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70 Jahre stern

Glamour und Drama im Hochadel: "Ich lebe nicht in der Vergangenheit!": Ex-Kaiserin Fahra Pahlavi über güldene Zeiten

In den 50er- und 60er-Jahren berichtete der stern leidenschaftlich über den persischen Schah und seine Frauen. Anlässlich des 70-Jahre-Jubiläums des Magazins blickt Ex-Kaiserin Farah Diba Pahlavi zurück.

Von David Baum

Ex-Kaiserin Fahra Pahlavi: "Ich lebe nicht in der Vergangenheit!"

"Das deutsche Volk hatte immer großes Interesse am Iran, und gute Beziehungen zu uns", sagt Ex-Kaiserin Farah Pahlavi zum stern (Archivbild von 2015)

Picture Alliance

Wenn es über die Märchenwelt im fernen Hof von Teheran zu berichten galt, geriet mancher stern-Autor ins Schwärmen. "Nur ihr Gesicht verrät den inneren Aufruhr, ihre Augen müssen gegen die Tränen kämpfen, die empordrängen", schrieb der stern 1959 über die Verlobung des Schahs mit seiner dritten Frau. Das große Interesse in Deutschland lag nicht nur an der betörenden Pracht, mit der sich Schah Mohamed Reza Pahlavi umgab, sondern auch am schicksalshaften Lauf seines Privatlebens. Kurz zuvor hatte er sich von  Ehefrau Soraya getrennt, die keine Kinder bekommen konnte. Weil die junge Frau einer deutschen Mutter in Berlin aufgewachsen war, hatte an ihrem Aufstieg und ihrer tragischen Trennung, in der Bundesrepublik großen Anteil genommen.

So eilig der Schah sich um eine neue Frau umgesehen hatte, war auch das deutsche Publikum angesichts der glamourösen Farah Diba an seiner Seite schnell versöhnt.

Farah Pahlavi: "Das Interesse hat mich stets berührt"

"Das deutsche Volk hatte immer großes Interesse am Iran, und gute Beziehungen zu uns", sagt Ex-Kaiserin Farah Pahlavi, die heute in New York und Paris lebt, im Rückblick. Wobei sie betont: "Ich lebe nicht in der Vergangenheit!" Das Interesse und die Zuneigung, "die uns durch deutsche Menschen vor und nach der Revolution zuteil wurden, haben mich stets berührt", sagt sie.

Dabei hatte der Besuch des Kaiserpaares in Westberlin 1967 für einen der schicksalshaften Momente der deutschen Nachkriegsgeschichte gesorgt. Bei Protesten von Exilpersern, an die sich die junge deutsche Studentenrevolte beteiligte, wurde der Student Benno Ohnesorg erschossen, wodurch sich die Situation massiv aufheizte und die Bewegung radikalisierte.  Nicht umsonst benannte sich eine linksradikale Terrorgruppe nach dem Tag des Schah-Besuchs, dem 2. Juni. Der stern beendete seine Hofberichterstattung, die Stunde des investigativen Journalismus war gekommen. Die Reporter konfrontierten den Regierenden Bürgermeister mit kritischen Fragen und trafen den Polizisten und Todesschützen Karl-Heinz Kurass zum ersten Interview im Gefängnis.

"Manchmal denke ich, es ist besser, dass er nicht lebt"

"Es gab positive und auch nachteilige Artikel in vielen Ländern über uns, bei manchen hatte ich den Eindruck, dass politische Strategien dahintersteckten", sagt Pahlavi. "Bei unserem Besuch in Deutschland wurde leider ein Student erschossen, und es tat uns sehr leid, dass das passiert ist." Noch viele Jahre später, sogar nach der islamischen Revolution im Iran, sei sie damit konfrontiert worden. "Einige Leute fragten mich nach diesem Vorfall, als wären ich persönlich verantwortlich gewesen." Vor ein paar Jahren sei entdeckt worden, "dass der Student von einem Polizisten erschossen wurde, der für die ostdeutschen Geheimpolizei  gearbeitet hatte. Aber die Medien schrieben wenig darüber", beklagt sie.

Tatsächlich ist erst im Jahre 2009 gesichert bekannt geworden, dass Polizist Kurass von 1955 bis mindestens 1967 Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR gewesen war. "Einige der Studenten, die während unseres Besuchs für Demokratie demonstrierten, haben später im Leben politische Positionen erreicht und sind in dieser Eigenschaft in die Islamische Republik Iran gereist", kritisiert Farah Pahlavi. "Aber sie haben an ihre Gastgeber nicht nach Freiheit und Gerechtigkeit gefragt."

Den Sturz des Schah-Regimes 1979 und den Tod ihres Mannes hat Pahlavi als traumatische Wende ihres Lebens in Erinnerung. "Aber ich musste meinen moralischen Kompass für meine Kinder behalten und glaubte an meinen Mann." Dass der Schah, der 1980 im Exil an Krebs verstarb, "nie ein unfreundliches Wort gegen seine Landsleute" gesagt habe, sei ihr besonders in Erinnerung. "Manchmal denke ich, dass es besser ist, dass er nicht lebt, um zu sehen, was passiert ist, was aus seinem Land geworden ist." Im November feiert Pahlavi ihren 80. Geburtstag, die Hoffnung, dass Sie ihr Land in Freiheit wiedersehen kann, will sie nicht aufgeben. "Ich hoffe, dass es eines Tages ein Referendum in einem freien Iran geben wird, in dem die Bürger selbst wählen dürfen, welche Regierung sie haben möchten."

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fs