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Auto-Welt: Das Ei des Wirtschaftswunders

Als man bei BMW 1952 wieder damit anfing Autos zu bauen, hatte man sich das Ganze sicherlich einfacher vorgestellt.

Als man bei BMW 1952 wieder damit anfing Autos zu bauen, hatte man sich das Ganze sicherlich einfacher vorgestellt. Unter dem Motto "Auto fahren viele, BMW fahren Anspruchsvolle" entstanden luxuriöse Klassiker wie der 501 ("Barockengel"), der 502 oder der 507. Die üppigen Limousinen lösten weltweit Bewunderung aus - nennenswerte Verkaufszahlen konnte man in München jedoch nicht verzeichnen. Die wuchtigen BMW waren einfach zu teuer. Über 15.000 Mark musste man seinerzeit für einen Barockengel aufbringen. Unsummen für einen kleinen Angestellten, der selten mehr als 400 Mark im Monat nach Hause brachte.

Lizenzgeber gesucht

Die für jeden Hersteller so wichtige Massenkundschaft startete mit günstigen Motorrollern oder Rollermobilen in die individuelle Motorisierung. Das erkannte man gegen 1954 auch in München und machte sich fieberhaft auf die Suche nach einem geeigneten Lizenzgeber. Für die Entwicklung eines eigenen Minis fehlte BMW zu dieser Zeit schlichtweg das Kapital.

BMW Isetta250300
MotorEinzylinder-Viertakt-MotorEinzylinder-Viertakt-Motor
Hubraum245295
Leistung (PS)1213
VorwärtsgängeVierVier
Leergewicht (kg)350350
Radstand1.5001.500
Länge/ Breite/ Höhe (mm)2.285/ 1.380/ 1.340

Das Ei, das BMW rettete

Auf dem Turiner Autosalon 1954 wurden die BMW-Verantwortlichen schließlich fündig. Die Mailänder Firma Iso präsentierte dort eine eigenwillige Kleinwagen-Lösung: die Iso-Isetta. Die futuristische Ei-Form und die gerade angesagte Zugehörigkeit zur Klasse der Rollermobile konnten die BMW-Verantwortlichen überzeugen. Der Lizenzvertrag wurde geschlossen und die BMW-Entwickler machten sich daran, die Schwachstellen der italienischen Isetta zu finden und diese auszumerzen. Nach acht Monaten war die BMW Isetta bereit für den Produktionsstart. Neben kosmetischen Karosserieänderungen bekam das BMW-Ei anstelle eines Zweitakt-Motors einen Einzylinder-Viertaktmotor verpasst. Das 250-Kubik-Motörchen leistete bisher im BMW-Motorrad R25 beste Dienste und erwies sich für die Isetta-Kunden als Glücksgriff - klein, drehfreudig und unverwüstlich.

Die Isetta galt als chic

Am 5. März 1955 wurde die erste BMW Isetta in Rottach-Egern der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Einen BMW für 2.580 Mark? Diese Botschaft kam an. Bereits im ersten Produktionsjahr verließen über 10.000 Isetten die Produktionshallen. Vor allem die ein PS stärkere Isetta 300 sorgt für rege Nachfrage. An der ungewöhnlichen Form und der Tatsache, dass man eigentlich nur einen Motorroller unter dem Hintern hatte, störte die Kundschaft wenig. Im Gegenteil. Die Isetta galt als chic - gerade wegen der ungewöhnlichen Front-Tür und der schrillen Karosserie. Hinzu kam ein gelungener Werbefeldzug, der die Eigenheiten der Isetta zu gut durchdachten Vorteilen verklärte.

Messerschmitt, Isetta, Goggo - welche Mini ist Ihr Favorit?

Marketing ist alles

Chronischer Platzmangel? So passt man quer in eine Parklücke. Umständliche Front-Tür? Entspricht dem natürlichen Bewegungsablauf des Menschen! Die BMW-Marketingstrategen hatten auf jeden Zweifel eine Antwort. Sie schickten die Knutschkugel als Export-Version in Ausland und sogar bis nach Amerika. Um im Land der unbegrenzten Auto zugelassen zu werden, musste die Isetta jedoch einige Umbauarbeiten über sich ergehen lassen. So hatte die USA-Isetta riesige Scheinwerfer und unförmiger Stoßfänger, mit denen sie sich den übermächtigen Straßenkreuzern erwehren sollte.

Keine Chance in der Nische

Ein kümmerliches Dasein fristeten jedoch die Versuche, mit der Isetta in andere Nischen zu knattern. So wurden von der 250er Isetta gerade einmal 15 Cabrio-Versionen gebaut. Die Export-Isetta brachte es gerade einmal auf 50 Frischluft-Modelle. Ähnlich erging es der Transport-Isetta mit ihrer winzigen Ladefläche. Sie kam kaum über einen Einsatz jenseits des Werksgeländes hinaus.

Mit den Jahren entwickelte sich auch die Isetta weiter. Ende 1956 erschien eine runderneuerte Isetta mit schickem Coupé-Dach und kräftigerem Motor.

Mehr Geld, weniger Isetten

Die anspringende Wirtschaft läutete schließlich das langsame Ende der Isetta ein. Die Kundschaft hatte mehr Geld in der Tasche und war nicht mehr auf minimalistische Kleinstwagen angewiesen. Mehr und mehr kamen größere, gut ausgestattete und stärker Motorisierte Kleinwagen in Mode. Echte Autos eben, mit denen die Isetta nicht mithalten konnte. Wieder verzichtete BMW auf eine komplette Neukonstruktion und versuchte, der Isetta einen großen Bruder an die Seite zu stellen. Der BMW 600 sah aus wie eine zu prall aufgepumpte Isetta - bot jedoch Platz für vier Personen. Angetrieben wurde das gleichspurige Gefährt von einem 19,5 PS starken Zweizylinder-Boxermotor, der mit dem 560 Kilo-Ei jedoch überfordert war.

BMW 600 - die Monster-Isetta

Die optische Verwandtschaft zur kleinen Isetta und autobauerische Zangengeburten wie eine Front- und lediglich eine Seitentür (Stabilitätsprobleme) machten den BMW 600 "zum Kuriosum der Automobilgeschichte" (BMW-Pressemitteilung). Insgesamt wurden lediglich 34.318 Stück gebaut. Kein Vergleich zu den Stückzahlen der Isetta, die ihren großen Bruder sogar noch überlebte. Die letzte Isetta lief erst 1962 vom Band.

Jochen Knecht
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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.