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Autoverkauf im US-Fernsehen: Showmaster wider Willen

Die Amerikaner lieben Homeshopping. Das macht selbst vor Autos nicht halt. Gerade in den südlichen Staaten der USA bieten viele Händler ihre Gebrauchtwagen im Fernsehen an - mit großem Erfolg.

Die Zahl der Werbeverkaufskanäle im amerikanischen Kabelnetz ist ungezählt. Nicht nur im mittleren Westen sitzen hinterweltlerische Mütter tagein tagaus vor dem Großbildschirm und kaufen Dekorationsartikel, Zauberwaschmittel, Wandersandalen oder Kunststoffbehälter für den Hausgebrauch. Doch damit nicht genug. In kaum einem anderen Land der Welt erfreuen sich Gebrauchtwagenkäufe im Fernsehen einer ähnlich großen Beliebtheit wie im Süden der USA.

Autoverkauf im US-Fernsehen: Showmaster wider Willen
Autoverkäufer Mike Wilson in Austin / Texas

Autoverkäufer Mike Wilson in Austin / Texas

Neu ist die Verkaufsidee nicht. Durch die regionalisierten Fernsehsender haben Autohändler keinerlei Mühe, lokale Kunden zu erreichen. Mike Wilson, General Manager vom Maxwell Supercenter in Austin / Texas, blickt ebenso freundlich wie geschäftstüchtig in die Kamera während ihn im Schritttempo ein Gebrauchtwagen nach dem anderen passiert: "Rufen sie mich an. Dieser Durango bietet eine tolle Ausstattung und einen perfekten Pflegezustand. Er könnte schon morgen ihnen gehören." Der SUV ist kaum mehr zu sehen, weil immer neue Informationen über den Bildschirm flackern. "Rufen sie mich an. Jetzt", wiederholt Mike Wilson und verweist auf die kostenfreie Telefonnummer, die unten durchläuft - 1 800 999 3615.

Derlei Fernsehsendungen sind in anderen Ländern und insbesondere im deutschsprachigen Raum weitgehend unbekannt. Dabei ist es nicht so, dass die Kombination aus Gebrauchtwagenkauf und TV hierzulande keinen Erfolg hätte. Mitte der 2000er Jahre wurde Alexander Wesselsky in seinem historischen Checker-Taxi mit Wortwitz und lässigem Auftreten schnell zu Kultfigur, indem er ahnungslosen Autointeressen für möglichst wenig Budget möglichst viel Gebrauchtwagen vor die Haustür stellte - hartes Verhandeln inbegriffen. In seine Fußstapfen traten in den vergangenen Jahren TV-Formate wie "Biete Rostlaube - suche Traumwagen" oder "die PS-Profis" mit Sidney Hoffmann und Jean Pierre Kraemer, die mit Ruhrgebiets-Charme und jede Menge Fachwissen vom Renault R4 über Tom Sellecks Ferrari 308 bis zu Mercedes E-Klasse oder getunten BMW M5 die Autobörsen durchforsten, um bei den Käufern für strahlende Kinderaugen zu sorgen. Allen Sendungen ist gemein, dass weder Autos noch Kunden im Vordergrund des Zuschauerinteresses stehen. Es sind die Autoexperten, weshalb sich die Fangemeinde zuschaltet.

Der Ursprung dieser Idee kommt wie kaum anders zu erwarten aus den USA. Die Sendung "King of Cars" war eine zweiwöchentliche Seifenoper, die sich um den Autohändler Towbin in Henderson, südlich von Las Vegas, drehte. Josh Towbin erfand die Kunstfigur Chop und seine Verkäufer schlüpften beim abendlichen Autoverkauf regelmäßig in Phantasiekostüme, um die eigenen Neu- und Gebrauchtwagen mit kunterbunten Kurzgeschichten an die Kunden zu bringen. Aus der lokalen Sendung wurde mit wachsendem Erfolg schnell ein Informercial, das US-weit ausgestrahlt wurde. "Als ich in den 90er damit anfing, wollte ich einfach etwas anders als mein Vater machen", erinnert sich Chop, "je verrückter wir wurden, umso beliebter wurde die Show und umso mehr Autos verkauften wir." Nach und nach fanden selbst US-Stars wie Jay Leno, Don King, George Wallace oder Jerry Seinfeld ihren Weg in die Sendung und es gab ein DVD mit den ersten Folgen.

Sein erstes Auto erwarb der damals gerade einmal 14 Jahre alte Josh Towbin aus New Jersey für 200 Dollar und verkaufte es für 400 Dollar weiter. 20 Jahre später verkauft Towbin Motors nicht zuletzt durch das Engagement von Chop, Blue Genie, Mark Deeter und dem Auto Marshall pro Jahr 8.500 Fahrzeuge - die meisten Toyota und Dodge. "Unsere Besteller sind seit Jahren Dodge Charger und RAM", sagt Chop, "es gibt kein Auto, das ich nicht verkaufen kann; vom 2.000 Dollar teuren Pontiac bis zum Rolls-Royce Phantom." Der Durchschnittspreis pro Auto liegt bei 17.500 Dollar.

Bei Mike Wilson vom Maxwell Supercenter geht es bei ähnlich warmen Temperaturen in Texas ein paar Dimensionen kleiner. Gerade noch hat der Mittfünfziger, betont sportlich in schwarzem Poloshirt und Chinos gekleidet, einen komplett ausgestatteten Hyundai Santa Fe für 249 Dollar pro angepriesen, da rollt schon ein 2012er Chevrolet Silverado heran. "Natürlich mit Leder und Komplettausstattung. Wenig gelaufen", betet Wilson mit kurzen Satzfragmenten in die Kamera. Zwei Kanäle weiter geht es jovialer zu. Im spanischsprachigen Fernsehen lockt eine "Oferta de Manager" von Freedom Motors am Highway 67, wo ein Buick SUV dem Opel Antara wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Müssen Mike Wilson oder seine Kollegen allein die Zuschauer locken, übernehmen das bei der spanischsprachigen Konkurrenz gemischte Duos aus einem fachkundigen Verkäufer und einer attraktiven Dame, die mit Gesten und Lächeln Maren Gilzer, der einst bekanntesten Buchstabendreherin Deutschlands beim Glücksrad, alle Ehre gemacht hätte. So scheint selbst der unspektakuläre Ford Fusion von Park Cities Ford für 389 Dollar pro Monat als verlockendes Schnäppchen. Und wer weiß, vielleicht springen die Autohändler in unseren Breiten bald auf den Verkaufszug aus Amerika auf. Wäre nicht der erste Trend.

Press-Inform / pressinform
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.