"Ben's Game" Gegen den Krebs anspielen


Die Make-A-Wish Foundation erfüllt schwer kranken Kindern einen großen, ganz besonderen Wunsch. Jetzt hat sie dem an Leukämie leidenden Ben Duskin geholfen, ein Computerspiel für krebskranke Kinder zu schreiben.

Wenn Kinder krank werden, schwer krank, dann ist das immer eine furchtbare Angelegenheit für alle Beteiligten. Manchmal wird es so schlimm, dass die Kinder und ihre Verwandten sich darauf einstellen müssen, dass es eine erfolgreiche Heilung vielleicht nicht mehr gibt, dass das Kind sterben könnte. In dieser Situation versucht die Make-A-Wish Foundation, den kranken Kindern einen besonders großen Wunsch zu erfüllen. Vielleicht möchten sie ihren Lieblings-Prominenten treffen. Oder sie wünschen sich Postkarten von anderen Kindern aus aller Welt.

Im Fall von Ben Duskin lag der Fall anders. Der Neunjährige war an Leukämie erkrankt und wurde im UCSF Children's Hospital von San Francisco behandelt - mit Erfolg, wie es scheint.

Den Krebs am Bildschirm bekämpfen

Während Ben seine Chemotherapie über sich ergehen lassen musste, spielte er viel am Computer. Beim Daddeln begann er darüber nachzudenken, dass es doch eigentlich eine tolle Sache wäre, wenn es etwas geben würde, das den Kindern dabei helfen würde, sinnbildlich gegen die eigene Krankheit zu kämpfen. Ben dachte dabei an ein Videospiel, das von Kindern mit Krebs gespielt werden könnte. Es müsste den Kindern die Möglichkeit geben, den Krebs direkt am Bildschirm zu bekämpfen, stellvertretend sozusagen, und dabei etwas von der Wut, der Angst und dem Stress abzubauen - Gefühle, die sich während der Krankheit zunehmend aufstauen.

Natürlich war Ben kein Computerprogrammierer, der dazu in der Lage wäre, eine solche Aufgabe in Eigenregie zu meistern. Schließlich war der Junge aus Greenbrae in Kalifornien ja gerade erst neun Jahre alt und stand unter einer Behandlung, die jedem alle Kräfte raubt. Niemand schreibt in so einer Situation nebenbei noch ein Computerspiel.

Die Idee kommt an...

Doch im Krankenhaus selbst fand man die Idee von Ben sehr gut. "Ein solches Spiel kann Kindern auf der ganzen Welt helfen - und vor allem den Patienten in unserem pädiatrischen Behandlungszentrum", meint Kate Matthay, Verantwortliche der Pädiatrischen Onkologie des UCSF Children's Hospital. "Wir arbeiten hart daran, bessere Behandlungsmethoden zu finden, wenn es um den Krebs der Kinder geht. Methoden eben, die dazu in der Lage sind, einige Krebserkrankungen zu heilen und andere zumindest einzudämmen. Nebenbei kümmern wir uns aber auch darum, dass die Kinder und ihre Familien möglichst schnell ihr normales Leben wieder aufnehmen können. Bei einigen Therapien sind die Kinder leider dazu gezwungen, viele Stunden in der Woche völlig still zu sitzen, während sie eine Infusion erhalten. Computerspiele können sehr gut dabei helfen, diese Zeiten zu überbrücken. Bens Idee von einem Spiel ist natürlich noch besser als ein normales Computerspiel. Denn hier kann sich jedes kranke Kind vorstellen, gegen seinen eigenen Krebs zu kämpfen."

Ben’s Game

System

Windows ab 98

Autor

Make-A-Wish Foundation

Sprache

Englisch

Preis

Freeware

Dateigröße

4 MB

...doch die Umsetzung wäre viel zu teuer

Das Krankenhaus selbst arbeitete hart mit daran, Bens Idee in die Realität umzusetzen. Man setzte sich zunächst mit der weltweit bekannten Make-A-Wish Foundation zusammen und versuchte, Programmierer für das Projekt zu gewinnen.

"Die ersten Antworten fielen sehr, sehr pessimistisch aus", erinnert sich Patricia Wilson von der Make-A-Wish Foundation. "Die Leute erzählten uns, dass dieses Vorhaben auf gar keinen Fall zu realisieren sei. Das Projekt würde Jahre brauchen, bis es endlich fertig sei - und dabei auch noch Millionen Dollar Produktionskosten verschlingen."

Der Retter heißt Eric

Das Projekt drohte zu kippen, als sich auf einmal Eric Johnston von der US-Spieleschmiede LucasArts dafür stark machte. Eric Johnston wollte versuchen, "Ben’s Game" umzusetzen. Und nicht nur das: Johnston plante, den kranken Ben Duskin in jeden einzelnen Schritt der Produktion einzubinden. Über Monate hinweg traf er sich auf regelmäßiger Basis mit dem Neunjährigen, um sicherzustellen, dass das Spiel genau so aussehen und funktionieren würde, wie Ben sich das vorgestellt hatte.

Patricia Wilson: "Eric und Ben schafften das Unmögliche. Bens Wunsch ist eben sehr inspirierend, vor allem, weil er so selbstlos erscheint, und weil Ben ein echter Philanthrop ist. Dass wir noch dazu einen Engel wie Eric Johnston gefunden haben, war ein echtes Wunder. Hinzu kam, dass wir auf die tatkräftige Unterstützung des UCSF und der Mediziner vor Ort zählen konnten".

Dr. Seymour Zoger, der Arzt, der auch Ben behandelt hatte, fungierte während der gesamten Entwicklung des Spiels als medizinischer Berater. Zoger: "Die wissenschaftlichen Aspekte, die im Spiel stecken, kommen aber größtenteils von dem, was Ben während seiner Behandlung selbst gelernt hat."

Worum geht es im Spiel?

In "Ben's Game" geht es darum, durch den Körper zu reisen, um alle mutierten Zellen zu zerstören. Zugleich muss der Spieler sieben Schutzschilder einsammeln. Sie gewähren Schutz vor den unangenehmen Nebenwirkungen der Chemotherapie. Die einzelnen Schilde werden allerdings von diesen Monstern bewacht: Erkältung - Iceman Monster
Erbrechen - Robarf Monster
Windpocken - Big Chicken Monster
Fieber - Firemonster
Blutungen - Vamp Monster
Haarverlust - Qball Monster
Hautausschlag - Tornado Monster

Um das Spiel zu meistern, braucht man Gesundheit aus dem Krankenhaus, Munition aus der Apotheke und ein forsches Auftreten, das man von zu Hause mitbekommt.

Das Spiel selbst wird nicht verkauft, sondern steht im Internet zum kostenlosen Download bereit: www.makewish.org/ben. Zurzeit (Juli 2004) haben sich bereits 48.000 Spielefreunde "Ben’s Game" auf die eigene Festplatte gezogen.

Carsten Scheibe DPA

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