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Audi A4 Avant: Edler Päckchendienst

Bist Du aber groß geworden! Mit dem neuen A4 Avant stößt Audi in eine neue Größen-Dimension der Mittelklasse vor. Natürlich kennt auch die Preisliste keine Grenzen.

Von Sven Schulte-Rummel

Trotz des enormen Längen-Zuwachses bleibt der A4 Avant in Form. Der kurze Überhang vorn: knackig. Die lange Motorhaube: ein typisches Zeichen von Kraft, egal was für ein Motor unter ihr arbeitet. Noch stärker als bei der Limousine sorgt aber der lange Radstand für ein massives Erscheinungsbild. Damit er dann doch nicht zu staatlich wirkt, wird diese Seitenfläche durch die, von Audi so genannte, Tornado-Linie gebrochen: Ein leichter Knick in der Karosse, der sich von den Frontscheinwerfern über die Kotflügel und Türen bis in die Rückleuchten zieht. In den Leuchten am Heck wird diese Linie fast schon kunstvoll durch eine Kante nach unten umgeleitet. Dadurch bekommt die Seite eine kraftvollere Struktur.

Auch die Dachreling (jetzt Serie), die nicht auf kleine Stützpfosten aufgebockt ist sondern direkt auf dem Dach aufliegt, ist ein Beispiel für den Audi-Anspruch, in der Klasse der Premium-Kombis durch anderes Design zu punkten. Paradebeispiel dafür ist natürlich die Front, die bei Kombi und Limousine identisch ist. Ohne Zweifel wirkt sie dank integriertem Tagfahrlicht aus 14 LEDs (Xenon Plus-Paket) beeindruckend, wenn sie auf der Landstraße hinter einem auftauchen. Ein böser Blick? Definitiv.

Ende gut - alles gut?

Beim Kombi macht natürlich das Heck den Unterschied, und Audi hat den Abschluss sehr stilvoll gestaltet. Um nicht ohne Grund selbstbewusst zu behaupten: "Schöne Kombis heißen Avant". Nur wirkt das Heck mehr wie der Abschluss eines Coupés als wie das Ende eines typischer Kombinations-Kraftwagens: Die D-Säule verläuft enorm schräg, die Dachlinie fällt früh ab. Doch es scheint diese Entscheidung kontra Nutzwert pro Design zu sein, die aus einem Kombi einen Avant machen. "Die Eleganz wird durch eine gedrungene Heckscheibe gefördert", erklärt Chefdesigner Stefan Sielaff den Abschluss des Wagens. "Auch die horizontalen Linien betonen die Breite des Hecks. Dadurch liegt breit und sehr flach auf der Straße, wenn man ihn von hinten anschaut."

Innere Werte: Am stilvollsten öffnet man die Heckklappe des Edel-Kombis mit einem Druck auf den Schlüsselbund - so bleiben die Finger auch sauber. Der E-Antrieb für die Heckklappe ist natürlich aufpreispflichtig (490 Euro), aber dennoch eines der empfehlenswertesten Extras. Um die Klappe wieder zu schließen drückt man auf einen Knopf in der Innenseite. Im Innenraum wird schnell klar: Auch wenn er in der so genannten Mittelklasse antritt, von der Verarbeitung ist der Audi-Avant ein Oberklasse-Auto im Mittel-Format. Genau einen Meter breit ist die Öffnung zum 103 Zentimeter tiefen Laderaum. 490 Liter schluckt der Kofferraum im Normalzustand. Klappt man die Rückbank um (im Verhältnis 40:60) sind es insgesamt 1430 Liter Gepäckraumvolumen (1,77 Meter tief). Eine ebene Fläche entsteht jedoch nicht, da die Lehnen leicht erhöht auf der Rückbank liegen. Zum großen Bruder Audi A6 Avant (1660 Litern) wird der Respektanstand gewahrt.

Doch es sind die liebevollen Details, die am A4 Avant begeistern. Serie - im Gegensatz zum Vorgänger - sind der Wendeboden (auf der einen Seite Teppich, auf der anderen eine vertiefte Wanne aus Plastik) und Metall-Ösen und Taschenhaken. Und das Abdeck-Rollo braucht man nur mit dem Ellenbogen anstoßen, damit es den Gepäckraum frei gibt. Sehr gut, wenn man die Hände voll hat. Edel wird die Ladefläche, wenn man das Fixierset (185 Euro) bestellt: Per Gurt und Metallstange wird die Ladung gesichert. Zuviel des Guten? Sicher, wenn man Holz, Laubsäcke oder Baumaterial transportieren will. Aber der A4 Avant ist eben ein feiner Lifestyle-Laster und kein Nutzfahrzeug. Hier wird die Ladung nicht einfach eingeladen, sondern stilvoll verstaut. Zwei der zwölf Zentimeter, die der neue A4 Avant gegenüber seinem Vorgänger länger ist, kommen den Passagieren auf der Rückbank zugute. Komfortabel lassen sich dadurch auch hinten lange Strecken ohne müde Beine überwinden.

Flotter Luxus-Kombi

Avant heißt auf französisch Vorne - und umgangssprachlich "weit vorne" liegt er mit seinen Fahreigenschaften. In jeder Kurve gewinnt er mehr Sympathien seines Fahrers: Unebenheiten? Bodenwellen mit 60? Kurvige Bergstraßen? Das Sport-Fahrwerk arbeitet, der Fahrer genießt. Ursache dafür ist vor allem die so genannte Dynamiklenkung und das "Audi Drive select"-Paket (1300 Euro). Bei den ersten Lenkrad-Bewegungen ist man zuerst kritisch, da der Lenkwinkel je nach Geschwindigkeit automatisch geändert wird: Bei langsamer fahrt schlagen die Räder stärker ein, bei schneller Fahrt weniger stark.

Doch spätestens bei einer Vollbremsung auf Split und Asphalt ist man diesem System sehr dankbar, da der Wagen im Notfall sogar selbständig gegenlenkt und die Spur hält. Gerade mit dem 3.0 Turbodiesel-Aggregat (240PS, massige 500 Nm Drehmoment bei 1500-3000 Umdrehungen/Minute) und Allrad-Antrieb im stern.de-Testwagen wird der Lifestyle-Laster in fast jeder Fahrsituation zu einem Renn-Kombi. Man überholt nicht nur, sondern zieht an den anderen Autos vorbei. Selbst die Ohren werden verwöhnt: Der Motorsound des großen Dieselmotors klingt kernig, sogar attraktiver als Sound des 3,2 Liter Benziners. Doch der Diesel hat auch seine Schwächen: Wer zum Beispiel auf eine Ampel im zweiten Gang zurollt und bei knapp 1000 Umdrehungen Vollgas gibt, der muss einige Sekunden warten, ehe der Wagen Geschwindigkeit gewinnt.

Preise und Auslieferung

Schon ab Ende April wird der Premium-Kombi ausgeliefert. Die günstigste Einstiegsversion (Modell Attraction, 1.8 TFSI-Benzinmotor mit 160 PS) kostet 30.600 Euro. Der getestete Audi A4 Avant mit dem 240 PS starken 3 Liter Dieselmotor kostet allerdings mindestens 42650 Euro. Mit allen Extras addiert sich der Preis auf über 60.000 Euro - und auch das ist eher Ober- als Mittelklasse. Ab Herbst wird der Einstieg in die Avant-Welt jedoch günstiger: Dann gibt es den A4 mit der 1.8 TFSI-Maschine und 120 PS für 27.550 €.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.