnet Schweinsteiger an selber Stelle das erste Tor der Bayern in der neuen Königsklassen-Saison. Diese 38. Minute war seine ganz persönliche Genugtuung.

Man sah dem Mittelfeldspieler beim Jubeln über seinen Treffer die Erleichterung förmlich an. Schweinsteiger ließ sich mit breit ausgestreckten Armen auf den Rasen fallen. Schließlich drehte er sich auf den Bauch und ließ sich nacheinander von Toni Kroos und Franck Ribéry das Köpfchen streicheln. Das muss sich wie Balsam angefühlt haben. Die monatelange Frustbewältigung, auch sie wurde mit diesem Treffer wohl endgültig abgeschlossen. Als der Vizekapitän der Münchner wieder stand, ging die Gratulationskur der Kollegen erst richtig los. Denn auch sie waren erleichtert.

Martínez deutet seine Klasse an

Bis zum 1:0 der Bayern war das Spiel gegen sehr passive Spanier eine zähe Angelegenheit. Und eine ziemlich eindimensionale noch dazu. Die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes dominierte ihren Gegner klar, aber sie schalteten bei Ballgewinn nicht schnell genug um. Kroos und Co. brauchten beim Spielaufbau insgesamt zu viele Stationen. So konnten sich die beiden Viererketten der Gäste immer wieder rechtzeitig formieren. Hochkarätige Abschlussmöglichkeiten blieben vor einem merkwürdig stillen Publikum in der Allianz-Arena eher die Ausnahme. Thomas Müller und Mario Mandzukic ließ Heynckes dieses Mal im Vergleich zum Bundesliga-Spiel gegen Mainz zunächst auf der Bank. Ohne die beiden war es, nun ja, ein anderes Bayern-Spiel.

Das lag weniger an 40-Millionen-Mann Javi Martínez, der gegen Valencia erstmals von Beginn an für die Bayern auflief. Der Neuzugang machte es neben Schweinsteiger gut. Er deutete seine große Klasse an. Auch Claudio Pizarro stand etwas überraschend in der Startaufstellung der Münchner. Und da war dann schon ein Unterschied zu Mandzukic zu erkennen. Pizarro war längst nicht so agil und beweglich wie der Kroate, der in dieser Saison in der Bundesliga ja schon drei Mal getroffen hat. Dem Ex-Bremer fehlte immer wieder der nötige Zug zum Tor. Deshalb war das Tor von Schweinsteiger zum 1:0, das, oh Wunder, Arjen Robben uneigennützig vorbereitet hatte, umso wichtiger. Im Angriff hakte es nämlich. Auch nach der Pause.

Schweinsteiger verteidigt Rotation

Aber die Bayern hatten an diesem Abend ja noch Bastian Schweinsteiger in ihren Reihen. Er war neben Toni Kroos, der in der 76. Minute mit einem fulminanten Schuss das 2:0 erzielte, Münchens Bester. Der Elfmeter-Fehlschütze vom 19. Mai gewann durch sein erstes Königsklassen-Tor seit zwei Jahren deutlich an Selbstbewusstsein. Schweinsteiger führte das Bayern-Ensemble, er dirigierte und spielte die wichtigen Pässe. Man merkte ihm an, dass er fit ist - und frei im Kopf.

Nach der Partie, die die Bayern letztlich 2:1 gewannen, Nelson Valdez hatte kurz vor Schluss noch für die harmlosen Spanier verkürzt, blieb Schweinsteiger bescheiden. Statt über seine eigen Leistung zu sprechen, lobte er lieber Javi Martínez als "intelligenten Spieler". Und er verteidigte auch die Rotation in der Startelf durch Jupp Heynckes: "Wir sprechen immer davon, dass wir so einen ausgeglichenen Kader haben, aber dann muss man auch mal handeln." Auch vor dem Mikrofon war das der alte Bastian Schweinsteiger.

Der Auftakt in die neue Champions-League-Saison war sicher kein glanzvoller Auftritt der Bayern. Auch weil sie in der Nachspielzeit selbst noch für ein paar Schönheitsflecken sorgten. Der Gegentreffer war genauso überflüssig wie der verschossene Elfmeter des eingewechselten Mario Mandzukic. Aber was zählte, war am Ende nur der Sieg. Ein Sieg, an dem Bastian Schweinsteiger einen großen Anteil hatte.

 
 
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