Karate für den Zappelphilipp

31. Oktober 2003, 10:15 Uhr

Bei "Zappelkindern" sprechen Ärzte schnell von ADHS, dem sogenannten "Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom" und verschreiben Ritalin. In Land Brandenburg hilft Mike Moldenhauer ADHS-Kindern auf ganz andere Art - mit Karate.

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Konzentration pur: Beim Karate lernen Zappelkinder, ruhig zu stehen©

Der Einsatz von Ritalin ist sehr umstritten

Wer kennt sie nicht, die Kinder, denen es äußerst schwer fällt, still zu sitzen und sich zu konzentrieren. Die "Zappelkinder" rufen ständig dazwischen, sind immer in Bewegung und fangen schnell Streit an, wenn nicht alles so klappt, wie sie sich das insgeheim vorgestellt haben. Schnell sprechen die Ärzte in diesem Fall von ADHS und verabreichen diesen "nervenden" Kindern Ritalin. In Land Brandenburg bietet Mike Moldenhauer ein Alternativprogramm für diese Kinder an. Er hilft den ADHS-Kindern - mit Karate.

ADHS, das gab es früher doch noch nicht. So erinnern sich viele Großeltern kopfschüttelnd, die bei ihren Enkeln zum ersten Mal von dem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität (ADHS) hören, das so viele Ärzte bei den Kindern von heute diagnostizieren. Kein Wunder, früher tobten die Kinder meistens auf der Straße und verbrachten viele Stunden am Tag im Freien.

Wer lieber zuhause im Kinderzimmer bastelte, war ein Stubenhocker. Heute heißt es hingegen: Still sitzen. Und das von morgens bis abends. Erst in der Schule, dann vielleicht vor dem Computer, später bei den Hausaufgaben oder am Esstisch.

Da fällt es umso mehr auf, wenn Kinder überhaupt gar nicht stillsitzen können, Probleme mit der Konzentration haben, sehr impulsiv reagieren und ihre ganze Umwelt einfach nur "nerven", weil sie elektrisierte Zappelkinder sind. Viele Eltern gehen deswegen mit ihrem Nachwuchs zum Arzt, weil "mein Kind nichts lernt, nur stört und auch im Klassenzimmer nicht stillsitzen kann". Die Ärzte kennen das Problem bereits und ordnen umfangreiche Tests an, die sowohl auf die Körperfunktionen abzielen als auch normale Konzentrationsprüfungen mit einschließen.

Das macht Sinn, denn das Krankheitsbild ADHS basiert auf keiner Pi-mal-Daumen-Diagnose. Vielmehr geht man von einer fehlerhaften Informationsverarbeitung zwischen verschiedenen Hirnabschnitten aus, bedingt durch Störungen im Stoffwechsel der Botenstoffe (vor allem Dopamin). Genetische Faktoren scheinen auch eine Rolle zu spielen. Das Proble: bislang gibt es noch kein probates Gegenmittel. Stattdessen wird vielen Kindern das gängige Medikament Ritalin (Wirkstoff Mehylphenidat) verschrieben. Die Frage bleibt: Ist das Fluch oder Segen? Der Einsatz von Ritalin ist schwer umstritten, oft aber nicht zu verhindern, weil die betroffenen Kinder sehr unter ihrer "Andersartigkeit" zu leiden haben. Hilfreich für betroffene Kinder ist in jedem Fall ein absolut verlässliches Umfeld mit einem sehr geregelten und strukturierten Tagesablauf.

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