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27. April 2009, 16:50 Uhr

Lächelnd die "Reißleine" gezogen

Es war ein merkwürdiger Auftritt der Bayern-Bosse nur wenige Stunden nachdem sie Jürgen Klinsmann als Trainer kaltgestellt hatten. Vor der Presse wurde milde gelächelt. Nur als es um die Reaktion des geschassten Coaches auf seine Entlassung ging, wurde es still - totenstill. Von Christoph Leischwitz, München

Zoom
Bayern, Entlassung, Klinsmann, Hoeneß,, Heynckes

Gehen ab sofort getrennte Wege: Bayern-Manager Hoeneß und der gefeuerte Ex-Coach Jürgen Klinsmann (r.)© DPA

Jetzt ist es raus: Jürgen Klinsmann ist vom FC Bayern gefeuert worden, und es ist sehr ruhig in München. Es stehen gerade mal vier Schaulustige am Vereinszentrum an der Säbener Straße. Den meisten Lärm machen zwei kleine Bagger. Der Umbau des Zentrums ist noch nicht komplett - das erinnert ja auch irgendwie an Klinsmann. Umbau beim FC Bayern. Neues Leistungszentrum. All das ist ja zu einem großen Teil seine Idee gewesen.

Auch wenn der kleine Mediencenter überquillt (50 Journalisten und elf TV-Kameras), es gibt keine hektischen Zwischenfragen, niemand spricht betont konspirativ in sein Handy. Jeder scheint froh zu sein, dass es nun so weit ist - und in wenigen Stunden endlich erledigt.

Es ist ein fast freundschaftliches Gespräch mit Hoeneß und Rummenigge, als sie schildern, wie Jürgen Klinsmann die Nachricht aufgenommen hat. Am Montagmorgen wurde er an die Säbener Straße bestellt, die Entscheidung stand bereits am Abend vorher fest. "So wie ich Jürgen kenne, hat er sich noch einmal Hoffnung gemacht, nachdem die tollen Cottbusser gegen Wolfsburg gewonnen haben", sagt Hoeneß, und lächelt sogar ein wenig. "Aber wir haben uns gesagt: Jetzt erst recht." Um 11.29 Uhr hat Klinsmann dann das Trainingsgelände verlassen, vermutlich zum letzten Mal.

Noch nicht einmal Tabellenführer

Die offizielle Begründung für die Entlassung ist so vielseitig wie die Argumente, die man in den vergangenen Wochen immer wieder von den Fans des Vereins gehört hat. Aber das Wichtigste ist: Die Besorgnis, die sportlichen Ziele nicht mehr zu erreichen. Man habe die "Reißleine" gezogen, sagt Rummenigge, und Hoeneß fügt an: "Wir haben in dieser Saison alle entscheidenden Spiele verloren, beim HSV, In Wolfsburg, Barcelona. Das hat uns zu denken gegeben."

Man habe sich schon seit Wochen immer wieder sonntags getroffen und die Situation diskutiert, doch immer wieder Jürgen Klinsmann eine Chance geben wollen. Das sei nach der Niederlage gegen Schalke nicht mehr möglich gewesen. "Vor einem Jahr waren wir 34 Spieltage lang Tabellenführer. In diesem Jahr waren wir noch nicht einmal Tabellenführer", sagt Hoeneß. Das Team empfindet "neutral" Die Trennung sei freundschaftlich verlaufen, auch wenn Klinsmann wohl ein wenig geschockt gewesen sei, erzählt Hoeneß. Und dann sagt der Manager etwas Interessantes: "Vielleicht muss man da auch den Jürgen ein bisschen schützen. Ich habe ihn teilweise dafür bewundert, wie er das in den Stadien hingenommen hat." Damit meint er die "Klinsmann Raus"-Rufe und andere Schmähungen.

Doch gleichzeitig schwingt dabei mit: Klinsmann hat sich festgebissen, ihm fehlt der Bezug zur Realität und auch zu den Gründen, warum er seine Ziele nicht erreicht hat. Dazu passt auch, dass Bayerns Vorstand glaubt, die Mannschaft sei ja körperlich intakt, auch wenn in den letzten Wochen "einige Spieler" die Diskussion um Klinsmann als Alibi für ihre eigene Leistung missbraucht hätten. Das Problem sei allein psychischer Natur. Die Mannschaft habe die Entlassung am Montagmittag übrigens "neutral" aufgenommen, so Rummenigge.

Trainer in Rente

Nun hofft Rummenigge, dass "ein Momentum entsteht, mit dem man die psychische Barriere zur Seite räumen kann, um die sportlichen Ziele noch zu erreichen." Ob mit den sportlichen Zielen die Deutsche Meisterschaft oder das Erreichen der Champions League gemeint ist, blieb erst einmal offen. Dieses Momentum soll nun der 63-jährige Jupp Heynckes herbeiführen, gemeinsam mit Hermann Gerland, dem Trainer der zweiten Mannschaft des FC Bayern.

Heynckes ist ein großer, aber eigentlich schon im Ruhestand befindlicher Trainer, der nicht wenige seiner Erfolge in den neunziger Jahren mit dem FC Bayern feierte. Das Schöne sei, betont sein persönlicher Freund Hoeneß: "Jupp Heynckes geht es nicht ums Geld. Er macht das für den FC Bayern." Fünf Minuten habe er überlegt, und dann sofort ja gesagt.

Nur die Bagger fahren noch

Genau so einen habe man nun gesucht, denn erstens soll seine Arbeit tatsächlich nur vier Wochen dauern und mit dem 34. Spieltag beendet sein. Zweitens wird im Moment kein junger Trainer benötigt, bei dem sofort wieder die Fragen nach seiner Kompetenz und Erfahrung zum Hauptgespräch werden.

Als Hoeneß und Rummenigge dann den Mediencenter wieder verlassen, wirken sie immer noch ernst, aber auch gelöst. Es ist ihnen anzusehen, dass sie diese Entscheidung gewurmt hat. Doch gerade daraus entsteht ja auch Erleichterung. Es wird wieder mehr gelächelt als in den Wochen zuvor, wenn auch noch nicht mehr gelacht wird.

Was auffällt, ist nach wie vor die Ruhe, mit der nun alles über die Bühne gegangen ist. Es sind nun etwa zehn Schaulustige an die Säbener gekommen, mehr nicht. Kein Geschreie, keine Hektik. Nur die Bagger fahren noch. Jürgen Klinsmann ist längst schon davongebraust.

Abstimmung

Werden die Bayern mit Jupp Heynckes als Trainer Meister?

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Von Christoph Leischwitz, München
KOMMENTARE (9 von 9)
 
hardius (27.04.2009, 21:08 Uhr)
@Dewerth, hast Recht!
Aber die in der CSU haben wenigstens erkannt, daß niemand unsterblich ist, zumindest weltlich.
Ich weiß garnicht ob es eine Generation hinter Hoeneß und Co beim FCB gibt?
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Ich habe fertig!
walhalla (27.04.2009, 20:58 Uhr)
Rom
zahlt nicht für Treue.
Benkku (27.04.2009, 19:53 Uhr)
Einer, der Vorzeige-will-und-kann-nicht-möchte-gerne weniger?
Der hat's eben alles nur ein kleinbißchen umkrempeln wollen. Sein blödes US-Grinse-Motivationsgehabe ging nun mal total daneben. Kein Wunder. Vergrault wurden gleich einmal Urgesteine wie Torwarttrainer Sepp Maier, der "Doc" Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der Mannschaftsbusfahrer, die Trainer-Assistenten u.a. Zu recht, daß sie zum Schaden des Vereins einfach lautlos auf Nimmerwiedersehn verschwanden. Damals hätten bei den Vereins-Geldsäcken schon längst die Alarmglocken läuten müssen, welchen angeblichen Menschenverbesserer sie sich da eingehandelt hatten. Seine unmännlichste Offenbarung, sich bei den Spielen immer direkt neben dem Haupt-Strippenzieher des Vereins als Kerl mit Kante produzieren zu dürfen, war einer seiner kläglichsten - und deshalb peinlichsten - Ansprüche. Durfte er sogar! Schon daran sieht man, wie verblendet erfolgsorientierte Verentscheidungsträger sein können.
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Mal seh'n, aus welchem Gullyloch der Brötchenbäcker demnächst wieder auftaucht.
Viper2024 (27.04.2009, 18:36 Uhr)
Maßlos selbst überschätzt
Der Vorstand und das Management des FC Bayern leben nicht in der Realität sondern in einer Parallelwelt. Mit einem Team das letztes Jahr völlig verdient im UEFA Cup Halbfinale rausgefolgen ist, wollte man die CL gewinnen und das ohne Kahn!!! Selbst der beste Trainer der Welt könnte aus dieser Gurkentruppe ohne Millionenschwere Neuzugänge eine schlagkräftige Mannschaft formen die mit Barcelona oder Chelsea mithalten kann.
Hinzu kommen Diven in der Mannschaft wie Ribery, der meint der beste Fußballer auf dem Planeten zu sein, ohne einen Messi oder Ronaldo das Wasser reichen zu können. In Barca würder der doch nur auf der Bank sitzen oder den richtigen Starts Xavi, Inesta,... die Schuhe putzen!
Reality (27.04.2009, 18:17 Uhr)
Denke das Problem des FC-Bayern sind...
seine alternden Vorstände.
Jeder für sich selbstverliebt und besserwisserisch.
Auch ein Beckenbauer, der Fussballbierwebekönig und gscheitrausschwätzer in Premiere, gehören bereits zum alten Eisen, doch selbst glauben kann er das ohnehin zu letzt.
Der FC - Bayern wird erst wieder Spitzenfussball spielen, wenn diese alten abgehalfterten Fuktionäre den Abschied gegeben haben und nicht mehr ihren bayrischen Weisswurstsenf zu allem jedem kleinen Furz abgeben können.
Dewerth (27.04.2009, 17:49 Uhr)
Hardius, hä?
Von der CSU lernen heißt siegen lernen? By the way: Wieviele Prozentpunkte haben die bei der letzten Wahl verloren? Demnach müsste der FCB vergleichsweise auf Platz 12 stehen. Nur mal so am Rande.
havit (27.04.2009, 17:36 Uhr)
Wenn der Vorstand
Rummenigge, Hoeness und Beckenbauer nur ein bisschen Ehrgefühl im Gehirn hätten, dann wären sie zusammen mit Klinsmann in die Säbenerstr. gegangen und sich zusammen vom FC Bayern verabschiedet. Hätten nicht viele mitbekommen, da nur wenige Presseleute vor Ort waren. Und die Fussballwelt hätte dumm aus der Wäsche geschaut.
hardius (27.04.2009, 17:23 Uhr)
Von der CSU lernen heißt Siegen lernen
Vielleicht sollte der FCB mal auf die CSU schauen, wo radikal im Vorstand ein Generationswechsel vollzogen wurde. Der bisherige Vorstand ist sehr selbstverliebt und nicht mehr auf der Höhe der Zeit.
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Jemand könnte ja auch eine Operette über den FCB schreiben inklusive Pressekonferenzen und Weihnachtsfeiern und dergleichen.
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Der Verein wird langsam peinlich!
MrPommeroy (27.04.2009, 17:21 Uhr)
Da freut sich der deutsche Michel.....
Obwohl Klinsmann wohl viele Fehler gemacht hat und am Rauswurf einen sehr großen Teil selbstverschuldet zu verantworten hat, muss man feststellen, dass es einige schon fast widerwärtige Entwicklungen außerhalb seines Einflussbereiches gegeben hat, die zur vollständigen Demonatge geführt haben:
(1)Die Denunziation durch die Springer Presse mit ihren alltäglichen Meldungen hat mich persönlich, obwohl kein Klinsmann Freund, angekotzt. Es ist schade, dass solche Machenschaften nicht öffentlich geächtet werden.
(2) Wenn ein Vorstand Rummenigge nun schon das zweite mal mit seinen arroganten Besserwisser Sprüchen den Trainer diskreditiert, darf man davon ausgehen, dass die Mannschaft das knallhart für eigene Interessen ausnutzt und der Trainer deutlich an Respekt innerhalb des Gefüges verliert. So geschehen bei Hitzfeld, so geschehen bei Klinsmann.
(3) Teile des Publikums und der Kommentatoren. Man verspürte bei vielen Kommentaren schon Häme den „kalifornischen Sunnyboy“ gegenüber. Statt sich zu fragen, ob nicht auch gewisse Elemente des US Systems dem deutschen hilfreich sind, hat der deutsche Michel gerne seine Vorurteile bestätigt gesehen.
Klinsmann hat seinen „One Touch Fußball“ nicht durchbringen können, zu eng waren die bajuwarischen Zwänge bis hin zu Spielerkäufen und zu groß waren seine handwerklichen Fehler als Traineranfänger. Ich bin gespannt, ob der FCB mit seinem zu erwartenden Sicherheitsfußball international mehr reißt, als in Petersburg und Barcelona, glaube es aber nicht. Freuen wir uns auf langweilige 90te Minute 1:0 Erfolge des FCB und noch mehr, wenn Bremen, Leverkusen und Konsorten mit Erlebnisfußball vielleicht auch mal dauerhaft vor dem FCB in der Tabelle stehen.
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