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Polo-Cup: Giftiger Rennzwerg aus Wolfsburg

Von wegen nach dem 30. Geburtstag sind die stürmischen Zeiten vorbei. Seit 1975 rollt er auf deutschen Straßen, mit 8,7 Millionen produzierten Fahrzeugen längst ein Kleinwagen-Klassiker - eine besonders heiße Version des Wolfsburgers rollt im Volkswagen Polo Cup an den Start.

Von Christian Gebhardt

Rasend schnell blinken die kleinen grellen Lämpchen auf dem Digital-Display im Cockpit hintereinander auf, fünf an der Zahl, erst zwei grüne, dann gelb, danach zweimal knallrot. Jetzt unbedingt schalten. Zu spät, donnernde Salven, die einem Maschinengewehr bei Dauerfeuer ähneln, betäuben die unter den engen Rennhelm gezwängten Ohren. Ab 6800 U/Min brennt der Drehzahlbegrenzer unweigerlich ein schallendes Feuerwerk ab, dass jeden Piloten unvermindert zum Ganghebel greifen lässt. Die hellrot strahlende Ziffer in der Mitte des Rennsport-Display weißt auf die höchste Fahrstufe hin. Sechster Gang. Ready for take off. Mit über 200 km/h fliegt die erste Kurve entgegen. Schnell auf die Bremse, brachial verzögert der Bolide und versucht den in die enge Rennschale festgezurrten Piloten aus dem Sitz zu pressen. Dank Servolenkung spielend einlenken und am Scheitelpunkt der Kurve geht’s dann wieder voll aufs Gas. Wie auf Schienen kleben die profillosen Pneus das Renngefährt auf dem Asphalt. Weiter geht die Kurvenjagd.

Macht definitiv süchtig

Dieser Polo macht definitiv süchtig. Wie bitte? Polo – Volkswagen Polo. Der Zweitwagen? Das Einkaufsvehikel für die Gattin? Irren ist menschlich und Vorurteile müssen wiederlegt werden. Spätestens mit dem Renn-Polo aus dem ADAC Volkswagen Polo Cup machen die Wolfsburger die bösen Zungen mundtot.

Unter der Motorhaube des seriennahen Rennwagens schuftet ein für den Renneinsatz leicht modifiziertes 150 PS starkes Zweiliter-Vierzylindertriebwerk mit FSI-Benzindirekteinspritzung. Dank einer wahren Diätkur und einem Leergewicht von 1060 Kilogramm wird der Renn-Polo beim Tritt aufs Gaspedal ordentlich nach vorne geschoben. Schlankheit hat seinen Preis. Im Innenraum des Rennzwerges hat nur Platz, was wirklich Sinn macht. Komfort – Fehlanzeige. Rücksitzbank und Kunststoffverkleidungen wichen einem Sicherheitskäfig aus stabilen Streben sowie einer Bordfeuerlöschanlage, die dafür sorgt, dass jedes noch so hitzige Duell glimpflich abläuft. Der enge Rennschalensitz passt wie eine zweite Haut und bietet neben extremen Seitenhalt dank gepolsterten Kopfprotektoren ausreichend Schutz für den Kopf des Piloten. Als einzige Serienteile im Innenraum stechen das Sportlenkrad aus Leder, der Ganghebel und das Armaturenbrett ins Auge des Betrachters. Den zielgerichteten Blick auf Tachometer und Drehzahlmesser verhindert dabei jedoch ein digitales Renn-Display, dass neben einer Ganganzeige sowie Schaltlampen auch Rundenzeiten anzeigt. Ein modernes Datenaufzeichnungssystem ermöglicht nach dem heißen Ritt eine detaillierte Analyse über Brems-, Schalt- und Einlenkpunkte. Die Formel 1 lässt grüßen.

Die Renncockpits sind rar

Seit 2004 gehört die Nachwuchsrennserie mit den agilen einheitlichen Mini-Tourenwagen zu eine der professionellsten Talentschmieden für den internationalen Tourenwagen-Rennnachwuchs. "Identische Fahrzeuge und der Tausch der Autos unter den Fahrern garantieren größtmögliche Chancengleichheit", unterstreicht Volkswagen Motorsport-Direktor Kris Nissen das Konzept der Rennserie, die dafür sorgt, dass sich gerade Talente und nicht nur Fahrer mit dem größten Geldbeutel durchsetzen können. Doch die Startplätze im Förderprogramm sind rar. Nur 22 Renncockpits werden pro Saison an Nachwuchsfahrer zwischen 16 und 24 Jahren vergeben. Wer in die Tourenwagenschule will muss zum Casting. Aus über 50 Bewerbern werden die Besten in unterschiedlichen Sichtungen ausgesiebt. Auf dem Stundenplan steht jedoch nicht nur die Ideallinie und der richtige Bremspunkt. "Neben der Rennstrecke wird der Motorsport-Nachwuchs auch in weiteren Bereichen, wie z.B. Medientraining, dem richtige Fitness-Programm und bei der Suche nach Sponsoren geschult", erläutert Ex-Rennfahrer und Motorsport-Chef Nissen das Programm der Nachwuchs-Schumis.

Trostpflaster für alle ohne Cup-Cockpit

Seit kurzem bieten die Wolfsburger Autobauer ein attraktives "rollendes Trostpflaster" für diejenigen an, die nicht am Volkswagen Polo Cup teilnehmen können. Der neueste Spross der Polo-Familie bringt das Racefeeling von der Rennstrecke mit auf die Straße. Der Polo GTI Cup Edition ähnelt optisch der Rennversion. Die tiefgezogene Front- und Heckschürze wurde fast unverändert von den Cup-Rennern übernommen. Mit seinem turbogeladenen 1.8 Liter-Vierzylinder übertrumpft er leistungsmäßig seinen Cup-Bruder sogar – 180 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 225 Kilometern pro Stunde machen die "Cup Edition" zum stärksten Polo aller Zeiten. Mit 22.425 Euro Basispreis für einen Kleinwagen wird jedoch auch das schnelle Trostpflaster für die Straße etwas schmerzen.

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.