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Hamburg, bitte keine Olympischen Spiele!

Hamburgs Olympia soll 11,2 Milliarden Euro kosten. Bislang. Denn die Elbphilharmonie zeigt, wie Kosten explodieren können. Die Olympischen Spiele werden zum Milliardengrab  und beschleunigen den Ausverkauf der Stadt.

Ein Kommentar von Katharina Grimm

  Nicht alle Hamburger wollen die Olympischen Spiele. 

Nicht alle Hamburger wollen die Olympischen Spiele. 

Seit Monaten steht Hamburg in "Feuer und Flamme" für Olympia, auf allen Senatsveranstaltungen quatschen die Redner all die Vorzüge dieses Events herbei. Olympia passe hervorragend zu Hamburg, die Spiele würden die Stadt nach vorne bringen. Sport sei ja sowieso perfekt, um sich als weltoffen und kulturell aufgeschlossen zu präsentieren. Die Olympischen Spiele - ein Segen für Hamburg?

Nicht wirklich - denn nun ist die Finanzplanung bekannt: 11,2 Milliarden kosten die Spiele. Zum Vergleich: Der jährliche Haushalt von Hamburg beträgt rund 12 Milliarden Euro. Sicherlich müsste die Stadt die Kosten nicht allein schultern. Dennoch kommen mit den Spiele enorme Belastungen auf Hamburg zu. Noch im Frühjahr hatte das "Hamburger Abendblatt" geschätzt, dass sich die gesamten Kosten auf 6,5 Milliarden Euro belaufen könnten, allerdings ohne Sicherheitskonzept. Nun zeigt sich: Weit gefehlt, schwer verkalkuliert - das wird alles noch viel, viel teurer. 

Olympia-Kosten sprengen Budget

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) betonte zwar bei der Präsentation, dass man dicke gerechnet habe. Eher Auf- als Abrunden soll die Rechendevise gewesen zu sein. So wolle man die Preissteigerung bis 2024 in der Rechnung abbilden. Das ist löblich, aber kaum vorstellbar, dass beispielsweise die Chinesen ihre Olympischen Spiele, die im Sommer 2008 stattfanden, komplett kleingerechnet haben. Die Kosten sprengten zumindest den geplanten 26-Milliarden-Euro-Rahmen und verschlangen am Ende 33 Milliarden Euro. Dagegen wirkt die Finanzplanung in Hamburg jetzt schon wie eine Milchmädchenrechnung

Olympisches Dorf wird zu Eigentumswohnung

Und: Ab 2020 gilt die Schuldenbremse. Das heißt, dass keine neuen Schulden verursacht werden dürfen - und die Hamburger Olympiaverantwortlichen geloben, dies für die Spiele auch nicht zu tun. Aber wie soll das gelingen? Wer sich die Details des Finanzreports ansieht, wird schnell fündig: Nach den Spielen soll das Olympische Dorf als Wohnraum umfunktioniert werden - allerdings werden 33 Prozent dieser Wohnungen Eigentum werden. Weitere 33 Prozent werden an private Wohnungsunternehmen verkauft und zu freifinanzierten Mietwohnungen umgebaut - die erwartbare Miete könnte schnell in galaktischen Sphären wie schon jetzt in der Hafencity steigen. Die Stadt macht zumindest keinen Hehl daraus, wie sie die Gesamtkosten drücken wollen: "Erlöse werden im Wesentlichen aus den Grundstücksverkäufen generiert." Da fragt man sich doch: Wofür braucht die Stadt solche Spiele, wenn es am Ende eh nur um den Verkauf von Filetgrundstücken in Elbnähe geht? Das könnte die Stadt auch ohne Olympia durchziehen. 

Statt ein neues Stadtviertel, dass dank der Spiele durch staatliche Zuschüsse entstehen könnte, selbst zu entwickeln, wird viel verkauft. Das hatte man den Hamburgern zuletzt anders verkauft, denn die Entstehung von Wohnraum war ein Zugpferd, um Stimmung für die Spiele zu machen. 

Und wer zahlt nun die 11,2 Milliarden Euro? Auf Hamburg allein kommt eine Gesamtbelastung 1,2 Milliarden Euro zu. Doch auch nach Olympia zahlt Hamburg weiter: "Die Haushaltsbelastung verteilt sich in den fünfzehn Jahren nach den Olympischen und Paralympischen Spielen auf Raten von jährlich 34,13 Mio. Euro", heißt es in dem Report. Für den Bund heißt das: 6,2 Milliarden Euro müssen alle Steuerzahler zusammenkratzen. Zumindest nach heutigen Rechnungen. 

Für Unternehmen, nicht für Hanseaten

Darüber hinaus erscheint die Bewerbung Hamburgs fast unlogisch. Denn die Hansestadt hat bisher kaum nennenswerte internationale Sportereignisse auf die Beine gestellt. Offiziell geht es darum, das Image der Stadt in der Welt aufzubessern. Hamburg liegt mit 12 Millionen Übernachtungen pro Jahr an zehnter Stelle in Europa - da geht doch noch mehr, denkt sich die Hotelindustrie der Hansestadt. Schon bei der Bewerbung wurde deutlich, wer hier wirklich ein Interesse an den Spielen hat: 25 Millionen Euro sollten an Spenden von Konzernen zusammenkommen.  

Hamburg und die Großprojekte

Und: So wirklich überzeugen konnte die Hansestadt bei Großveranstaltungen, vor allem bei Sport-Events, auch nicht. Hamburger können am Hafen einen Stein gewordenen Rechenfehler begutachten. Die Elbphilharmonie, ein schillerndes Aushängeschild für die Hansestadt - ärgerlich ist dabei die Kostenexplosion. Die Baukosten haben sich inzwischen mehr als verzehnfacht: Plante man ganz am Anfang mit 77 Millionen Euro, müssen inzwischen rund 800 Millionen Euro gezahlt werden. Und: Fertig ist der Bau noch nicht. Bleibt abzuwarten, was das gute Stück am Ende wirklich kosten wird. Klar ist nur eines: Der Steuerzahler muss die Zeche zahlen. Ähnliches ist bei den Olympischen Spielen zu befürchten.

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