Schmerzhafte Lehrstunde für die alte Liebe

29. September 2012, 23:15 Uhr

Alle Augen waren auf ihn gerichtet: Marco Reus traf mit Dortmund auf seinen Ex-Club Mönchengladbach - und wurde mit zwei Toren zum Mann des Spiels. Für die Gladbacher war es eine bittere Lehrstunde. Von Tim Schulze

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Maro Reus, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach

Marco Reus (l.) spielt gegen seinen Ex-Club überragend und erzielt zwei Tore, hält sich aber mit seinem Torjubel zurück.©

Manchmal schreibt der Fußball ziemlich brutale Geschichten. Sie handeln meistens von Niederlagen, von Abstiegsangst und Krisen. Oft sind diese Geschichten gleichzeitig aber auch echte Erfolgsstorys. Sie erzählen dann von großen Leistungen, von Toren und Erfolgen. Es kommt eben auf die Perspektive an, die man einnimmt. Genauso eine Geschichte hat sich am frühen Samstagabend im Dortmunder Signal-Iduna-Park zugetragen.

Da empfing Borussia Dortmund die Überraschungsmannschaft der vergangenen Saison, Borussia Mönchengladbach. Aber es war nicht nur das Spiel zweier Teams, die beide in einer Krise steckten, sondern es war auch das Spiel, bei dem alle Augen auf Marco Reus gerichtet waren. Der 23-Jährige Angreifer traf zum ersten Mal seit seinem Wechsel im Sommer auf seinen alten Club Gladbach und es sollte ein Lehrbeispiel dafür werden, wie wichtig ein einzelner Spieler für eine Mannschaft sein kann - und wie unersetzbar.

Gladbach hält nur 20 Minuten mit

In den ersten Minuten der Partie spielte Gladbach noch halbwegs erfolgreich mit, doch dann wurde der Druck der Hausherren immer größer - und ausgerechnet Marco Reus leitete den Untergang seines Ex-Clubs ein. Nach einem Ballverlust von Patrick Herrmann schnappte sich Reus die Kugel und schloss seinen Sololauf mit einem Beinschuss gegen seinen ehemaligen Teamkollegen Mar-André ter Stegen im Tor der Gäste erfolgreich ab. Reus verzichtete in diesem Moment aber auf einen ausgiebigen Torjubel, obwohl er allen Grund dazu gehabt hätte. "Ich habe mir das nicht vorgenommen, aber es war eine Geste des Respekts. Ich hatte eine schöne Zeit in Gladbach", sagte der Mann des Abends nach dem Spiel.

Seinem Treffer sollten noch vier weitere der Dortmunder folgen - für Gladbach war es ein Debakel. Neven Subotic erhöhte wenige Minuten später auf 2:0. Kurz vor dem Halbzeitpfiff konnte ter Stegen noch einmal eine Chance von Reus parieren, doch in der zweiten Hälfte gelang dem Ex-Gladbacher ein weiteres Tor – und was für eines. Aus halbrechter Position versenkte er den Ball im Tor. Auch diesmal hielt sich Reus mit dem Jubeln zurück. Um Gladbach war es da endgültig geschehen. Reus wurde wenige Minuten später unter stehenden Ovationen der Dortmunder Fans ausgewechselt, und Ilkay Gündogan und Jakub Blaszczykowski sorgten mit ihren Toren für den 5:0-Endstand. "Wir spielen manchmal wie Senioren. Einige meiner Spieler meinen offenbar, sie müssen nicht verteidigen", schimpfte Gladbachs Coach Lucien Favre danach aufgebracht.

Das erste Tor löst die Anspannung

Die Dortmunder haben sich mit diesem fulminanten Erfolg nach einer kleinen Krise zurückgemeldet, auch wenn der Abstand auf die ebenfalls siegreichen Bayern immer noch sieben Punkte beträgt. Reus ist endgültig in Dortmund angekommen und hat gezeigt, wie wichtig er noch für den Meister werden kann – auch international. Das Team von Jürgen Klopp scheint jetzt gerüstet für die Champions-League-Partie bei Manchester City am nächsten Mittwoch, zumal der Meister endlich in der Defensive diszipliniert agierte.

Gladbach steckt dagegen im unteren Tabellenmittelfeld fest, der Glanz der vergangenen Saison liegt weit zurück. Favre hat mal über ihn gesagt: "Reus zu ersetzen ist völlig unmöglich." Wer das für übertrieben hielt, wurde in Dortmund eines Besseren belehrt. Auch den größten Optimisten unter den Gladbacher Anhängern und Verantwortlichen ist an diesem Abend auf schmerzliche Weise vor Augen geführt worden, dass es ein langer Weg zurück zu alter Leistungsstärke ist. Ohne einen Spieler von der Qualität eines Reus' wird das kaum möglich sein. Jetzt ist erst einmal Europa League angesagt, dort heißt der Gegner am Donnerstag Fenerbahce Istanbul.

 
 
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