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WM-Autokorso Vorsicht auf der Partymeile

Ausgelassen feiern und dabei Autofahren? In Deutschland werden Autokorsos nach Fußballtriumphen immer beliebter. stern.de erklärt, was erlaubt ist, was geduldet wird und wo es problematisch wird.
Von Gernot Kramper

Nach wichtigen Siegen hält es den Fan nicht vor dem Fernseher, er will mit anderen feiern. Also rein ins Auto und rauf auf die nächste Partymeile. Die Polizei lässt den Rummel auf der Straße meist geschehen, obwohl solche Veranstaltungen untersagt sind. Laut StVO (§ 30) ist bei der Benutzung von Fahrzeugen unnötiger Lärm sowie unnützes Hin- und Herfahren verboten. Doch wenn König Fußball triumphiert, drückt die Polizei beide Augen zu. Fahnenschmuck und Aufkleber sind ohnehin erlaubt, solange sie die Sicht des Fahrers nicht beeinträchtigen. Wer will, kann seinen Wagen auch in seinen Wunschfarben dauerhaft lackieren oder – besser - temporär mit Folien bekleben.

Bei einem Korso übersehen die Ordnungshüter viele Dinge, die sonst zu einer sofortigen Verwarnung oder zu einem Bußgeld führen würden: Aus dem Fenster lehnen oder gar klettern, um Fähnchen zu schwenken. Oder stehend im Cabrio das Fanspalier abfahren. Auch wenn die Polizei nicht einschreitet, hält die Toleranz nur so lange vor, so lange nichts passiert. Wenn es zu einem Unfall kommt, gibt es keinen Fußball-Bonus.

Keine Sonderrechte

Wichtig zu wissen: Ein Autokorso wird geduldet, genießt jedoch keinerlei Sonderrechte, wie sie ein Fahrzeugkonvoi geltend machen kann. Das heißt: Stoppschilder, Ampeln und andere Verkehrszeichen gelten uneingeschränkt. Bei Rotlicht muss also gehalten werden. Und Alkohol ist zumindest für den Fahrer tabu. Tatsächlich ist die Promillegrenze sogar herabgesetzt. Die Grenze von 0,5 Promille kann nämlich auf 0,3 reduziert werden, sobald der Fahrer durch seinen Fahrstil unangenehm auffällt – durch dauerndes Hupen etwa. Am Besten ist es also, schon vor dem Spiel auszumachen, wer sich ans Steuer setzt. Sonst besteht die Gefahr, dass sich die Fußballfreunde nach Spiel und einigen Bier in die Augen schauen, und auf denjenigen als Fahrer verständigen, der noch "am ehesten" Autofahren kann und eigentlich doch betrunken ist.

Spaß nur bei Schrittgeschwindigkeit

Wichtig ist es, die Eskapaden an Bord auf den eigentlichen Korso zu beschränken. Mit einem nüchternen Fahrer an Lenker und mit Schritttempo sollte nicht allzu viel passieren. Sobald die Kolonne aber Fahrt aufnimmt, müssen die Feiereinlagen der Mitfahrer aufhören. Wer bei höherer Geschwindigkeit im Cabrio auf dem Kofferraum sitzt, geht ein hohes Risiko ein. Ebenso alle diejenigen, die zum Fahnenschwenken aus dem Seitenfenster krabbeln.

Der Fahrer ist der Dumme

Jeder sollte sich gut überlegen, ob er sich als nüchterner Fahrer für eine alkoholisierte Gruppe zur Verfügung stellt. Als Fahrzeugführer muss er nämlich eventuell für den Unfug seiner Freunde gerade stehen. Selbst dann, wenn diese sich selbst schädigen. Sollte also ein restlos betrunkener Fan aus dem Wagen stürzen, kann der Fahrer unter Umständen für den Unfall und die Folgen haftbar gemacht werden. Obendrein muss er immer besonders vorsichtig sein. Er darf sich nicht von der Partystimmung ablenken lassen und sollte sogar damit rechnen, dass andere Fans mehr oder minder achtlos auf der Fahrbahn herumlaufen.

Keine Fußballeuphorie bei der Versicherung

Kommt es zu einem Partyschaden am Auto, kann der Kfz-Halter bei seiner Versicherung nicht mit Verständnis für seine Fußballeuphorie rechnen. Wenn fremde Fans auf die Haube steigen und der Besitzer später keinen Verursacher für Kratzer und Beulen vorweisen kann, wird die Versicherung grobe Fahrlässigkeit annehmen und eine Regulierung des Schadens verweigern. Eine Veranstalterhaftung gibt es bei einem spontanen und nicht angemeldeten Korso ohnehin nicht. Selbst die harmlosen kleinen Fähnchen an den Seitenfenstern können Ärger verursachen. Meist werden sie mit einem Clip an den Seitenscheiben befestigt. Dadurch lassen sich die Scheiben allerdings nicht mehr komplett schließen. Sollte dann jemand den Wagen aufbrechen, muss sich der Fahrer den Vorwurf grober Fahrlässigkeit gefallen lassen.

Mitfahrer haben mehr Spaß

Am Besten fährt also der, der begeistert die Fahne schwenkt und anderen das Lenkrad überlässt. Die Feierlaune muss man sich wegen der Gefahren aber nicht verderben lassen. Schwere Unfälle im Zusammenhang mit einem Autokorso hat es in Deutschland bislang nicht gegeben.


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