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Motorradsicherheit: Biker leben gefährlich

Motorradfahrer werden häufig von anderen Verkehrsteilnehmern übersehen. Auch wenn ihre Geschwindigkeit unterschätzt wird, kommt es zu schlimmen Unfällen. In einem 100.000-Kilometer-Test haben Wissenschaftler aber noch viele andere Gefahren ausgemacht

Die beiden häufigsten Gefahren für Bikes sind immer noch, von anderen Verkehrsteilnehmern übersehen und in der Geschwindigkeit unterschätzt zu werden. Das hat jetzt die Auswertung des 100.000 Kilometer-Tests mit der Kawasaki 1400 GTR ergeben. Vor der Markteinführung im Herbst 2007 waren 50 Polizisten mit dem japanischen Supertourer unterwegs und fuhren 100.000 Kilometer in 83 Tagen. Dabei ließ das Institut für Zweiradsicherheit (ifz) die Biker jeden Tag einen Fragebogen zu ihren Erlebnissen ausfüllen. Dieser Test konnte nur die Probleme der Biker mit den anderen Verkehrsteilnehmern erfassen. Mögliches Fehlverhalten der Zweiradfahrer wurde nicht erhoben.

Demnach stellt besonders die Fehleinschätzung der Geschwindigkeit und das Übersehen durch Pkw- und Lkw-Fahrer das größte Risiko für die Motorradfahrer dar. Speziell beim Fahrspurwechsel bemerken Auto- und Nutzfahrzeugfahrer die motorisierten Zweiräder nicht. Ein Unfallrisiko geht zudem von straßenbaulichen Mängeln aus. Flickenteppiche auf dem Asphalt oder schlüpfrige Fahrbahnmarkierung machen den Bikern zu schaffen. Zur Vermeidung all dieser Gefahrensituationen kam den Motorradpolizisten ihre langjährige Erfahrung zugute. Immerhin die Hälfte von ihnen gab an, beim Test keine oder zumindest keine nennenswerten kritischen Situationen erlebt zu haben.

Vier Stresstypen unter den Bikern

Zudem nutzten die Medizinische Hochschule Hannover und die Abteilung Rehabilitative und Präventive Sportmedizin des Universitätsklinikums Freiburg den Langstreckentest für medizinische Untersuchungen. Dabei fanden sie heraus, dass die Stressverarbeitung, das Körpergewicht und die Fitness einen deutlichen Einfluss auf die Fahrsicherheit bei den Motorradfahrern haben. Es gibt anscheinend vier Stresstypen unter den Bikern: Der Schonungstyp ist eher gemütlich unterwegs, der Gesundheitstyp hat ein ausgeglichenes Verhältnis von sportlicher und entspannter Fahrweise, der risikobereite Fahrer ist überwiegend sportlich unterwegs und der vierte im Bunde neigt zu häufiger Selbstüberforderung. Bei ihm ist der höchste Anstieg des Stresshormons Adrenalin im Urin zu verzeichnen, was auf psychische Belastungen hinweist. Das Hormon Noradrenalin, das auf körperliche Belastung hindeutet, war bei allen Typen, trotz unterschiedlicher Fahrweise, nahezu gleich. Wie viel Stress das Motorradfahren auslöst hat der Biker laut der Testergebnisse mit dem Gashahn also selbst in der Hand.

Bei der Auswertung der Herzfrequenz- und der Blutdruckwerte zeigte sich, dass Fahrer mit normalen Körpergewicht und einer guten Fitness wesentlich besser abschnitten. Übergewichtige Biker mit mäßiger Fitness sind weniger sicher unterwegs und besitzen damit ein höheres Unfallrisiko. Gleiches gilt für Fahrer mit wenig Erfahrung. In der Summe zeigte der Test, dass Motorradfahren durchaus als Sport gewertet werden kann, der als solcher auch eine gute Vorbereitung beispielsweise nach der Winterpause bedarf. Erfahrungswerte und Übung tragen wesentlich zur Sicherheit bei.

Silke Koppers/MID

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