Altersvorsorge und Börse - das passt für viele Sparer nicht zusammen. Ein Irrtum, denn trotz der zeitweise heftigen Kursschwankungen bieten Aktien, Zinspapiere und auch Immobilienfonds-Anteile langfristig attraktive Renditechancen.

Altersvorsorge kann auch an der Börse stattfinden© Colourbox
Von den Chancen auf den Kapitalmärkten können auch Vorsorgesparer profitieren. Seit 1998 bieten Banken und Sparkassen auf Altersvorsorge spezialisierte Investmentfonds an, die sogenannten AS-Fonds. Das Kürzel "AS" steht für den Fachbegriff Altersvorsorge-Sondervermögen. Was sich so nennen darf, wurde vom Gesetzgeber exakt bestimmt. Die AS-Fonds legen die Sparbeiträge sowohl in internationalen Aktien, in fest verzinslichen Wertpapieren aus dem Euro-Raum und in Immobilienfonds an.
Das Besondere: Die Geldanlagepolitik der AS-Manager orientiert sich am Alter des Sparers, ohne dass der sich gesondert darum kümmern muss. Bei einem 35-Jährigen beträgt der Aktienanteil rund 70 Prozent und schrumpft – ganz automatisch – ab einem Alter von 55 Jahren auf etwa 40 Prozent.
Entsprechend steigt mit zunehmendem Alter der Anteil an schwankungsarmen Zinspapieren und Immobilienfonds-Anteilen. Je näher also der Zeitpunkt der Auszahlung rückt, desto weniger riskant wird das Geld investiert. Der Einstieg in das AS-Sparen ist in jedem Alter ab 25 Euro monatlich möglich. Zur Verfügung stehen den Anbietern unterschiedlich ausgerichtete Fonds – je nach Einstiegsalter des Sparers. Der Kunde kann außerdem bei einigen Anbietern die Fondsanlage nach seinem eigenen Risikoprofil auswählen.
Neben den speziellen AS-Fonds haben die Banken und Sparkassen auch sogenannte Zielfonds im Angebot, die im Prinzip den gleichen Zweck erfüllen: einen kontinuierlichen Vermögensaufbau mittels eines Mix aus Aktien, Zinspapieren und Offenen Immobilienfonds, der sich am Lebenszyklus des Sparers orientiert.
In den vergangenen Jahren haben AS-Fonds allerdings kräftig Konkurrenz quasi aus eigenem Hause bekommen: die Riester-Fonds. Diese werden durch staatliche Zulagen gefördert – AS-Fonds dagegen nicht. Das ist wohl einer der Gründe, weswegen letztere nur noch von einem kleinen Teil der Anleger nachgefragt werden. Aber auch viele Anbieter haben sich aus dem Geschäft inzwischen zurückgezogen. Gab es im Jahr 2001 nach Angaben des Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) in Frankfurt noch genau 47 AS-Fonds, hat sich ihre Zahl bis 2011 auf gerade einmal zwölf verringert. Große Anbieter sind die Fondsgesellschaften Allianz Global Investors, Deka, DWS, Pioneer, SEB Investment, Union und Universal.
Nicht alle AS-Fonds auf dem Markt haben die jüngsten Börsenkrisen gut weggesteckt – deshalb sollten Interessenten schon genau vergleichen, bevor sie sich für ein Angebot entscheiden.Doch Sie müssen am Kundenschalter schon konkret danach fragen. Die Berater verkaufen viel lieber "angesagte Neuheiten", in den vergangenen Jahren zum Beispiel Rohstoff-, China- oder Indien-Fonds. Zum Sparen für eine private Zusatzrente sind solche Geldanlagen eher ungeeignet, allenfalls etwas für Anlageprofis.
AS- und Zielfonds bieten sogar gegenüber einer Lebensversicherung gewisse Vorteile: So kann der Anleger während der Laufzeit die Höhe der Sparrate entsprechend seiner individuellen Lage verändern. Und er kann auch jederzeit auf sein angespartes Vermögen zurückgreifen.
Dabei ist – anders als bei der Lebensversicherung – das regelmäßige, monatliche Sparen bei Fonds kein Nachteil, sondern sogar ratsam. Denn es hilft, Kursturbulenzen abzufangen: Fondssparer werden mit ihrem gleichbleibenden Anlagebetrag in Zeiten hoher Aktienkurse wenige der dann teuren Fondsanteile kaufen. Sinken die Kurse, bekommen sie mehr Anteile für ihr Geld. Wer dagegen einmalig einen großen Betrag einzahlt, verliert bei einem Kursrutsch kräftig - und selbst, wenn es dann wieder bergauf geht, könnte am Ende noch ein Minus stehen.
Regelmäßige Fondssparer handeln also nach dem Motto: Nimm wenig, wenn das Produkt viel kostet – fällt der Preis, dann kaufe mehr davon.
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