Schummeltorschütze Adriano droht Uefa-Strafe

21. November 2012, 19:23 Uhr

Der Brasilianer im Team von Donezk schießt einen Treffer, der mehr als unfair war. Während er die Kritik an sich abprallen lässt, will die Uefa den Fall nicht einfach zu den Akten legen und ermitteln.

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Donezks brasilianischer Torschütze Luiz Adriano freut sich über sein ergaunertes Tor. Die Uefa ermittelt©

Die Fußball-Welt steht Kopf wegen des ergaunerten Tors des Brasilianers Luiz Adriano von Schachtjor Donezk im Champions-League-Spiel gegen die dänischen Underdogs vom FC Nordsjælland. Der Stürmer der ukrainischen Mannschaft wird für seinen Verstoß gegen Fairness heftig kritisiert. "Eine Unsportlichkeit, die ihresgleichen sucht", meinte der frühere deutsche Nationalspieler Lothar Matthäus.

Am Mittwochabend - gut 24 Stunden nach Abfiff des Spiels - reagierte die Europäische Fußball-Union (Uefa) und erklärte, gegen den Brasilianer zu ermitteln. Ihm droht eine Strafe in nicht absehbarer Höhe. Der Fall soll kommenden Mittwoch vor den entsprechenden Uefa-Gremien verhandelt werden.

Der Gescholtene schien auch einen Tag nach dem Spiel unbeeindruckt von der Aufregung zu sein. "Ich freue mich sehr. Wir haben gewonnen", sagte Adriano vor dem Abflug aus Kopenhagen der dänischen Zeitung "Ekstra Bladet". Er betonte, er sei glücklich über alle Tore, "auch über das erste". Donezk gewann das Match mit 5:2. Adriano steuerte drei Tore bei.

Sein Trainer bemühte sich dafür um Schadensbegrenzung. Der Rumäne Mircea Lucescu sagte: "Ich entschuldige mich für das Tor, das so viele Diskussionen ausgelöst hat." Adriano habe ihm gesagt, er habe den Ball an seinem Fuß gesehen, was seinen Stürmerinstinkt geweckt habe. Deshalb habe er geschossen, berichtete der Trainer über ein Gespräch mit dem Brasilianer. "Wir wollten dem Gegner sofort die Gelegenheit für ein Tor im Gegenzug geben. Aber das hat einer unserer Spieler verhindert", meinte der Coach weiter.

"Ihr Angreifer hat's schlicht nicht kapiert"

Der Treffer zum zeitweiligen 1:1 war ein klarer Verstoß gegen die ungeschriebenen Fairplay-Regeln des internationalen Fußballs. Nach einem für den Gegner gedachten Abspiel aus der eigenen Hälfte sprintete Adriano los und schob den Ball zum Entsetzen der verdutzten Dänen und ihrer Fans ins Netz. Der Schiedsrichter musste es geben - trotz der Proteste wütender Anhänger des Kopenhagener Vorort-Teams. Auch der Umstand, dass ausgerechnet Adriano ein "geschenktes" Tor als Wiedergutmachung verhinderte, sorgte für Aufregung. Taras Stapenenko grätschte dem zunächst unbehelligt auf das Gästegehäuse zusteuernden Nicolai Stockholm den Ball weg.

"Die Bösen haben den Sieg zusammengeklaut", schrieb die dänische Zeitung "B.T.". Nordsjællands Sportchef Jan Laursen schäumte: "Ich bin schockiert. Da quasseln sie uns alle die Ohren voll mit Fairplay und Respekt. Und dann sowas."

"Ihr Angreifer hat's schlicht nicht kapiert", klagte Nordsjælland-Kapitän Nicolai Stockholm nach dem Spiel. Laut Reuters erklärte er: "Ich habe auf meine Armbinde hinabgesehen, und dort steht etwas von Respekt. Aber ich muss sagen: Davon haben wir nicht viel gesehen." Und: "Wir dachten, sie geben uns ein Tor zurück." Das halbe Team von Donezk habe es wohl auch vorgehabt. "Aber die andere Hälfte nicht."

Der Schiedsrichterball war notwendig geworden, weil ein dänischer Spieler ohne Foul verletzt wurde. Korrekt schoss William, auch ein Brasilianer, den Ball in Richtung des dänischen Torhüters Jesper Hansen. Adriano verwertete den "Pass" mit bekanntem Ausgang.

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