HOME

Großbritannien: Frau von US-Diplomat verursacht tödlichen Unfall - Johnson will die Sache notfalls mit Trump regeln

Diplomatische Verstimmung zwischen den USA und Großbritannien: Die Frau eines US-Diplomaten hat entgegen ihrer Versicherung das Land verlassen, nachdem sie einen tödlichen Unfall verursacht hatte. Premier Boris Johnson will die Sache wohl "unter Männern" regeln.

Boris Johnson und Donald Trump im Gespräch vor den Flaggen ihrer Länder

Zwei vom gleichen Schlag: Britanniens Premier Boris Johnson (li.) will die Verstrickung einer US-Diplomatenfrau in einen tödlichen Unfall in Mittelengland notfalls mit US-Präsident Donald Trump klären.

DPA

Ein tödlicher Verkehrsunfall belastet derzeit die diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und den USA. Er ereignete sich laut Polizei bereits am 27. August, als die Frau eines US-Diplomaten, die 42-jährige Anne S., die Station der Royal Air Force im britischen Croughton verließ, wo auch die US Air Force ihren Sitz hat. S. fuhr mit ihrem schwarzen Volvo Richtung Ortschaft. Was ihr dabei offenbar zunächst nicht auffiel: Sie benutzte die "falsche" Fahrbahnseite - bekanntlich fährt man im Vereinigten Königreich, anders als in den USA, links.

Die 42-Jährige, die laut einem Bericht der britischen "Sun" bereits in den USA wegen mangelnder Aufmerksamkeit im Straßenverkehr aufgefallen sein soll, schaffte eine Strecke von rund 400 Metern, ehe ihr der fatale Irrtum brutal bewusst wurde. Sie prallte mit ihrem Wagen frontal mit einem ebenfalls schwarzen Motorrad zusammen. Der Fahrer der Kawasaki war der 19-jährige Harry Dunn, der bei dem Aufprall lebensgefährlich verletzt wurde und wenig später im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag.

Boris Johnson: Dafür Immunität nicht gedacht

Doch damit nicht genug: Anne S. entzog sich den Ermittlungen, indem sie nach dem Vorfall diplomatische Immunität beanspruchte und entgegen ihrer Versicherung gegenüber der Polizei das Land verließ. Ein Antrag der Ermittler auf Aufhebung der Immunität wurde zurückgewiesen. S. ist für die britischen Behörden damit vorerst nicht greifbar.

Die geglückte Flucht der Frau eines 43-jährigen Geheimdienst-Mitarbeiters löste bei der Familie des Unfallopfers am vergangenen Wochenende Entsetzen aus und sorgte unter den britischen Parlamentariern für einen Aufschrei. Und es rief Premierminister Boris Johnson auf den Plan: "Ich glaube nicht, dass es richtig sein kann, den Prozess der diplomatischen Immunität für diese Zwecke zu nutzen", äußerte sich der Premier am Montag. "Ich hoffe, dass Anne S. zurückkommt und sich ordnungsgemäß mit den Rechtsprozessen stellt, wie sie in diesem Land üblich sind", so Johnson.

Johnson will notfalls das Weiße Haus konsultieren

Der Premier kündigte an, die heikle Angelegenheit notfalls auf allerhöchster Ebene zu besprechen. Zunächst will er den US-Botschafter in London, Woody Johnson, in der Sache konsultieren. Sollte das zu keinem Ergebnis führen, sprich: sollte Anne S. trotzdem nicht nach Großbritannien zurückkehren, "werde ich das Thema persönlich mit dem Weißen Haus erörtern." Sprich: Johnson will die Sache dann mit US-Präsident Donald Trump bereden und möglichst "unter Männern" regeln. Die beiden Staatenlenker sollen sich gut verstehen. Was das für Anne S. bedeuten könnte, bleibt vorerst aber unklar.

"Wir freuen uns zu hören, dass sich der Premierminister der Sache angenommen hat und uns helfen will, und dass er Anne S. klar als Verdächtige genannt hat", sagten die Eltern des Unfallopfers, Tim und Charlotte Dunn, dem US-Nachrichtensender CNN. "Wir konzentrieren uns weiterhin darauf, dass sie nach Großbritannien zurückkehrt, und wir werden nicht ruhen, bis es soweit ist", so die Dunns weiter. "Wir fordern Herrn Johnson auf, alles, was nötig ist, zu tun, um Anne zurückzubringen und vor Gericht zu stellen." 

Notfalls will die Familie auch direkt Donald Trump kontaktieren, damit Anne S. zur Rechenschaft gezogen werden könnte. Das sei wichtig für die Familie, nicht zuletzt für den Zwillingsbruder des getöteten Harry. Seit dem Unfall hätten sie nichts von der Amerikanerin oder ihrer Familie gehört. Das fühle sich falsch an, sagte Charlotte Dunn im BBC-Fernsehen. "Die ganze Familie möchte unbedingt trauern, aber das können wir nicht." Wie es heißt, erreichen die Dunns inzwischen Beileidsbekundungen und Solidaritätsbekundungen aus der ganzen Welt.

USA: Aufhebung der Immunität äußerst selten

Dass sich die 42-Jährige tatsächlich vor einem britischen Gericht verantworten muss, ist allerdings mehr als fraglich. Diplomaten und ihre Familienmitglieder genießen laut der Wiener Convention von 1961 Immunität vor der Gerichtsbarkeit ihrer Gastländer. Wie CNN aus dem State Department erfuhr, seine die Aufhebung der Immunität "äußerst selten". Alle derartigen Fälle würden "auf höchster Ebene intensiv behandelt und angesichts der globalen Auswirkungen, die solche Entscheidungen haben, sorgfältig geprüft."

Klingt, als müsse Boris Johnson tatsächlich seinen Einfluss bei Donald Trump geltend machen. Was das "Amercia first"-Credo des US-Präsidenten in solchen Fällen bedeutet, muss sich zeigen.

Quellen: CNN, "The Sun", Polizei Northhamptonshire, BBC Breakfast, "Washington Post"

dho