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Neulich im Auto: Über das Mysterium Beschleunigungsstreifen

Neulich auf der Autobahn-Abfahrt. Ich möchte rechts auf die Bundesstraße auffahren. Dafür gibt es einen Beschleunigungsstreifen, den ich gerne befahren würde, wenn nicht vor mir ein Autofahrer darauf stehen bleiben und rechts und links nach Verkehr Ausschau halten würde. Da mir das ständig passiert und wir bei Neulich im Auto schon einige Hinweise auf dieses Thema bekommen haben, vielleicht mal eine kleine Erläuterung des Mysteriums Beschleunigungsstreifen.

Verboten und gefährlich

Er hat ein paar Namen: Beschleunigungsstreifen, Einfädelungsstreifen oder Beschleunigungsspur. Bei allen drei Bezeichnungen geht es also entweder um die Beschleunigung oder das Einfädeln. Entsprechend unverständlich ist es für mich, wieso manche Verkehrsteilnehmer auf die Idee kommen, hier anzuhalten. Das ist nicht nur verboten, es ist auch noch ziemlich gefährlich.

Kommen wir vielleicht zunächst zum rechtlichen Teil. In § 12 Abs. 1 Nr. 3 der Straßenverkehrsordnung zum Thema "Halten und Parken" heißt es:

Das Halten ist unzulässig auf Einfädelungs- und auf Ausfädelungsstreifen.

Ausfädelungsstreifen sind übrigens das gleiche wie Einfädelungsstreifen, nur umgekehrt: Also die Streifen, auf die man erstmal ausscheren muss, bevor man bremst, um den nachfolgenden Verkehr nicht zu behindern. In § 18 Abs. 8 der Straßenverkehrsordnung heißt es zudem bezüglich "Autobahnen und Kraftfahrtstraßen":

Halten, auch auf Seitenstreifen, ist verboten.

In den laufenden Verkehr einordnen

Wäre das also geklärt: In jedem Fall ist es nicht erlaubt, auf Autobahnen (und die Beschleunigungsstreifen zählen schon dazu) oder auch auf normalen Beschleunigungsstreifen zu halten oder stehen zu bleiben. Aber warum?

Der Sinn des Beschleunigungsstreifens ist, dass man sich in den laufenden – meist schnellen – Verkehr einordnen kann, ohne ihn zu sehr zu behindern. Das funktioniert am besten, wenn man selbst schon auf einer annähernd so schnellen Geschwindigkeit ist wie die anderen Autos und nur noch einscheren muss.

Auffahrunfälle sind die Folge

Gefährlich wird es genau dann, wenn man hier bremst und eben nicht beschleunigt, denn dann muss man aus dem Stand in einen Verkehrsfluss einfahren – und zwingt damit die anderen Autofahrer zum Bremsen, was Auffahrunfälle wahrscheinlicher macht.

Zudem kann man auch selbst Opfer eines Auffahrunfalls werden. Denn all diejenigen, die den Beschleunigungsstreifen richtig verwenden, orientieren sich mit einem Schulterblick nach dem fließenden Verkehr – was wiederum dazu führt, dass sie nicht damit rechnen, dass vor ihnen gebremst wird.

In jedem Fall ist es also eine schlechte Idee, auf, vor oder während einem Beschleunigungsstreifen abzubremsen oder gar zu halten.

Ich würde mich freuen, wenn ich das seltener beobachten müsste.

Hinweis: Neulich im Auto gibt es auch auf Facebook und Twitter.


Tobias Gillen würde nie zugeben, dass auch er Fehler beim Autofahren macht, weiß das aber insgeheim. Wenn er nicht gerade auf der A1 oder der A57 in NRW unterwegs ist, schreibt er über Medien und Technik – manchmal auchin Büchern. Im Netz ist er bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.