Merkel "verachtet" höhnische Banker

28. Juni 2013, 09:55 Uhr

Top-Banker der Anglo Irish Bank verhöhnten Geldgeber wie Deutschland. Die Bundeskanzlerin reagiert mit scharfen Worten auf die überheblichen Äußerungen: Sie habe dafür "wirklich nur Verachtung".

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Deutschland verhöhnenden und die EU-Hilfen ins Lächerliche ziehenden irischen Banker scharf kritisiert. "Ich kann nur sagen, die Tonalität scheint bankenübergreifend gleich zu sein", sagte sie in der Nacht zu Freitag in Brüssel. "Und sie ist für Menschen, die ganz normal jeden Tag zur Arbeit gehen, die ihr Geld verdienen, einfach nur ganz, ganz schwer zu verkraften, um nicht zu sagen, gar nicht zu verkraften." Dies sei eine "richtige Schädigung der Demokratie, der sozialen Marktwirtschaft und allem, wofür wir arbeiten". Sie habe dafür "wirklich nur Verachtung".

Von irischen Bankern waren jüngst entlarvende Telefonmitschnitte aus dem Jahr 2008 veröffentlicht worden, die in Irland und Europa für viel Aufruhr sorgten. Manager der Anglo Irish Bank hatten im Angesicht der Pleite Witze über die benötigten Hilfen und gemacht und dabei auch Deutschland als den größten EU-Geldgeber verhöhnt. So ruft der ehemalige Bankchef David Drumm seine Mitstreiter am Telefon dazu auf, "einfach das Geld einzutreiben" oder sagt lapidar: "ein neuer Tag, eine weitere Milliarde". An anderer Stelle lacht der Bankenchef der Zeitung "Irish Independent" zufolge, während ein Mitarbeiter "Deutschland, Deutschland über alles" singt - ein Hinweis auf zu erwartendes Kapital deutscher Großinvestoren - und gleichzeitig ein Bezug auf die deutsche Nationalhymne aus der Zeit des Dritten Reiches.

Wegen Bankenkrise unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft

Wegen seines maroden Bankensystems war das hoch verschuldete Irland als erstes Land unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft. Das ehemalige Boom-Land der Euro-Zone wurde zum Bittsteller in Brüssel und Washington. EU und IWF hatten Irland mit insgesamt 85 Milliarden Euro von der Pleite bewahrt. Deutschland war bei den Hilfen größter EU-Geldgeber.

Nach dem Platzen der Immobilienblase war der extrem aufgeblähte irische Bankensektor 2008 in Schieflage geraten. Irland hatte die Anglo Irish im Zuge der Finanzkrise mit Hilfe seiner EU-Partner gerettet. Allein diese Bank erhielt rund 28 Milliarden Euro an Kapitalspritzen. Sie wurde in diesem Jahr abgewickelt. Zuletzt hatte sie noch 850 Mitarbeiter. Der aus der Bankenkrise resultierende Sparkurs des Landes zwang vielen der 4,6 Millionen Iren Gehaltskürzungen und Steuererhöhungen auf.

Für die Banker der Anglo Irish könnten die Mitschnitte auch ein rechtliches Nachspiel haben. Irische Politiker fordern, die Abwicklung der Anglo Irish Bank erneut parlamentarisch zu untersuchen. Damit könnten auch einzelne Personen rechtlich belangt werden. Die "Irish Independent" hatte den Inhalt der mitgeschnittenen Telefonate veröffentlicht, aus denen nach Auffassung der Zeitung deutlich wird, dass irische Top-Banker damals zum Ausmaß eines nötigen Überbrückungskredits zur Rettung der maroden Bank gelogen hätten. Die Banker hätten gewusst, dass weit mehr als die von den Iren angeforderten sieben Milliarden Euro nötig gewesen seien.

Der stellvertretende irische Ministerpräsident Eamon Gilmore nannte die mitgeschnittenen Äußerungen "wirklich schockierend". Sie verdeutlichten Arroganz, Überheblichkeit und Desinteresse an den Belangen der Steuerzahler und des irischen Volkes. Er versprach, schnell die nötigen Rahmenbedingungen für eine parlamentarische Aufarbeitung zu schaffen. Eine Untersuchung wird für den Herbst erwartet, über die Modalitäten und Zuständigkeiten des Untersuchungsausschusses wird noch gestritten.

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