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Akku zu groß Kunde verwirrt: Tesla begrenzt Reichweite bei gebrauchtem Model S – und fordert 4500 Dollar "Lösegeld"

Tesla Model S
Ein Tesla Model S kommt mit diversen Batterien – und dementsprechend unterschiedlicher Reichweite.
© Andreas Haas / Imago Images
Der Preis eines Tesla richtet sich auch nach dessen Batterie. Umso glücklicher war ein Käufer eines gebrauchten Model S, als der Wagen mehr Reichweite vorwies, als sein Modell eigentlich hätte – bis Tesla das aus der Ferne änderte.

Der Elektro-KFZ-Mechaniker Jason Hughes macht sich im Namen seines Kunden Luft. Auf Twitter schreibt er: "Tesla treibt mich manchmal in den Wahnsinn." Der Grund dafür ist ein Tesla Model S, Baujahr 2013. Vor Jahren, so schreibt Hughes, habe Tesla beim Wechsel der Batterie ein größeres Modell verbaut – und es nicht begrenzt. Das Auto, ein Model S 60, wurde so zu einem eigentlich teureren S 90D. 

Eigentlich eine Win-Win-Situation. Tesla hatte offenbar eine Lösung für fehlende Teile (oder eine gute Entschuldigung für den Irrtum) und der Kunde ein besseres Auto ohne Aufpreis. Jahre – und zwei Besitzer später – folgte aber ein böses Erwachen.

Nach Tesla-Update folgte Frust

Nachdem das Auto wegen anderer Arbeiten in der Werkstatt war, muss Tesla die fehlende Limitierung der Batterie aufgefallen sein. Denn wenig später, nach Verlassen der Werkstatt, habe Tesla den Kunden angerufen und ihm mitgeteilt, dass ein Fehler der Fahrzeugkonfiguration vorgelegen habe, den man nun korrigiert hätte. Sehr zum Leidwesen des Halters, denn das hieß übersetzt: Rund 130 Kilometer Reichweite weniger, obwohl sich an der Batterie nichts geändert hatte. Tesla begrenzte den Akku softwareseitig.

Auf die Frage des Kunden, ob man das bitte rückgängig machen könne, antwortete Tesla mit einer Zahlungsaufforderung in Höhe von 4500 US-Dollar, schreibt Hughes. Um das zu vermeiden – und weil ihm dafür jegliches Verständnis fehlte – bat der Fahrer den freien Tesla-Mechaniker Hughes um Hilfe. Und siehe da: Die alte Reichweite ließ sich wiederherstellen. Leider aber nur für kurze Zeit, heißt es. Denn sobald das Fahrzeug wieder am Netz war, änderte sich der Zustand wieder zum schlechteren.

Twitter-Post mit hoher Reichweite

Hughes veröffentlichte seinen Ärger stellvertretend für den Kunden. Seiner Meinung nach müsse Tesla, wenn bei einer Reparatur bessere Teile eingesetzt und nicht sofort begrenzt werden, mit dem Fehler leben und das Fahrzeug nicht Jahre später "abwerten". Hughes beteuert, er schreibe dies nicht, weil er Tesla hasse, sondern weil er fürchtet, Tesla "entgleise" mit solchen Aktionen.

Immerhin: Nach nur einem Tag meldet sich Hughes erneut auf Twitter: Das Auto darf wieder auf den gesamten Akku zugreifen, die Sperre wurde entfernt. Ob das nun an der großen Aufmerksamkeit für diesen Fall in den sozialen Medien lag, oder an der fortwährenden Kommunikation des Kunden mit dem Hersteller, bleibt offen. Fakt ist: Viel Ärger um nichts, statt einen zufriedenen Fahrer.

Der Fall um den begrenzten Akku ist nicht der erste Ärger, den Tesla diese Woche im Internet ausbaden muss. Aufmerksamen Lesern der Produktbeschreibungen des Herstellers ist aufgefallen, dass Tesla die Verfügbarkeit für das Navigationssystem bei Neufahrzeugen auf acht Jahre begrenzt – danach bittet Tesla erneut zur Kasse. Diese Änderung führte das Unternehmen offenbar Ende Juli ein – ohne groß darüber zu informieren.



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