Ratgeber Geldanlage

Das ABC der Geldanlage

Schluss mit dem Anleger-Latein! stern.de hat die wichtigsten Fachausdrücke der Finanzwelt übersetzt. Mit diesem Vokabular kommen Sie gut informiert durch die Krise. Von Kristina Junker

Sind "Bad Banks" wirklich böse? Haben "Baby Bonds" etwas mit 007 zu tun? Und was ist eigentlich "Subprime"? Wir haben die wichtigsten Wirtschaftsbegriffe für Sie zusammengestellt. Von A wie wie Abschreibung bis Z wie Zweckgesellschaft.

Abschreibung

Verliert eine Firma Geld, können Inhaber bzw. Aktionäre diese Summe im wahrsten Sinne des Wortes abschreiben, d.h. der Wertverlust wird vom Unternehmensvermögen abgezogen. Nur so kann das tatsächliche aktuelle Firmenvermögen ermittelt werden.

Baby Bonds

Klingt nach dem attraktiven Nachwuchs von 007 und seinen Girls, bezeichnet im Wirtschafts-Denglisch jedoch Anleihen mit niedrigem Nennwert. Am amerikanischen Finanzmarkt wird in der Regel alles unter 100 US-Dollar als „Baby Bond“ gehandelt, eine fest gelegte Größenordnung existiert jedoch nicht.

Bad Bank

Die so genannte "schlechte Bank" übernimmt die faulen Kredite eines angeschlagenen Geldinstituts. Diese ist dadurch Schrottpapiere wie „Subprimes“ (siehe unten) los und steht in Folge wieder besser dar. Die Risikogarantie für den ausgegliederten schlechten Teil übernimmt ein Dritter, zum Beispiel der Staat - also letztlich der Steuerzahler.

Bankenaufsicht

Deutsche Finanzinstitute werden ständig überwacht – das übernehmen in Deutschland gleich zwei Institutionen: die Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Das Ziel ist, das gesamte Finanz- und Kreditsystem durch präventive Kontrolle funktionstüchtig zu erhalten.

Bürgschaft

Kann ein Schuldner seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen, übernimmt der Bürge dessen finanziellen Verbindlichkeiten. Dafür hat er zuvor gebürgt, also eine einseitige Verpflichtung unterzeichnet. So hat in der Finanzkrise der deutsche Staat Bürgschaften in Milliardenhöhe für verschiedene Banken übernommen, um das geschwächte System zu stützen.

Einlagensicherung

Statt um orthopädische Schuhe geht es hier um eine Verpflichtung: Die deutschen Geldinstitute haben sich dafür zusammengeschlossen. Geht eine Bank pleite, garantieren die anderen dafür, dass die Kunden zumindest einen Teil ihres Ersparten wiedersehen. Gesetzlich garantiert sind derzeit 100.000 Euro pro Kunde und Bank. Die freiwilligen Einlagensicherungssysteme der Institute sehen aber noch weitaus höhere Summen vor.

Inflationsrisiko

Die Gefahr eines starken Kaufkraftverlustes des Geldes - also eine Geldentwertung. Die "normale" Inflationsrate pro Jahr liegt bei etwa zwei Prozent. Steigt sie auf nur fünf Prozent an, ist das Vermögen nach wenigen Jahren schon rund ein Viertel weniger wert.

Interbankenhandel

Sozusagen ein weltweiter Basar der Banken. Darüber werden zwischen verschiedenen internationalen Finanzinstituten nicht nur Geld, sondern auch festverzinsliche Wertpapiere und Aktien gehandelt.

Kreditklemme

In einer solchen Situation kann es für Unternehmen schwierig werden, an ein größeres Darlehen zu kommen. Der Grund: Viele Finanzinstitute wollen sich untereinander kein Geld mehr leihen und sind - salopp gesagt - nicht flüssig genug.

Leitzins

Er wird von der zuständigen Zentralbank festgelegt und soll den Geld- und Kapitalmarkt steuern bzw. stabilisieren. Für diesen festgelegten Zinssatz können Banken von der Zentralbank Geld leihen.

Liquiditätsengpass

Heißt nichts anderes, als dass eine Person oder ein Unternehmen nicht flüssig und damit zahlungsunfähig ist. Um Liquiditätsengpässe bei Banken vorzubeugen, flossen während der Finanzkrise Milliarden ins Finanzsystem.

Moratorium

Gerät eine Bank in die wirtschaftliche Krise, friert die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sämtliche Geschäfte des Finanzunternehmens ein, damit die Lage in Ruhe geklärt werden kann oder kein weiterer Schaden entsteht.

Refinanzierung

Um Kunden ihr Erspartes auszuzahlen oder neue Kredite vergeben zu können, brauchen Banken täglich Geld. Fehlt das einmal, refinanzieren sie es: Sie borgen es zum Beispiel bei den staatlichen Notenbanken oder leihen es bei einem anderen Finanzinstitut.

Ratingagentur

Sie bewertet die Kreditwürdigkeit, z.B. von Unternehmen oder Staaten. Zur Einstufung der Bonität wird meist ein Buchstabencode verwendet - von "AAA" für "beste Qualität" bis "D" für "zahlungsunfähig". Ein gutes Rating ist aber noch lange keine Garantie, denn in der Finanzkrise zeigte sich, dass auch bekannte Agenturen mit ihrer Einschätzung daneben liegen können: Die US-Bank Lehman-Brothers erhielt noch kurz vor ihrer Pleite Bestnoten.

Risikoabschirmung

Gerät ein großes Unternehmen ins Straucheln, breitet Vater Staat schützend die Arme aus und hilft. So erhält er angeblich systemrelevante Betriebe und Institute. Im Falle deutscher Banken wird hauptsächlich mit Risikogarantien gearbeitet.

Subprime

In Deutschland gibt es einen Bankenkredit nur gegen Sicherheiten, die vor Abschluss streng geprüft werden - zum Beispiel einen guten Job, eine Immobilie, Bürgen. Anders in den USA: Auf dem Höhepunkt des Immobilienbooms konnten dort auch Wenigverdiener ohne Eigenkapital Geld von den Banken leihen. Diese Wühltisch-Hypotheken wurden Subprimes (deutsch: zweite Wahl) getauft.

Verstaatlichung

Kommt eine Bank trotz verschiedener Maßnahmen nicht wieder auf die Beine, kann sie verstaatlicht werden. Neben dem Eigentum geht dabei auch die Entscheidungsgewalt über das Finanzunternehmen an den Staat über.

Zins

Er wird in der Regel angegeben als "nominaler" oder "effektiver" Zins. Der nominale Zins gibt den puren Zinssatz in Prozent wieder. In den effektiven Zins werden andere Faktoren mit hineingerechnet z.B. die Bearbeitungsgebühr der Bank. Bei Krediten kann der "effektive" Zins entsprechend deutlich höher sein als der nominale, bei der Verzinsung von Vermögen deutlich niedriger. Er ist deswegen auch der Wert, den man bei der Wahl verschiedener Angebote vergleichen sollte.

Zweckgesellschaft

Kreditinstitute schließen sich dazu zusammen, um spezielle Geschäfte zu machen. So haben etwa einige Banken über eine Zweckgesellschaft in US-Hypotheken investiert. Der Vorteil: Riskante oder zweifelhafte Finanzmanöver tauchen so nicht in der Bilanz des eigenen Hauses auf.

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