27. September 2012, 17:21 Uhr

Der Ehrliche ist doch nicht der Dumme

Miro Klose hat mit einer simplen Geste den Fußball ein Stückchen gesünder gemacht. Ganz kurieren wird aber auch der Nationalstürmer den Profisport nicht. Dafür sind zu viele Betrüger unterwegs. Ein Kommentar von Klaus Bellstedt

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Ein Vorbild - in jeglicher Hinsicht: Lazio Roms deutscher Nationalstürmer Miroslav Klose©

Miroslav Klose gibt ein Handspiel zu. Das war Fairplay. Mehr war es nicht. Eigentlich. Und trotzdem ist es was Besonderes.

Der Angreifer von Lazio Rom beschrieb die Szene hinterher auf die ihm eigene Art und Weise so: "Mir ist der Ball an die Hand gesprungen. Es ist für mich das Normalste auf der Welt, dies dem Schiedsrichter dann auch zu sagen." Er löste damit Jubelstürme bei den Italienern aus. Die Aufregung um das Verhalten eines Profisportlers, das normal sein sollte, zeigt: Wir alle, Fans und Berichterstatter, sind schon lange verdorben. Wir haben uns an die Betrüger gewöhnt. Ein fairer Sportsmann wie Klose ist in diesem Millionenspiel die Ausnahme. Das ist die traurige Wahrheit. Beispiele gefällig?

Fast zeitgleich, als Klose in Neapel sein Handspiel zugab und sein Tor zur 1:0-Führung von Lazio annulliert wurde, kam es in Mönchengladbach beim Spiel der Borussia gegen Hamburg zu folgender Szene: In der 55. Minute zog HSV-Mittelfeldmann Ivo Ilicevic von links in den Strafraum. Gladbachs Martin Stranzl wollte per Grätsche retten, kam zu spät, traf aber, wie die TV-Bilder deutlich zeigten, Ilicevic auch nicht - der dennoch abhob. Die Folgen: Elfmeter, Rot und viele Diskussionen. Klar, es geht um Punkte, es geht auch und vor allem um viel Geld. Das lässt sich nicht ausblenden. Dennoch hätte ein Satz von Ilicevic zum Schiedsrichter gereicht, um die kranke Fußballmoral ein Stückchen gesünder zu machen. Klose hat das geschafft, Ilicevic hat die Chance verpasst.

Klose lebt mit dem Ruhm

Bei Fairplay im Profisport geht es um die Charakterstärke jedes Einzelnen. Miro Klose ist eine starke Persönlichkeit. Er ist bescheiden, ein Arbeiter, völlig befreit von Starallüren. Sie lieben ihn in Rom und nennen ihn "Miro-Mito". Miro, der Mythos. Lance Armstrong ist auch stark. Wie sonst hätte er den Krebs besiegen können? Aber der Ex-Radprofi ist auch skrupellos - und feige. Wie käme er, der nachweislich und systematisch jahrelang gedopt hat, sonst dazu, seinen Betrug nicht endlich zuzugeben?

Es sind Sportler wie Lance Armstrong oder auch Thierry Henry, die dem Sport so schaden. Henry sorgte 2009 im WM-Qualifikationsmatch zwischen Frankreich und Irland mit einem Handspiel für einen Skandal. Der leichtfüßige Angreifer, der zu seiner besten Zeit bei Arsenal ein so wunderbarer Fußballer war, gab das regelwidrige Verhalten später zwar zu, aber da war es längst zu spät. Henry und Armstrong, das ist das Beruhigende, müssen nach ihrer aktiven Karriere mit der Schande leben. Miro Klose nur mit Ruhm.

Ein Kommentar von Klaus Bellstedt
 
 
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