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Streik im Regionalverkehr: Was Bahn-Kunden jetzt wissen müssen

Wegen erster Warnstreiks im Tarifkonflikt der Bahnbranche müssen sich am Dienstag Hunderttausende Pendler auf Behinderungen einstellen. stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Am Dienstag wollen die Bahnbeschäftigten im Regionalverkehr sowohl bei der Deutschen Bahn als auch bei der privaten Konkurrenz im Kampf um einen Branchentarifvertrag die Arbeit zeitweise niederlegen. Auch Reisende im Fernverkehr können betroffen sein. Fahrgäste dürfen bei Ausfällen und Verspätungen auf andere Züge umsteigen, ein Anrecht auf Entschädigung haben sie im Normalfall nicht.

Wann ist mit dem Arbeitskampf zurechnen?

In der Nacht von Montag zu Dienstag sollen ab 3 Uhr nachts die ersten Arbeitsniederlegungen beginnen. Die Streikwelle mit jeweils zweistündigen Protesten soll sich bis in den späten Vormittag ziehen. Die Aktionen sollen zunächst auf Dienstag beschränkt bleiben.

Wo wird gestreikt?

Wie Gewerkschaftskreise vermelden, soll ein Schwerpunkt der Warnstreiks unter anderem in Bayern liegen. Auswirkungen geben dürfte es auch in der Hauptstadtregion Berlin/Brandenburg, aber nicht bei der S-Bahn. Weniger betroffen sein sollen Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern.

Welche Züge werden am Dienstag ausfallen?

Welche Verbindungen vom Streik betroffen sind, wurde am Montag nicht mitgeteilt. Details zur aktuellen Situation finden Bahnreisende im Internet unter www.bahn.de/aktuell. Seit Montagnachmittag hat die Deutsche Bahn auch eine kostenfreie Servicenummer unter Tel. 08000-996 633 eingerichtet, die über die Auswirkungen der Streiks informiert. Kunden aus dem Ausland können sich gebührenpflichtig über die Nummer +49 1805 334444 informieren. Wer ein iPhone oder Smartphone zur Verfügung, sollte sich den kostenlosen "DB Navigator" runterladen.

Gibt es bei Verspätungen durch den Streik Geld zurück?

Nein, hier berufen sich die Bahngesellschaften auf höhere Gewalt. Entschädigungen, die sonst gestaffelt bei Verspätungen ab einer oder zwei Stunden fällig sind, gibt es bei Streiks nicht. Wer einen Fahrschein eines Verkehrsverbundes hat, muss dessen Tarifbedingungen zu den Erstattungsregeln prüfen. Das gilt etwa auch für Wochen-, Monats- und Jahreskarten.

Kann ich meine Fahrkarte umtauschen?

Bei Zugausfällen, Verspätungen und verpassten Anschlusszügen will sich die Bahn kulant zeigen: In diesen Fällen hätten Fahrgäste die Möglichkeit, ihre Fahrkarte im Reisezentrum kostenlos umzutauschen oder erstatten zu lassen. Stattdessen könnten Reisende auch den nächsten Zug nutzen. In diesem Fall gelte bei Angeboten wie Sparpreis oder Gruppenfahrten auch die Zugbindung nicht mehr. Wer im Nahverkehr mit einem Konkurrenten der Deutschen Bahn gefahren wäre, kann mit seinem Ticket ebenfalls auf DB-Fernzüge umsteigen.

Lohnt es sich, eine Fahrgemeinschaft zu bilden?

Bei Streiks sind oft Fahrgemeinschaften mit Kollegen, Nachbarn oder Freunden eine unkomplizierte Lösung. Rechtlich gibt es keine Schwierigkeiten. Die Auto-Haftpflichtversicherung umfasst alle Insassen, auch die Berufsgenossenschaft zahlt bei Unfällen auf Umwegen für Mitfahrer. Eine besondere Insassen-Unfallversicherung ist daher nicht nötig.

Vermitteln Mitfahrzentralen auch kürze Fahrten?

Auch für Fahrten innerhalb einer Region können Verbraucher über das Internet Mitfahrgelegenheiten finden. Große Portale wie www.mitfahrgelegenheit.de oder www.drive2day.de bringen Pendler und Fahrer kostenlos zusammen. Mehrere Parteien teilen sich dann die Spritkosten: Für Fahrten etwa von Düsseldorf nach Köln müssen die Mitfahrer zwischen drei und vier Euro berappen, längere Strecken wie von Berlin nach München schlagen mit zwischen 40 und 50 Euro zu Buche.

Wo informiere ich mich über Linienbusse?

Sowohl in den Regionen als auch für längere Fahrten gibt es Linienbusse. Über die Webseiten des jeweiligen Verkehrsverbundes lassen sich die genauen Verbindungen im Regionalverkehr abfragen. Bei Fernbussen müssen die Tickets vor Fahrtantritt gebucht werden. Die Fernbusse von Deutschen Touring und Eurolines fahren mehrmals täglich zu festen Zeiten zwischen größeren Städten.

Funktioniert Carsharing auch kurzfristig?

Beim Carsharing teilen sich viele Menschen Autos, die von einer Zentrale verwaltet werden. Die Wagen stehen etwa an zentralen Plätzen wie Bahnhöfen, Flughäfen oder Busbahnhöfen und können per Telefon oder Internet gebucht werden - auch nur stundenweise. Informationen über Anbieter gibt es etwa bei www.carsharing.de . Für die Anmeldung sollten Nutzer mindestens 24 Stunden Vorlauf einplanen.

Wo kann ich einen Mietwagen reservieren?

An Streiktagen sind Leihwagen ein knappes Gut. Die Autos können auf der Homepage des Autovermieters wie Avis, Europcar, Hertz und Sixt oder auf deren Homepage gebucht werden oder direkt in der Niederlassung. Der Preis hängt von der Größe des Wagens ab. Oft gibt es Sonderangebote, wenn der Wagen für mehrere Tage gemietet wird. So könnte etwa ein Kleinwagen rund 70 Euro am Tag kosten.

Sind innerdeutsche Flüge eine Alternative?

Wer Verspätungen von ICE-Zügen durch die Probleme im Nahverkehr ausschließen möchte, kann bei einer Reise zwischen großen Metropolen auf einen Flug von Lufthansa und Air Berlin, die über das dichteste Streckennetz in Deutschland verfügen, umsteigen. Kurzfristig gebuchte Flugtickets sind jedoch besonders teuer.

Droht mir Ärger mit dem Chef, wenn ich zu spät zur Arbeit komme?

Zwar haben viele Arbeitgeber Verständnis, wenn Mitarbeiter wegen Streiks zu spät kommen. Dennoch könnten sie verlangen, dass die Arbeitszeit nachgeholt wird. Ein Abmahnungs- oder Kündigungsgrund ist das Zuspätkommen nicht.

tib mit Agenturen

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