"Command & Conquer 3: Tiberium Wars" Willkommen zurück, Commander!


Popcorn-Kino mit Strategie: "Command & Conquer 3: Tiberium Wars" setzt auf modernste Grafik und macht alte Fehler. Aber die Unterhaltung stimmt.

Eine düstere Weltuntergangsmär, in die der Spieler da geworfen wird: Im Jahr 2047 erstrahlt die Erde in kräftigem Grün. Mit gesundem Baumbestand und ausgeglichener Ökobilanz hat das allerdings wenig zu tun. Vielmehr sind große Teile des Planeten vom giftigem Tiberium überwuchert. Das kristalline Teufelszeug verwandelt blühende Landschaften in Todeszonen - und ist dennoch seit jeher heiß begehrter Kraftstoff für die Kriegsmaschinerien der Global Defense Initiative und der Bruderschaft von Nod.

Aber wie heißt's so schön: Wenn zwei sich streiten, freut sich ein Dritter - auch wenn der gar nicht von diesem Planeten stammt. Soll heißen: Fiese Aliens, die auf den Namen Scrin hören, greifen ins gewohnte Geschehen ein. Das Wieso-Weshalb-Warum wird nach etwa 30 Missionen und ingesamt über 90 Minuten Filmsequenzen in HD-Qualität offenbart. Letztere haben zwar - ganz der Serientradition verpflichtet - einen gewissen B-Movie-Charme, sind aber mit durchaus namhaften Schauspielern besetzt. Billy Dee Williams, der in "Star Wars" Lando Calrissian verkörperte, spielt den GDI-Direktor, Michael Ironside ("Starship Troopers") seine rechte Hand. Daneben wurden Josh Holloway ("Lost"), Tricia Helfer ("Battlestar Galactica") und Jennifer Morrison ("Dr. House") engagiert. Und natürlich ist da noch Joe Kucan alias Kane - ebenso totgesagter wie kahler und charismatischer Anführer von Nod, dem EA sogar eine Special-Edition des Titels mit jeder Menge Bonus-Material und exklusiven Spielinhalten widmete.

Bombastisches Effektgewitter

Die Filmchen sind allerdings kein Blend-, sondern schmuckes Beiwerk zu einem Effektgewitter, das sich in drei abwechslungsreichen Kampagnen entlädt. Auf Seiten der GDI erobern PC-Generäle das Weiße Haus zurück, stoppen innerhalb von sieben Minuten den Einsatz einer Nod-Atomrakete oder eskortieren in einer spannendsten Missionen überhaupt eine Flüchtlingsgruppe durchs alienverseuchte München. Aber auch Kairo, Washington und Köln stehen auf der Rundreise um den Globus. Die Nod-Fraktion verfolgt natürlich ganz andere Ziele, die sich ziemlich knapp wiedergeben lassen: Tod, Terror, Tiberium. Und die Scrin? Wird hier nicht verraten. Vielleicht im Addon.

Command & Conquer 3: Tiberium Wars

Hersteller/Vertrieb

EA/EA

Genre

Strategie

Plattform

PC

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

"Command & Conquer 3" darf zweifelsohne als Best-of der gesamten Reihe verstanden werden, die 1995 ihren Anfang nahm und diverse Ableger wie "Alarmstufe Rot" oder "Generäle" hervorbrachte. Nahezu jedes Feature, das in dieser Zeit als cool, nützlich und/oder spaßig empfunden wurde, findet sich in "Tiberium Wars" wieder - vom invasiven Ingenieur über den Flammenwerfer-Panzer bis hin zum Obelisken des Lichts, dessen Leistung von mobilen Strahlenkanonen zusätzlich gesteigert werden kann. Sogar die Tiberium-Ernter sind dämlich wie immer und verirren sich gerne ins Feindesland. Dennoch ein schönes Gefühl: Alles ist vertraut und doch irgendwie neu.

Übermächtige Aliens

Mit Hilfe des übersichtlichen Interfaces, das nebst Radarkarte an den rechten Bildschirmrand gebannt wurde, lassen sich flugs ganze Basen aus dem Boden stampfen, Gebäude und Verteidigungsanlagen parallel in Auftrag geben, neue Technologien erforschen sowie modernes Kriegsgerät ordern. Während die GDI auf Klassiker wie Mammut-Panzer, Orca-Jäger und Ionenkanonen setzt, rekrutiert sich die Nod-Armee aus Stealth-Einheiten, Laserkanonen und vielseitigen Kampfbots. Besonders interessant und im Multiplayer-Modus etwas übermächtig: die Scrin, die Zerg und Protoss ("Starcraft") in Personalunion sind und ganze Verbände einfach über die gesamte Karte, bevorzugt mitten in die gegnerische Basis, teleportieren können. Balancing-Pflege gibt's in Form eines Patchs, den EA zum Release veröffentlichte.

Neben dem schnellem Gameplay und einem hohen Nostalgie-Faktor bietet "Command & Conquer 3" vor allem ein grafisches Feuerwerk. Bunte Laserstrahlen, spektakuläre Explosionen, herumfliegende Trümmer, realistischer Rauch, Hitzeflimmern, detaillierte Einheiten und Gebäude - "Tiberium Wars" kippt ein Füllhorn von Ah- und Oh-Erlebnissen über dem Spieler aus, die manchmal aber auch die Übersicht kosten - zumal nicht allzu weit aus dem Geschehen herausgezoomt werden darf. Weitere Kritikpunkte: Erfüllte Sekundärziele in den Missionen schalten nur Geheimdienstakten frei, die Reihenfolge von mehreren zur Auswahl stehenden Aufträgen wirkt sich kaum auf das Spielgeschehen aus. Dafür schummelt die ohnehin nicht allzu clevere KI dreist und produziert Einheiten im Eiltempo. Anderseits: Unfair ist das nicht. Ohne diesen Kniff und die überraschenden Skript-Ereignisse nebst plötzlich erweiterter Schlachtfelder wäre das Spiel vermutlich viel zu leicht. So aber ist "Command & Conquer 3" genau richtig und das, was es eigentlich immer war: großes Popcorn-Kino mit Strategieanteilen. Eine Xbox-360-Umsetzung ist für Mai geplant.

Gerd Hilber/Teleschau TELESCHAU

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