"CivCity Rom" Viele Spiele führen nach Rom


Die Macher der legendären Strategiereihe "Civilization" tun sich mit den Schöpfern von "Stronghold" zusammen, um gemeinsam ein Aufbaustrategiespiel zu entwickeln. Da kann doch nur was Geniales dabei rauskommen, oder?

Der Titel "CivCity Rom" weckt Erinnerungen an große Momente der Computerspiel-Historie: Sid Meiers "Civilization" diente wohl ebenso als Vorbild wie "SimCity" von "Sims"-Vater Will Wright. Mit diesen beiden Spielen hat das Ganze dennoch herzlich wenig zu tun. Mehr Parallelen gibt es da schon zu Sierras mittlerweile auch schon antikem Aufbau-Spektakel "Caesar 3" aus dem Jahr 1998, das in wenigen Wochen ebenfalls fortgesetzt wird.

Das Grundprinzip ist ebenso simpel wie altbekannt. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines kleinen römischen Beamten, der in die Provinz entsandt wird und dort mit neuen Siedlungen bei den Barbaren die römische Kultur etablieren soll. Es geht los mit einfachen Hütten, die Unterschlupf für einfache Arbeiter bieten. Man baut Ressourcen ab, um weitere Gebäude zu errichten und den Steinbedarf in der Hauptstadt Rom zu decken. Zur Ernährung der langsam wachsenden Bevölkerung dienen zunächst ein paar kümmerliche Ziegenfarmen, bis die Landwirtschaft so richtig in Gang kommt.

Lager für Lebensmittel und Rohstoffe werden angelegt, ein Straßennetz entsteht, um den Bürgern die Wege von A nach B zu erleichtern. Handelsbeziehungen mit umliegenden Kommunen beleben die Wirtschaft. Und je mehr Menschen sich in der neuen Stadt niederlassen, desto üppiger fallen auch die Steuereinnahmen aus, mit denen man der immer anspruchsvolleren Bevölkerung wiederum neue Annehmlichkeiten bescheren kann.

Die anfänglichen Wohnhütten werden zu komfortableren Insulae und schließlich zu prachtvollen Palästen ausgebaut. Und je mehr die Stadt aufblüht, macht sich nicht nur römische Kultur, sondern auch Dekadenz breit: Neben Bildungsstätten, Bibliotheken und einem fortschrittlichen Gesundheitswesen brauchen die Leute auch etwas, das ihre niederen Instinkte anspricht. Gladiatorenschulen schießen daher aus dem Boden und bilden den Nachwuchs für die blutigen Spiele in den Amphitheatern heran.

Ob man mit seinen städtebaulichen Maßnahmen richtig liegt, lässt sich herausfinden, indem man einen Blick in die Häuser wirft. Dort gibt's Auskunft darüber, was in den Köpfen der Leute vor sich geht, welchen Arbeiten sie nachgehen und wie sie ihre Freizeit verbringen.

Soweit, so gut - alles schon mal da gewesen. Wer über das auf Dauer monotone Standard-Prozedere des Städteplanens und Bürgerwünsche-Erfüllens noch mehr zu Roms Glanz beitragen will, kann ein wenig Forschung betreiben, die sich aber viel zu wenig auf den Spielverlauf auswirkt. Oder sich mit seinen Armeen angreifenden Feinden entgegenwerfen. Ernst zu nehmende strategische Herausforderungen bieten diese Kämpfe jedoch nicht.

Bei der Präsentation von "CivCity Rome" hätte man sich durchaus etwas mehr Opulenz im Stil glorreicher römischer Metropolen gewünscht. Stattdessen kommt die 3-D-Grafik doch ziemlich karg und altertümlich daher. Oft werden große Teile des Bildschirms von grobklotzigen Info-Fenstern verdeckt - die Menüführung ist bei weitem nicht so kompakt und elegant wie bei CDVs "Römern" gelöst. Darüber hinaus mangelt es Führungsstärke im Detail. Arbeitskräfte lassen sich nicht manuell umverteilen. Soll heißen: Wenn durch einen "externen Faktor" wie einen Sklavenumstand die Felder unbestellt bleiben, produziert der Winzer stoisch seinen Wein weiter - notfalls für die Halde. Positiv fällt dagegen die gelungene deutsche Sprachausgabe auf.

CivCity Rom

Hersteller/Vertrieb

Firaxis/Firefly/Take 2 Interactive

Genre

Strategie

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 6 Jahren

Ein Erbe der "Civilization"-Macher: Eine etwas spartanisch aufgemachte "Zivilopädie" hält für Interessierte ein paar historische Fakten über das Leben im antiken Rom bereit. Insgesamt ist "CivCity Rom" ein Titel, der angehende Aufbaustrategen sicher packen kann. Wer sich im Genre jedoch bereits auskennt, wird nichts wesentlich Neues finden.

Herbert Aichinger/Teleschau TELESCHAU

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