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"Big Brother Awards": Apple und Facebook sind "Datenkraken" des Jahres

Die Big Brother Awards für besonders problematischen Umgang mit Daten gehen in diesem Jahr an Facebook und Apple. Doch auch außerhalb die der digitalen Wirtschaft gibt es Preisträger, denen beängstigendes Verhalten vorgeworfen wird.

"Datenkraken", "Überwachungsfetischisten", "Datenschutzvandalen" - der Datenschutzverein FoeBuD hat viele Namen für die Personen und Organisationen, die jährlich mit den unrühmlichen Big Brother Awards ausgezeichnet werden. In Bielefeld wurden die acht diesjährigen deutschen "Preisträger" gekürt. Der Negativpreis wird in 14 Ländern verliehen.

In der Kategorie Kommunikation bekamen das soziale Netzwerk "Facebook" und Apple den Negativpreis.

"Ausforschung hinter netter Fassade"

Facebook verdiene mit systematischen Datenschutzverstößen Milliarden, hieß es in der Begründung. Den Preis gebe es "für die gezielte Ausforschung von Menschen und ihrer persönlichen Beziehungen hinter der netten Fassade eines vorgeblichen Gratisangebots". Die gesammelten Daten würden in den USA gespeichert. Der Zugriff für Geheimdienste sei möglich, Löschen sei nicht vorgesehen, meint FoeBuD. Und der "Gefällt mir"-Button auf fremden Webangeboten verrate, auch ohne angeklickt zu werden, alle Besucher der Seite an Facebook.

Das möchte eine Facebook-Sprecherin natürlich so nicht stehen lassen. "Facebook nimmt den Datenschutz seiner Nutzer sehr ernst", versichert sie auf Anfrage. Man sei ständig mit Datenschützern in Kontakt. "Facebook verdient Geld mit Werbung, verkauft aber keine Nutzerdaten an Werbetreibende." Die Sprecherin versichert auch, dass Facebook hochgeladene Daten wie Adressen nicht nutzt, außer der Nutzer werde aktiv und veranlasse das. "Und wir geben jedem Nutzer die volle Kontrolle über seine Daten. Der Nutzer kann die Daten auf seinem Profil löschen, dann sind sie weg. Sie werden nicht gespeichert." Und die Annahmen über den "Gefällt mir"-Button seien falsch. Sicher gebe es noch manche Verbesserungsmöglichkeiten, aber eins sei jetzt schon sicher: "Da ist ein absolut geschützter Raum. Facebook ist kein Überwachungstool."

Apple zwinge die iPhone-Besitzer, den Datenschutzbedingungen zuzustimmen. "Die Kunden haben quasi keine Wahl, den 117 iPhone-Display-Seiten mit Datenschutzbedingungen nicht zuzustimmen, denn sonst könnten sie ihr teures Gerät maximal zum Telefonieren nutzen", heißt es in der Begründung. Nach der Zustimmung könnten Lokalisierungs- und Standortdaten der Nutzer von App-Betreibern und Werbekunden genutzt werden, um speziell zugeschnittene Werbung zu platzieren, hieß es.

Von Drohnen und Blutproben

Weitere Preisträger sind etwa der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU). Der habe den ersten nachgewiesenen polizeilichen Einsatz einer Mini-Überwachungsdrohne zu verantworten, nämlich bei den Castor-Protesten im November 2010. Die Modemarke Peuterey verstecke in der Kleidung sogenannte RFID-Chips, deren Informationen berührungslos und unbemerkt ausgelesen werden könnten.

Stellvertretend für manche Arbeitgeber bekommt die Daimler AG einen Big Brother Award für die Praxis, von Bewerbern in der Produktion "freiwillige" Bluttests zu fordern. Ein weiterer Preisträger ist der Deutsche Zoll, weil er von deutschen Unternehmen verlange, ihre Beschäftigten mit russischen Antiterrorlisten abzugleichen. Die Zensuskommission 2011 bekommt den Preis, weil bei der diesjährigen Volkszählung Persönlichkeitsprofile von mehr als 80 Millionen Menschen erstellt würden, die bis zu vier Jahre nach dem Stichtag am 09. Mai 2011 personenbezogen verfügbar sind. Und der Verlag für Wissen und Information in Starnberg ist dabei für das Abschöpfen von Adressen als Gegenleistung für Büchergutscheine.

san/DPA / DPA