Rekordarbeitslosigkeit bei aufgehellter Stimmung

8. Januar 2013, 11:59 Uhr

Gegensätzliche Signale aus der Eurozone: Einerseits haben Schulden- und Wirtschaftskrise die Arbeitslosigkeit auf eine Rekordhoch getrieben, andererseits hellt sich die Wirtschaftsstimmung wieder auf.

Eurozone, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftsstimmung, Arm und Reich, Kluft zwischen Einkommen

Demonstranten der Bewegung "15-M" in Madrid: Fast jeder Vierte unter 25 Jahren in der Eurozone ist derzeit ohne Job©

Die Arbeitslosenquote in der Eurozone ist auf ein neues Rekordhoch gestiegen: In den 17 Euro-Ländern waren im November 18,82 Millionen Menschen ohne Job, das entspricht einer Quote von 11,8 Prozent, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat am Dienstag in Luxemburg mitteilte. Das bedeutet ein Plus von 113.000 Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat sowie von mehr als zwei Millionen innerhalb eines Jahres. Hoffnung macht aber, dass sich die Wirtschaftsstimmung im Euroraum im Dezember zum zweiten Mal in Folge aufgehellt hat.

So stieg der Economic Sentiment Index (ESI) stieg von November auf Dezember um 1,3 Punkte auf 87,0 Zähler, wie die Europäische Kommission am Dienstag in Brüssel mitteilte. Das ist der höchste Stand seit fast einem halben Jahr. Die Markterwartungen wurden somit übertroffen. Bis auf den Einzelhandel verbesserte sich die Stimmung in allen betrachteten Bereichen. In den ESI fließen das Industrievertrauen mit 40 Prozent und das Dienstleistungsvertrauen mit 30 Prozent ein. Das Verbrauchervertrauen steuert 20 Prozent bei. Das Bauwirtschafts- und das Einzelhandelsvertrauen werden zu jeweils fünf Prozent gewichtet.

Vor allem Jugendarbeitslosigkeit macht Sorge

Ob und wann sich dieser Optimismus am Arbeitsmarkt bemerkbar macht, muss sich noch zeigen. Derzeit leiden unter der schlechten Entwicklung in der Eurozone alle 27 EU-Länder. Die Zahl der Arbeitslosen stieg auf mehr als 26 Millionen.

Am härtesten betroffen sind die Krisenländer Spanien und Griechenland, wo mehr als jeder Vierte keine Arbeit hat. In Spanien lag die Quote im November bei 26,6 Prozent, die letzte verfügbare Statistik für Griechenland aus dem September weist eine Arbeitslosenquote von 26,0 Prozent aus. Auch bei der Jugendarbeitslosigkeit stehen Spanien und Griechenland mit Quoten von 56,5 Prozent beziehungsweise 57,6 Prozent am schlechtesten da. Insgesamt ist in der Eurozone fast jeder vierte (24,4 Prozent) - rund 3,7 Millionen Menschen - unter 25 Jahren derzeit arbeitslos.

Deutschland gehört dagegen zu den Ländern mit den niedrigsten Arbeitslosenquoten. In Österreich waren Eurostat-Berechnungen zufolge im November 4,5 Prozent der Erwerbsfähigen arbeitslos, in Luxemburg 5,1 Prozent, in Deutschland 5,4 Prozent.

Kluft bei Einkommen Gefahr für die Weltwirtschaft

In der wachsenden Kluft bei der Entwicklung der Einkommen liegt nach Ansicht von Experten zunehmend eine große Gefahr für die Weltwirtschaft. Zusammen mit chronischen Ungleichgewichten der Haushalte vieler Staaten gehört das Auseinandergehen der Einkommensschere laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) voraussichtlich zu den "beiden vorherrschenden globalen Risiken" der nächsten Jahre.

Weniger wahrscheinlich, aber potenziell erheblich folgenschwerer sind dem am Dienstag in London vorgestellten Bericht "Globale Risiken 2013" zufolge ein völliger Ausfall des internationalen Finanzsystems sowie eine große Trinkwasserknappheit als Resultat des Klimawandels. "Die Welt steht wachsenden Risiken gegenüber, während die anhaltende Finanzkrise die öffentliche Aufmerksamkeit vom Klimawandel ablenkt", warnen die Autoren der Studie. Der Welt-Risiko-Report soll in zwei Wochen beim WEF-Jahrestreffen in Davos diskutiert werden.

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