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18. März 2010, 09:00 Uhr

Bahn will britischen Rivalen kaufen

Die Deutsche Bahn prüft eine Offerte für den britischen Rivalen Arriva. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" ist von einem Angebot in Höhe von zwei Milliarden Euro die Rede. Von Leo Klimm

Deutsche Bahn, Bahn, Arriva, Übernahme-Angebot

Der britische Arriva-Konzern baut in Neustrelitz für Siemens Loks© Bernd Settnik/EPA

Die Deutsche Bahn feilt an einem Übernahmeangebot für den britischen Transportkonzern Arriva. Nach "FTD"-Informationen aus dem Umfeld des Vorstands prüft die Bahn eine bis zu zwei Milliarden Euro schwere Offerte in bar. Schon in den kommenden Wochen könnte ein konkretes Übernahmeangebot für das börsennotierte Unternehmen folgen.

Der Zukauf wäre der erste große strategische Schritt von Bahn-Chef Rüdiger Grube , der seit knapp einem Jahr im Amt ist - und eine der größten Übernahmen des Konzerns überhaupt. In den vergangenen Jahren war die Bahn durch Akquisitionen im Logistikgeschäft gewachsen. Mit Arriva könnte das Unternehmen seine Position im internationalen Personenverkehr erheblich stärken - und damit seine dominierende Position in Europa ausbauen.

Arriva bestätigte am Mittwoch, wegen einer möglichen Übernahme angesprochen worden zu sein, nannte jedoch nicht den Interessenten. Ein DB-Sprecher lehnte einen Kommentar ab. Die Arriva-Aktie schoss um knapp 17 Prozent in die Höhe. Damit ist der Konzern momentan 1,35 Milliarden Pfund wert. Zu den wichtigsten Aktionären zählen neben dem Versicherer Axa mit knapp zehn Prozent der Anteile mehrere Investmentfonds.

Arriva gehört mit dem französischen Mischkonzern Veolia zu den wenigen größeren Bahnunternehmen Europas, die nicht mehrheitlich staatlich kontrolliert werden. 2009 erwirtschaftete Arriva mit 44.000 Mitarbeitern bei einem Umsatz von 3,15 Milliarden Pfund einen operativen Gewinn von 160,3 Millionen Pfund. Das Unternehmen ist in zwölf europäischen Ländern im Personenverkehr und teils auch im Frachtgeschäft tätig. In Ländern wie Italien und Dänemark zählt die Firma zudem zu den größten Buslinienbetreibern.

Attraktiver Markt auf der Insel

In Deutschland gehören Arriva mehrere Regionalbahnen und auch Busunternehmen. Die Briten sind nach Veolia hier der zweitgrößte private Bahnbetreiber. Nach einer Arriva-Übernahme müsste sich die Bahn von diesem Deutschlandgeschäft wahrscheinlich trennen.

Interessant für die DB ist Arriva vor allem wegen der starken Position im britischen Heimatmarkt. Dort ist das Unternehmen nach eigenen Angaben größter Bahnbetreiber und im Busgeschäft ebenfalls führend. Der liberalisierte britische Markt ist wegen hoher Fahrpreise für die Deutsche Bahn äußerst attraktiv. Bislang ist der Konzern hier kaum vertreten.

Auch am grenzüberschreitenden Verkehr nach Großbritannien hat die Bahn Interesse. Grube lässt zurzeit eine Beteiligung am Eurostar prüfen, der durch den Kanaltunnel nach London fährt. Möglich ist auch, dass die Bahn demnächst mit eigenen ICEs durch den Tunnel fährt.

Ende kommender Woche könnte Grube ein weiteres Auslandsgeschäft besiegeln: Dann soll in Abu Dhabi eine Absichtserklärung für den Bau eines Bahnsystems unter Führung des Konzerns unterzeichnet werden. Zuvor hatte sich die Bahn in Katar einen ähnlichen Auftrag gesichert.

Schuldenabbau wird zurückgestellt

Bei Arriva hatte jüngst der wichtigste DB-Rivale, die französische Staatsbahn SNCF, einen Vorstoß unternommen. Die Gespräche über eine Fusion der SNCF-Tochter Keolis mit Arriva wurden jedoch vor zwei Wochen eingestellt.

Sollte die Deutsche Bahn Arriva kaufen, würde Grube von seinem Plan abrücken, die hohen Schulden des Konzerns von über 15 Milliarden Euro zu reduzieren. Kommende Woche will der Bahn-Chef die Bilanz für 2009 präsentieren. Der Nettogewinn wird rund 800 Millionen Euro betragen - mehr als ein Drittel weniger als im Vorjahr. Der operative Gewinn liegt bei 2,2 Milliarden Euro, rund 300 Mio. Euro weniger als 2008.

Gefunden in ...

Gefunden in ... der "Financial Times Deutschland"

Von Leo Klimm
 
 
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