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"Bolt - Ein Hund für alle Fälle": Kampfhund ohne Biss

Bei "Bolt" bewies Disney keinen allzu guten Games-Riecher: So vergnüglich die Abenteuer des kleines Kläffers auch auf der Leinwand sein mögen, so öde ist sein virtueller Auftritt.

Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte sich so etwas wie eine animalische Alternative zur "Truman-Show" vorstellen: Hund Bolt ist unwissend der Star einer TV-Serie und glaubt daran, Superkräfte zu besitzen, mit denen er regelmäßig die Welt vor den fiesesten Schurken rettet. Aber: alles nur inszeniert. Entsprechend hart ist die Landung in der Realität.

Was auf der Leinwand ein echtes Vergnügen ist, versagt als Grundidee für ein Spiel. Schließlich kann Bolt keine Autos mit seiner Schnauze anheben, Laserstrahlen aus seinen Augen verschießen oder Wände durch sein Bellen zum Einsturz bringen. Weshalb die Macher des Games selbst tief in die Trickkiste greifen und dem Spieler vorgaukeln, einzelne Episoden der Serie zu erleben, die stets nach dem selben Schema verlaufen: "Befreie Pennys Vater - und rette die Welt."

Dazu schlüpft der Spieler abwechselnd in die Rolle des Mädchens Penny, das in ihrem Action-Outfit aussieht wie die kleine Schwester von Sam Fisher aus "Splinter Cell", oder in das Fell des Titelhelden Bolt. Wer angesichts des Bildes von Pennys Scooter auf der Cover-Rückseite auf eine ähnlich rasante Sequenz wie im Film hofft, liest im Kleingedruckten: "Der Roller ist nicht im Spiel enthalten."

Immerhin ist der Scooterstab im Spiel enthalten - ein vielseitig einsetzbares Gadget. Zum einen kann Penny Feinde mit einem gezielten Schlag ins Land der Träume schicken. Zum anderen kann man den Stab in Rohre und Dachkanten einhaken, sich daran hängen und so an Fassaden entlangrollen wie eine menschliche Seilbahn. Zudem ist das Ding wohl der größte Dietrich der Welt ...

Schleichattacken, Betäubungsminen, Tarnanzug - auch ohne diese Sperenzchen hat Penny keine Mühe damit, ihre minderbemittelten Gegner in kleinen Quicktime-Events aus den Latschen zu hauen. Viele Möglichkeiten und Features wirken schlicht aufgesetzt, um das repetitive Gameplay zu schönen. Einzig die Night-Vision hat eine Daseinsberechtigung. Ist sie aktiviert, leuchten Objekte auf, mit denen Penny interagieren kann, um den nächsten Ort zu erreichen.

Während die Sequenzen mit Penny sich noch einigermaßen unterhaltsam gestalten, sind ausgerechnet die Passagen, in denen man den eigentlichen Helden des Spiels steuert, besonders missglückt. Trifft Bolt auf Gegner, mutiert er zum Miniatur-Kampfhund. Verschiedene Angriffe, Kombos und Superwürfe stehen zur Verfügung, doch wie bei schlechten Beat'em Ups reicht wildes Knöpfchendrücken völlig aus, um der Lage Herrchen zu werden.

Die Kampfeinlagen sind nicht nur extrem eintönig, sondern auch - wie der Rest des Games - kein optischer Leckerbissen. Bolts Actionszenen wirken ungelenk wie ein überzüchteter Schäferhund. Immerhin: Kämpfe gegen größere Bosse wie einen raketenbestückten Hubschrauber und die witzig synchronisierten Dialoge sorgen für ein wenig Abwechslung.

Das größere Manko neben dem sich ständig wiederholendem Gameplay und der altbackenen Grafik ist die Steuerung. Auf eine frei drehbare Kamera wurde unverständlicherweise völlig verzichtet, was die Steuerung und Orientierung erschwert. So kann es passieren, dass man aufgrund einer ungünstigen Perspektive Penny oder Bolt unabsichtlich in die Tiefe oder auf eine Mine lenkt.

Bolt - Ein Hund für alle Fälle

Hersteller/Vertrieb

Disney Interactive Studios/Disney Interactive Studios

Genre

Action-Adventure

Plattform

PlayStation2, PC, PlayStation3, Wii, Xbox 360

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Leider zählt auch "Bolt" zu den fast schon obligatorisch-enttäuschenden Filmadaptionen, in deren Reihen sich auch die letzten Disney/Pixar-Games "Ratatouille" und "Wall-E" befinden. Bedauerlicherweise hat Disney versäumt, dem Kleingedruckten hinzuzufügen: "Spaß ist nicht im Spiel enthalten."

Michael Eichhammer/Teleschau / TELESCHAU
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