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Facebook: Datenkrake oder geschützter Raum? - Kritik an Facebook

Die Verbraucherzentralen haben Klage eingereicht, Verbraucherschutz-Ministerin Aigner hat die Freundschaft aufgekündigt, nun sagen auch die Datenschützer vom Verein FoeBuD: Facebook - gefällt mir nicht.

Das "soziale Netzwerk" Facebook wächst rasant, ebenso wie sein virtueller Marktwert. Weltweit nutzen rund 600 Millionen Menschen das Online-Netzwerk, sagt Facebook. In Deutschland seien es immerhin mehr als 16 Millionen. Über Umsätze sagt das Privatunternehmen nichts. Der Marktwert des im Februar 2004 von Mark Zuckerberg gegründeten Unternehmens wird auf weit über 50 Milliarden Dollar geschätzt.

Immer wieder muss sich das Unternehmen aber mit Datenschützern herumschlagen, besonders in Deutschland. Bundesministerin Ilse Aigner (CSU) als oberste Verbraucherschützerin kündigte dem Netzwerk die Freundschaft. Der Bundesverband Verbraucherzentralen reichte Klage ein. Facebook verstoße gegen Verbraucherrechte.

Vor allem der "Freunde-Finder" ist den Experten der Verbraucherschutzorganisation ein Dorn im Auge. Er verleite die oft sehr jungen Nutzer, ihren gesamten Datenbestand - also E-Mail-Adressen und Namen ihrer Freunde - Facebook zur Verfügung zu stellen. Und Schleswig-Holsteins oberster Datenschützer, Thilo Weichert, kritisierte vor kurzem: "Die großen Player im Internet wie Google oder Facebook verdienen Milliarden mit systematischen Datenschutzverletzungen."

Die Datenschützer vom Verein FoeBuD verliehen dem Netzwerk nun einen der wenig beliebten Big Brother Awards, und zwar "für die gezielte Ausforschung von Menschen und ihrer persönlichen Beziehungen hinter der netten Fassade eines vorgeblichen Gratisangebots", wie es in der Begründung heißt.

Die gesammelten Daten würden in den USA gespeichert. Der Zugriff für Geheimdienste sei möglich, Löschen sei nicht vorgesehen, meint FoeBuD. Und der "Gefällt mir"-Button auf fremden Webangeboten verrate, auch ohne angeklickt zu werden, alle Besucher der Seite an Facebook. "Hier herrscht Willkür eines Konzerns, und der verdient mit systematischen Datenschutzverstößen Milliarden."

Das möchte eine Facebook-Sprecherin natürlich so nicht stehen lassen. "Facebook nimmt den Datenschutz seiner Nutzer sehr ernst", versichert sie auf Anfrage. Man sei ständig mit Datenschützern in Kontakt. "Facebook verdient Geld mit Werbung, verkauft aber keine Nutzerdaten an Werbetreibende."

Die Sprecherin versichert auch, dass Facebook hochgeladene Daten wie Adressen nicht nutzt, außer der Nutzer werde aktiv und veranlasse das. "Und wir geben jedem Nutzer die volle Kontrolle über seine Daten. Der Nutzer kann die Daten auf seinem Profil löschen, dann sind sie weg. Sie werden nicht gespeichert." Und die Annahmen über den "Gefällt mir"-Button seien falsch. Sicher gebe es noch manche Verbesserungsmöglichkeiten, aber eins sei jetzt schon sicher: "Da ist ein absolut geschützter Raum. Facebook ist kein Überwachungstool."

Das sieht Datenschützerin Rena Tangens von FoeBuD anders. Selbstverständlich würden die Daten dauerhaft gespeichert. "Oft scheinen die einzelnen Informationen harmlos zu sein." Die mit entsprechender Software allerdings problemlos mögliche Verknüpfung und Auswertung der Datenmasse sei aber hochgefährlich. Hier sei viel möglich, etwa Bewegungsprofile zu erstellen oder politische und sexuelle Orientierung zu ergründen. Solche Möglichkeiten würden zweifellos Begehrlichkeiten bei Geheimdiensten wecken.

Matthias Benirschke, DPA / DPA