HOME

Automatische Spracherkennung: Auto stoppt lallende Fahrer

Man steigt ins Auto, doch es startet nicht, weil der Fahrer betrunken ist. Noch eine Vision, doch Wissenschaftler aus München arbeiten an einer Software, die Betrunkene an der Stimme erkennt.

Von Finn Rütten

Viele Unfälle, wie dieser hier in Darmstadt 2013, bei dem niemand ernsthaft verletzt wurde, werden von alkoholisierten Fahrern verursacht

Viele Unfälle, wie dieser hier in Darmstadt 2013, bei dem niemand ernsthaft verletzt wurde, werden von alkoholisierten Fahrern verursacht

Es ist ein Uhr morgens, Sie steigen in Ihr Auto und es fragt Sie, wie es Ihnen geht, was es zum Abendessen gab und ob Ihre Fußballmannschaft gestern gewonnen hat. Sie antworten freundlich, stecken den Schlüssel ins Schloss und drehen ihn um. Nichts passiert. Das Auto lässt sich nicht starten. Der Grund dafür ist ganz einfach: Das Auto hat das Sprachmuster analysiert und festgestellt, dass Sie höchstwahrscheinlich ein paar Bierchen zu viel hatten. Bestimmt rät es Ihnen, lieber ein Taxi zu nehmen. Gerne würde es das auch sofort für Sie bestellen.

So könnte die Zukunft für so manchen Autofahrer aussehen. Seit Jahren arbeitet die Autoindustrie an Methoden, um alkoholisierte Fahrer zu erkennen und sie von einer Trunkenheitsfahrt abzuhalten. Nissan etwa präsentierte bereits im Jahr 2007 ein Konzeptfahrzeug, in dem verschiedene Sensoren die Verkehrstauglichkeit des Fahrers überprüfen sollten. Duft- und Schweißsensoren für den Atem und die Handfläche sowie eine Gesichtskamera sollten in der Studie Anzeichen von Alkoholkonsum erkennen und dann den Motor nicht starten lassen.

"Die Köchin mit dem Tupfenkopftuch kocht Karpfen in dem Kupferkochtopf"

Ein anderer Ansatz ist die sogenannte Alcohol Language Corpus (ALC) der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Dafür haben die Wissenschaftler des Instituts für Rechtsmedizin 162 Männer und Frauen betrunken gemacht, in ein stehendes Auto gesetzt und sie Texte aufsagen lassen. Wieviel Bier oder Wein sie tranken, entschieden die Tespersonen selbst. Dann mussten sie einzelne Ziffern, Buchstaben und Worte, aber auch ganze Sätze wie "Die Köchin mit dem Tupfenkopftuch kocht Karpfen in dem Kupferkochtopf" in das Mikrofon sprachen. Entstanden ist eine rund 30 GB umfassende Datenbank.

"Rund ein Drittel des gesammelten Sprachmaterials war autospezifisch, also bezog sich auf die Sprachsteuerung von etwa Radio oder Navi", sagt Christian Heinrich, der als Co-Author an dem Projekt mitgewirkt hat zum stern. Die Spracherkennung funktioniert allerdings nur individuell. Jeder Fahrer muss persönlich das System besprechen, damit ein auf ihn angepasstes Muster entsteht. In modernen Autos könnten man dies mit einer Aufzeichnungsfunktion im Alltag ganz nebenbei erledigen, meint Heinrich.

Genauigkeit von über 70 Prozent

Hunderprozentig arbeitet das System allerdings nicht. Einer Studie der University of Columbia aus dem Jahr 2011 zufolge ist eine Erkennung nicht sicher vor Ungenauigkeiten. Die Computeralgorithmen, die den Zustand des Fahrers anhand der Sprachdaten bewerten sollen, haben nur eine Genauigkeit von über 70 Prozent.

Unterstützung erforderlich

Das ändert sich aber, wenn mehrere Erkennungssysteme miteinander kombiniert werden. Aus der Fülle der Informationen kann so eine recht genaues Bild über den Zustand des Fahrers entstehen – und das nicht erst in ferner Zukunft. "Unterstützt etwa von einer Kamera, die Augen- und Körperbewegungen auswertet, könnte die Spracherkennung schon zeitnah eine marktreife Lösung sein", sagt Heinrich.

So ein komplexes System ist aufwändig, dürfte im Alltag aber akzeptiert werden, weil die Analyse unauffällig arbeitet. Sehr viel einfacher sind Testgeräte, die den Atemalkohol messen. Atemtester baut allerdings niemand freiwillig in sein Auto ein. Nur wenn Gesetze oder Urteile es verlangen, werden sie installiert. Eine weitere Nachteil: Die einfache Technik lässt sich leicht überlisten. Das dürfte bei der Gesichts- und Spracherkennung schwieriger sein.

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.