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13. Juni 2009, 18:09 Uhr

"Von Vorurteilen geprägte Propaganda ist heuchlerisch"

Marek Lieberberg veranstaltet das höchst umstrittene erste Ultimate-Fighting-Event Deutschlands in Köln. Im stern.de-Interview erklärt Lieberberg, warum Boxen der gefährlichere Sport ist und spricht über Diffamierungen, Vorurteile und das Bildungsniveau der Kämpfer.

Marek Lieberberg, Ultimate Fighting, Köln, Lanxess Arena

Das umstrittene Ultimate Fighting wird in Deutschland von Marek Lieberberg veranstaltet© Eric Jamison/AP

Herr Lieberberg, normalerweise schicken Sie Placebo oder Depeche Mode auf Tour. Jetzt veranstalten Sie am Samstag in Köln Ultimate Fighting und sind deswegen schwer unter Beschuss geraten. Sie selber haben von einer "Hexenjagd" gesprochen. Hätten Sie im Nachhinein nicht lieber die Finger von der umstrittenen Veranstaltung gelassen?

In der Tat habe ich als Veranstalter von herausragenden Ereignissen über 40 Jahre hinweg eine Bilanz aufzuweisen, die für sich selbst spricht. Die unberechtigte Hysterie um den UFC-Event in Köln wird hieran nicht rütteln. Die Lautstärke der Diffamierungen sollte nicht verhindern, dass man bei differenzierter Betrachtung zu einer anderen Analyse kommen muss. Ich stehe zu meinem ursprünglichen Urteil und halte die weitgehend von Vorurteilen geprägte Propaganda für durchsichtig und heuchlerisch.

Die Käfigkämpfe der Ultimate Fighting Championship (UFC), die in Deutschland ihre Premiere feiern, stoßen in Teilen der Öffentlichkeit auf scharfe Ablehnung. Box-Experte Werner Schneyder geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht von "Wahnsinn, den man verbieten muss". Was entgegen Sie diesen Kritikern?

Ich kann verstehen, wenn man Kampfsport generell ablehnt. Nicht zu billigen, vermag ich jedoch einen Doppelstandard und die damit verbundenen Unwahrheiten, die durch permanente Wiederholung nicht wahrer werden. Die Fakten sind eindeutig, aber es gehört zum Ritual von Stereotypen, dass man sie nicht zur Kenntnis nehmen will. Was Herrn Schneyder angeht, so hat er möglicherweise einmal zu nah am Boxring gestanden. Wenn er beispielsweise Berufsverbote fordert und die UFC mit Schaum vor dem Mund geißelt, könnte man meinen, dass er noch unter dem Eindruck eines Wirkungstreffers steht. Vielleicht genießt er auch die aktuelle Publizität, die er als Kabarettist und Teilzeitkampfsportkommentator seit langem nicht mehr gehabt hat.

Geht vom Ultimate Fighting in irgendeiner Form nicht doch ein Gewalt-Impuls aus?

Ultimate Fighting verlangt hervorragendes Können, absolute Disziplin, enormen Trainingsfleiß und die Achtung vor dem Gegner. Es gibt weder empirische Daten noch wissenschaftliche Erkenntnisse, die einen Gewaltimpuls belegen würden. Das relativ hohe Bildungsniveau der Athleten und ihr Auftreten lassen derartige Rückschlüsse ebenfalls nicht zu.

Und warum ist dann der Eintritt zur Fight Night in Köln erst ab 18 Jahren erlaubt?

Wir haben die Veranstaltung vor Vorverkaufsbeginn ordnungsgemäß angemeldet. Weder das NRW-Innenministerium noch das Kölner Ordnungsamt haben nach zweimonatiger Prüfung der umfangreichen Unterlagen eine Jugendgefährdung gesehen oder eine Altersbeschränkung verfügt. Erst vor kurzem sind wir vom Kölner Jugendamt um Duldung einer Altersbeschränkung gebeten worden. Eine rechtliche Basis hierfür bestand und besteht nicht!

Können Sie uns ein bisschen was über die UFC-Athleten, die in den USA ja echte Stars sind, verraten? Was sind das für Jungs?

Die UFC-Athleten sind seit ihrer Jugend hervorragend trainierte und erfolgreiche Sportler aus Einzeldisziplinen. Wie vielseitig talentierte Leichtathleten, die sich zum Zehnkampf berufen fühlen, wechselten die UFC-Fighter zu den Mixed Martial Arts, wo sie als Zehnkämpfer des Kampfsports Millionen Fans begeistern. Die UFC, die mit ihren strikten Regeln sowie strenger medizinischer Kontrolle und Prävention als erste Liga des Kampfsports gilt, nimmt grundsätzlich nur Athleten unter Vertrag, die nicht nur eine außergewöhnliche sportliche Qualifikation vorweisen, sondern auch charakterlich hohen Ansprüchen gerecht werden.

Was ist brutaler, Boxen oder Ultimate Fighting?

Beides sind harte, polarisierende Kampfsportarten. Unabhängige, seriöse medizinische Gutachten belegen, dass Boxen zu weit schwerwiegenderen Verletzungen führt und Jahr für Jahr Todesfälle auftreten. Bei der UFC ist dies nachweislich nicht der Fall.

Am Samstag in Köln wird die Lanxess Arena vermutlich ausverkauft sein. Sie rechnen mit 10.000 Besuchern, die für ein Ticket zwischen 55 und 285 Euro zahlen. Mit Schäfchenzählen allein haben Sie die Halle nicht voll bekommen…. warum rennen Ihnen die Leute die Bude derartig ein?

Ultimate Fighting hat sich in den vergangenen Jahren als die am schnellsten wachsende Sportart einen Namen gemacht. Die Fans schätzen die Ehrlichkeit und Transparenz dieses Sports ebenso wie Rasanz und Vielseitigkeit. Der Vorverkauf verlief von Anfang an äußerst dynamisch, lange bevor der mediale Rummel einsetzte. Er hat sich eigentlich davon unbeirrt und kontinuierlich weiterentwickelt. Dies lässt darauf schließen, dass die Fans zu einer rationalen Betrachtung neigen, weil sie mit den Fakten vertraut sind. Ich kann nur hoffen, dass der sportliche Wert der Kölner Veranstaltung selbst Skeptiker und Gegner zumindest zu einer Prüfung ihrer Anfeindungen veranlasst.

Interview: Klaus Bellstedt

Zur Person:

Zur Person: Marek Lieberberg, geboren am 7. Mai 1946, ist einer der führenden Konzertveranstalter in Deutschland. Unter seiner Organisation spielten schon zahlreiche Stars wie Madonna, Shakira oder Christina Aguilera ihre Konzerte. Auch die Festivals "Rock am Ring" oder "Rock im Park" werden von Lieberberg organisiert. Nun veranstaltet er das erste Ultimate-Fighting-Event Deutschlands in Köln.

 
 
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