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Explosion der Benzinpreise So viel sparen die Alternativen zum Auto


Die steigenden Benzinpreise machen das Autofahren für viele unbezahlbar. Wir haben nachgerechnet, wie viel Sie sparen, wenn Sie das Auto stehen lassen.
Von Gernot Kramper

Fahrradfahren ist billiger als Autofahren – das weiß jeder, aber wie viel spart man tatsächlich? Wie sehr lohnt sich eine Fahrgemeinschaft, und wie sieht es mit einem Motorroller aus? An drei Beispielen haben wir nachgerechnet, wie viel Geld Sie sparen können, wenn das Auto stehen bleibt. Das Gute: Diese Alternativen funktionieren überall. Selbst der Zeitverlust hält sich in Grenzen.

Das Fahrrad für die Kurzstrecke

Die einfachste und bekannteste Alternative zum Pkw ist das Fahrrad. Erster Vorteil: Meistens muss es nicht neu angeschafft werden. Besondere Versicherungen und Vorbereitungen benötigen Sie nicht, es kann einfach los gehen. Positiver Nebeneffekt: Figur und Kreislauf können die zusätzliche Bewegung meist gebrauchen.

Nachteile gibt es leider auch: Der Radfahrer ist Wind und Wetter ausgesetzt, größere Einkäufe lassen sich nur schwer transportieren. Die Reichweite des Rades ist begrenzt: Entfernungen bis zu acht Kilometern sind nach kurzer Eingewöhnung leicht zu bewältigen. Sportliche Fahrer haben auch an bis zu 20 Kilometer langen Strecken noch Freude. Darüber hinaus macht Radfahren kaum Sinn. Es sei denn, der Trainingszweck steht im Vordergrund.

Zeitfaktor:

Im Citybereich oder im städtischen Berufsverkehr ist das Rad fast genauso schnell wie ein Auto. Leichte Nachteile auf der Strecke holen Sie bei der Parkplatzsuche wieder rein. Auf dem Land oder in aufgelockerter Bebauung braucht der Radler allerdings deutlich länger als ein Autofahrer.

Die Beispielrechnung:

Der Weg zum Arbeitsplatz beträgt hin und zurück 30 Kilometer. Von durchschnittlich 220 Arbeitstagen wird 150-mal das Rad benutzt. Denn bei strömendem Regen, klirrender Kälte oder besonderen Gelegenheiten dürfen Sie weiterhin das Auto nehmen.

Vier weitere Besorgungen pro Woche erledigen Sie in Zukunft mit dem Rad. Die Strecke im Nahbereich ist geschätzte fünf Kilometer lang, und nur an 35 Wochen im Jahr mögen Sie radeln – wiederum wegen des Wetters. Insgesamt fahren Sie also 5200 Kilometer Rad im Jahr.

Der Benzinverbrauch bei Kurzstrecken und im morgendlichen Stop-and-go-Verkehr beträgt geschätzte neun Liter, der Superpreis wird mit aktuellen 1,70 Euro angesetzt. 795,80 Euro geben Sie dann jährlich weniger für Benzin aus. Ein vernünftiges Rad gibt es schon für 400 Euro. Müssen Sie es kaufen, hätten Sie diese Investition nach einem halben Jahr wieder eingespart.

Der Motorroller für mittlere Distanzen

Eine andere Alternative zum Auto ist ein Motorroller oder ein Moped. Diese Zweiräder ermöglichen anstrengungs- und auch fitnessfreies Fortkommen und sind für längere Strecken geeignet. Wind und Wetter sind Sie zwar auch ausgesetzt, der Regenschutz am Roller und ein Regenmantel schützen Sie aber besser als auf dem Fahrrad. Größere Einkäufe lassen sich mit entsprechenden Taschen problemlos transportieren.

Mit Ihrem Pkw-Führerschein dürfen Sie auch einen Motorroller mit 50 ccm und 45 km/h Höchstgeschwindigkeit fahren. Ältere Kraftfahrer (Führerschein vor 1980) oder Besitzer eines Motorradführerscheins können auch leistungsstärkere und schnellere Modelle benutzen.

Zeitfaktor:

Ein Roller ist für Entfernungen von bis zu etwa 40 Kilometern geeignet. Im städtischen Berufsverkehr kommen Sie mit einem 50-ccm-Roller meist schneller voran als mit dem Auto, einen Parkplatz finden Sie sofort und unmittelbar am Ziel. Auf der Landstraße sind sie natürlich langsamer als mit dem Auto.

Beispielrechnung:

Der Arbeitsweg beträgt hin und zurück 60 Kilometer, der Roller wird an 175 Tagen im Jahr benutzt. Bei sehr schlechtem Wetter dürfen Sie das Auto benutzen. Wie beim Fahrradbeispiel nehmen Sie den Roller auch mal für andere kleine Strecken. 11.300 Kilometer könnten Sie in Zukunft jährlich mit dem Roller zurücklegen.

Bei einem Arbeitsweg von 30 Kilometern wäre es unrealistisch, nur von Stop-and-go-Verkehr auszugehen, der Benzinverbrauch des Autos wird daher mit acht Litern angesetzt. Gegenrechnen muss man allerdings den Verbrauch des Rollers. Etwa 2,2 Liter benötigt ein Viertakter. Sie sparen also "nur" 5,8 Liter auf hundert Kilometer zum Preis von 1,70 Euro. Dadurch bleiben 1300 Euro im Jahr mehr im Portemonnaie.

Zunächst müssen Sie den Roller kaufen. Einen geringeren Verbrauch erzielt ein Viertaktmotor. Besonders sparsam, aber selten, sind Modelle ohne Automatik mit Schaltung. Für etwa 800 Euro gibt es Roller aus chinesischer Fertigung, für das gleiche Geld bekommt man auch einen guten gebrauchten Markenroller – allerdings keine Vespa mit Lederbank. Nach sieben Monaten hätten Sie diese Investition wieder raus.

Für einen Motorroller müssen Sie eine Versicherung (70 Euro) und eine jährliche Wartung (100 Euro) bezahlen – die Ersparnisse beim Auto durch geringeren Verschleiß und Wertverlust wegen der Minderleistung von 11.000 Kilometer wiegen diese Kosten allerdings mehr als auf.

Fahrgemeinschaft für Pendler und große Entfernungen

Fahrgemeinschaften sind bei Pendlern beliebt. Voraussetzung: Alle Mitfahrer müssen in der gleichen Gegend arbeiten und dürfen nicht allzu weit von einander entfernt wohnen.

Zeitfaktor:

Alle Mitfahrer nacheinander einzusammeln, ist sehr aufwändig. Es sei denn, sie wohnen sehr dicht beieinander. Meist treffen sich alle Beteiligten an einem Sammelpunkt, dort steigen sie in ein Fahrzeug um. Mit der Fahrgemeinschaft sind Sie dann fast genauso schnell unterwegs wie mit dem eigenen Auto.

Rechenbeispiel:

Der Arbeitsweg beträgt jeden Tag 120 Kilometer, der Benzinverbrauch wegen der Langstrecke nun geschätzte sieben Liter, zehn Kilometer pro Strecke legt jeder Mitfahrer im eigenen Auto zurück, um zum Sammelpunkt zu kommen und wieder nach Hause. Die restlichen 50 Kilometer hin und zurück fahren alle gemeinsam. Die Fahrgemeinschaft besteht aus vier Personen, sie fahren 190 Tage im Jahr zusammen. Die Differenz zu den tatsächlichen 220 Arbeitstagen berücksichtigt die geringere Stärke der Gruppe durch unterschiedliche Urlaubszeiten und besondere Tage, an denen Sie nach der Arbeit nicht direkt nach Hause fahren wollen.

An den 190 Tagen hätten Sie als Einzelfahrer 22.800 Kilometer zu bewältigen, in der Gemeinschaft bleiben 3800 Kilometer für die Anfahrt und 4750 Kilometer für die anteiligen Fahrten. Mit 14.250 Kilometern weniger erzielen Sie eine Ersparnis von 1695 Euro.

Fazit

Alle drei Beispiele zeigen, dass sich der Umstieg auf ein anderes Verkehrsmittel durchaus lohnt. Das Fahrrad führte zu Ersparnissen von etwa 800 Euro, beim Motorroller waren es 1300 Euro und bei der Fahrgemeinschaft fast 1700 Euro. Berücksichtigt wurden nur die reinen Benzinkosten.

Tatsächlich ist Autofahren aber viel teurer: Ein neuer Golf Comfortline 1,4 TSI verschlingt nach den Angaben des ADAC von 2011 pro Kilometer 58,4 Cent. Wer weniger fährt, spart also viel mehr als nur den Sprit.

Radfahren fördert nebenbei auch noch die Gesundheit, der Umwelt kommt der Umstieg aber auch auf Motorroller oder Fahrgemeinschaft zugute. Denn weniger Benzin bedeutet eben nicht nur weniger Geld, sondern auch einen reduzierten CO2-Ausstoß.


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