Ratgeber Miete

Wie Sie eine günstige Wohnung finden

Die Mieten in Deutschlands Großstädten steigen seit Jahren. Gute Wohnungen sind Mangelware und entsprechend begehrt. stern.de verrät, wie Sie trotzdem eine günstige Bleibe finden. Von Peter Neitzsch

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Der Klassiker bei der Wohnungssuche, ein Aushang am Schwarzen Brett der Uni, kann durchaus hilfreich sein©

In Hamburg, München, Berlin und Frankfurt sind die Mieten dramatisch gestiegen. Weil immer mehr Menschen in die Städte ziehen, aber zu wenig gebaut wurde, wird jetzt der Wohnraum knapp. Besonders kleinere Wohnungen in guter Lage, die auch für Singles geeignet sind, gehen weg wie warme Semmel.

Doch auch wenn das Pflaster teuer ist und sich bei Wohnungsbesichtigungen lange Schlangen bilden, kann man selbst in München oder Hamburg eine günstige Wohnung finden. stern.de sagt, wie Sie Ihre Chancen steigern können.

1. Kompromisse machen

Toplage, 100 Quadratmeter, sanierter Altbau, großes Bad, große Küche und das alles zum Schnäppchenpreis. Das wird schwierig. Überlegen Sie, was Ihnen mehr wert ist: die gute Verkehrsanbindung oder das Extra-Zimmer. Wenn es unbedingt der Balkon sein muss, vielleicht verzichtet man im Gegenzug auf Badewanne oder Wohnküche. Viele Mieter scheitern auch an ihren überzogenen Erwartungen: Denn jede Annehmlichkeit, die die neue Wohnung bieten soll, führt unweigerlich auch zu einem höheren Mietpreis.

2. Vorbereitet zur Besichtigung

Machen Sie sich im Vorfeld darüber Gedanken, welche Kriterien der Makler anlegt. Dabei geht es keineswegs immer nur um das Gehalt. "Sehr, sehr nervig ist es, wenn Interessenten zur Wohnungsbesichtigung nicht erscheinen", sagt beispielsweise der Hamburger Makler Peter Dreller. "So jemand hat bei mir auch später keine Chance mehr auf einen Mietvertrag." Und auch mit Bewerbungsmappen sollte man es Dreller zufolge nicht übertreiben: "Manche kommen ja mit ganzen Büchern an. Die Zeit habe ich gar nicht, das alles durchzuarbeiten."

Weniger ist also mehr. Nichtsdestotrotz sollte man die wichtigen Unterlagen (Schufa-Auskunft oder Bestätigung der Mietschuldenfreiheit vom bisherigen Vermieter) parat haben. Wer wie Azubis oder Studenten nicht über ein üppiges Einkommen verfügt, sollte jemanden haben, der für ihn bürgt. Denn so Dreller: "Sobald die Miete mehr als die Hälfte des Gehalts verschlingt, steigt das Risiko für den Vermieter."

3. Entdecken Sie Stadtteile, die erst im Kommen sind

Informieren Sie sich über den Wohnungsmarkt: Mitunter sind selbst die Spannen zwischen einzelnen Straßenzügen enorm. So kann man häufig nur zwei Straßen weiter, doch noch etwas Günstiges im Lieblingskiez finden. Einen genauen, nach Straßen aufgeschlüsselten Mietspiegel finden Sie hier. Oder man sucht gleich in einem anderen Viertel: Vielleicht tut's statt dem hippen Prenzlauer Berg in Berlin auch einer der Nachbarbezirke Wedding oder das äußere Pankow. Fast jede Großstadt hat Viertel, die zentrumsnah gelegen, aber noch nicht teuer sind. In Hamburg sind das beispielsweise Barmbek-Süd oder Wilhelmsburg. In Frankfurt: Bockenheim oder das Gallusviertel.

4. Ziehen Sie an den Stadtrand

Ulrike Stüdemann von der Analysefirma F + B sagt: "Die Wohnungsnot ist ein komplett großstädtisches Phänomen, auf dem platten Land und schon im Stadtrandgebiet sieht das völlig anders aus." Häufig dauert es nicht länger mit S-Bahnen und Vorortzügen vom Stadtrand in die City zur Arbeit zu fahren, als innerhalb des Stadtzentrums von A nach B zu kommen. Wer es gerne etwas ruhiger und grüner hat, für den ist der Stadtrand daher eine gute - und vor allem preiswerte - Alternative. Und trotz der ruhigen Lage ist die Großstadt immer nur einen Katzensprung entfernt.

5. Setzen Sie auf Mund-zu-Mund-Propaganda

"Bei der Wohnungssuche gibt es nur einen Tipp: reden, reden und nochmals reden", sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. "Man muss Gott und der Welt erzählen, dass man eine Wohnung sucht." Studien würden zeigen, dass ein Großteil der Wohnungen erst gar nicht in den Wohnungsmarkt eingespeist werde, sondern unter der Hand weggehe. Irgendjemand kennt garantiert jemand, der jemand kennt... Ist man noch neu in der Stadt, hilft vielleicht das schwarze Brett an der Uni oder im Gemeindezentrum. "Erfolg hat man nur, wenn möglichst viele wissen, dass man auf der Suche ist", sagt Ropertz.

6. Bieten Sie Ihre alte Wohnung zum Tausch

Auch das ist eine Option: Wohnungstausch. Mangelwirtschaft macht bekanntlich erfinderisch. Das war schon in der ehemaligen DDR so. Viele Großstädter wollen sich erst von ihrer alten Wohnung trennen, wenn sie etwas Neues gefunden haben. Viele Wohnungssuchende ziehen gar nicht neu in die Stadt, sondern wollen nur eine größere oder kleinere oder anders gelegene Wohnung. Ein Wohnungstausch ist hier ideal. Denn vielleicht sucht jemand anderes ja genau das, was Sie zu bieten haben. Eine Plattform für die Tauschpartnersuche bietet die Website: www.homeswopping.de

7. Mieten Sie Stauraum dazu

Wenn die Wohnung zu klein ist und der Keller fehlt, gibt es mittlerweile in vielen Städten Abhilfe. Oft besteht schon ab einer Lagerfläche von einem Quadratmeter die Möglichkeit, zusätzlichen Lagerraum anzumieten - für einen kürzeren Zeitraum oder auch dauerhaft. Anders als bei klassischen Lagerhäusern kommt man beim "self-storage" oft rund um die Uhr an seine sieben Sachen. Ob es eine entsprechende Möglichkeit bei Ihnen in der Nähe gibt, können Sie hier herausfinden.

8. In eine Wohngemeinschaft ziehen

Eine Alternative zur eigenen Wohnung ist, sich eine Wohngemeinschaft zu suchen. Eine WG ist schon lange keine Wohnform mehr, die nur Studenten vorbehalten ist. Auch viele Singles, die bereits mit beiden Beinen im Berufsleben stehen, haben das Zusammenleben entdeckt. "Eine Wohngemeinschaft ist immer eine gute Alternative", bestätigt Mieterbund-Sprecher Ropertz. Im besten Fall wird aus der Zweckgemeinschaft zum Mietesparen eine Bereicherung für alle. Ob es Angebote gibt, die für Sie in Frage kommen, können Sie auf den WG-Portalen im Internet überprüfen: www.wg-gesucht.de oder www.studenten-wg.de

9. Mitglied einer Genossenschaften werden

Wohnungen von Genossenschaften liegen hoch im Kurs. Sie sind erschwinglich und liegen oft in begehrten Stadtteilen. "Es ist immer eine gute Option, sich bei Genossenschaften oder Wohnungsbaugesellschaften vor Ort auf die Wartelisten setzen zu lassen", rät Ropertz vom Mieterbund. Da die von der Genossenschaft erwirtschafteten Gewinne wieder in den Erhalt der Bausubstanz investiert werden, sind die Wohnungen zudem meist gut in Schuss. Auch Makler Dreller sagt daher: "Genossenschaften sind eine gute Alternative." Allerdings würden die Wartezeiten mitunter mehrere Jahre betragen. Keine Option für sofort also, doch die nächste Wohnungssuche kommt bestimmt.

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