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7. September 2009, 13:13 Uhr

Brisante Revolution

Mit Beginn der Europa League sind zum ersten Mal Torrichter zur Unterstützung der Unparteiischen im Einsatz - ein brisantes und noch umstrittenes Experiment. Dem Videobeweis erteilte Uefa-Boss Michel Platini einmal mehr eine Absage: "Das wäre der Tod des Fußballs."

Torrichter, Europaleague

In dieser Szene wurde Hoffenheim am 2. Spieltag gegen den FC Bayern ein Tor nicht anerkannt, obwohl der Ball die Torlinie klar überschritten hatte. Ein Torrichter könnte solche Fehlentscheidungen in Zukunft verhindern© Ronald Wittek/DPA

Revolution oder Rohrkrepierer: Die Gruppenphase der neuen Europa League wird zum brisanten Testlauf für die Einführung eines Torrichters. Das zusätzliche Personal soll dem Schiedsrichter nicht nur bei der Frage Tor oder nicht Tor assistieren, sondern bei allen strittigen Szenen im Strafraum und Umgebung. "Der Schiedsrichter wird über alle Vorgänge aller Art informiert, die er eventuell nicht gesehen hat", heißt es in der von der Uefa veröffentlichten Aufgabenbeschreibung der Torrichter, die auf der gegenüberliegenden Seite des Schiedsrichter-Assistenten direkt neben dem Tor platziert sein werden und in Funkverbindung mit dem Referee stehen.

Die Brisanz des Tests verdeutlichte die Uefa mit der Anweisung an die Schiedsrichter, keine öffentlichen Aussagen zum Thema zu machen. Von den deutschen Referees sind Knut Kircher (Rottenburg) und Michael Weiner (Giesen) an dem Experiment beteiligt. Dieses wirft einige Fragen auf, so zum Beispiel, ob die Torrichter die an den Seitenlinien postierten Schiedsrichter-Assistenten überstimmen dürfen. "Generell bleiben sie hinter der Torlinie, aber sie können auch den Strafraum betreten, wenn sich das Spiel auf die andere Seite verlagert, um das Geschehen besser im Blick zu haben", teilte die Uefa weiter mit.

Skepsis im deutschen Lager

Die Meinungen über eine personelle Aufrüstung im Kampf gegen Fehlentscheidungen bei Fußballspielen gehen schon vor Beginn des Experiments weit auseinander. "Zwei weitere Schiedsrichter im Bereich der beiden Tore, die ihre Wahrnehmungen per Headset an den Hauptschiedsrichter weitergeben, sind für mich der einzig machbare Weg", sprach sich Uefa-Präsident Michel Platini für eine menschliche Lösung aus.

Im deutschen Lager herrscht dagegen eher Skepsis. Während sich Volker Roth, Chef der DFB-Schiedsrichterkommission, im Vorfeld nicht zu dem brisanten Pilotprojekt äußern wollte, plädierte sein Stellvertreter Eugen Strigel schon vor einigen Wochen für den Einsatz moderner Technik. "Auch bei einem Torrichter handelt es sich um einen Menschen, der Fehler machen kann. Wir favorisieren deshalb die Lösung mit einem Chip im Ball", sagte Strigel der Deutschen Presse-Agentur.

Auch Deutschlands langjähriger Vorzeige-Schiedsrichter Herbert Fandel sieht den Test mit sechs Offiziellen kritisch. "Es gibt einfach menschliche Fehlerquellen. Deshalb hätte ich gerne eine technische Hilfe, um diese auszuschließen", hatte der in den sportlichen Ruhestand getretene Kyllburger bereits vor Saisonbeginn gesagt.

Für Platini gleicht der Videobeweis, dessen Einführung nach Fehlentscheidungen wie zuletzt beim Bundesligaspiel 1899 Hoffenheim gegen Bayern München immer wieder gefordert wird, einer Horror- Vorstellung. "Das wäre ein Desaster, denn der Videobeweis mit Unterbrechungen im Zweiminutentakt würde zu einem ganz anderen Spiel führen und wäre der Tod des Fußballs", sagte der Chef der Europäischen Fußball-Union (Uefa), unter deren Federführung der Test läuft.

Nach dem Abschluss der Europa-League-Gruppenphase liegt die Entscheidung über eine Zukunft mit sechs Offiziellen in den Händen des für Regelfragen zuständigen International Football Association Board (Ifab). "Ob die nationalen Ligen eine Übernahme in ihre Wettbewerbe anstreben, bleibt den einzelnen Verbänden überlassen. Aufgrund der Mehrkosten dürfte das letztlich auch eine finanzielle Frage sein", erklärte Uefa-Boss Platini.

Eric Dobias/DPA
 
 
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