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"Verdächtige Aktivitäten" Ronaldo gegen Cash: Fifa 21 fliegt Skandal um Ultimate-Karten um die Ohren

FIFA 20 Test
Die FIFA-Reihe von EA ist enorm beliebt
© EA Sports
Der Sammelkarten-Modus Ultimate Team ist der große Geldbringer der beliebten "Fifa"-Videogames. Nun bringt er Entwickler EA mächtig Ärger - obwohl das Unternehmen selbst zu den Opfern gehört.

Panini-Karten, die auch noch einen Vorteil im Spiel bringen - das ist vereinfacht gesagt Fifa Ultimate Teams. Die digitalen Sammelkarten mit Cristiano Ronaldo, Manuel Neuer und Co. sind einer der großen Gewinntreiber der beliebten Video-Spielreihe. Und werden entsprechend auch gehandelt. Doch während Entwickler EA gegen den Markt unter Spielern teilweise hart vorgeht, muss der Konzern nun einem eigenen Skandal nachgehen: Mitarbeiter hatten einzelne Karten zu Wucherpreisen verkauft.

Dabei sind die Karten ohnehin schon nicht gerade günstig. Wie bei klassischen Sammelkarten-Spielen verkauft EA im Spiel Packs, aus denen die Spieler dann die Karten ziehen. Die so gezogenen Spielfiguren, die natürlich echten Fußballern entsprechen, können dann im eigenen Team genutzt werden und verbessern dessen Leistung. Die Chance auf Top-Spieler ist gering. EA verrät die Wahrscheinlichkeiten der Topkarten zwar nicht, die Spitzenspieler werden aber von den allerwenigsten Zockern gezogen.

"Wir sind auch wütend"

Kein Wunder, dass manche Fans durchaus bereit sind, hohe Summern zu zahlen, um sicher eine bestimmte Karte zu bekommen. Genau das ist nun passiert, musste EA gerade in einem Blopost zugeben: "Offenbar schalteten einer oder mehrere EA-Accounts, die entweder gehackt oder von jemandem bei EA missbraucht wurden, in diesen Accounts gezielt Gegenstände frei", gibt der Konzern zu. "Wir sind auch wütend." Man sei dabei, die Vorgänge zu untersuchen.

Dass die Verkäufe überhaupt möglich sind, liegt an einem internen System. Demnach sei die Option, direkt Karten in einem Konto freischalten zu können, eigentlich dafür gedacht, Probleme mit gelöschten Karten zu beheben, die Systeme zu testen oder besondere Leistungen von mit der Firma verbundenen Athleten, Prominenten oder auch die eigenen Mitarbeiter zu belohnen, erklärt der Post. Die so gewährten Karten seien aber eigentlich nicht handelbar. Dadurch würden aber die ehrlich gewonnenen Karten der Spieler nicht entwertet, beschwichtigt der Konzern.

1700 Euro für einen Spitzenspieler

Auf die Masche aufmerksam wurde der Spielegigant, weil sie als "EAgate" in den sozialen Medien Wellen schlug. Gerüchte zu den Verkäufen durch Mitarbeiter hatte es schon vorher gegeben, dann tauchten bei Twitter erste Screenshots aus Chats und konkrete Preise auf. Die lassen unbedarfte Beobachter durchaus stutzen: 1700 Euro verlangte ein Mitarbeiter laut Screenshots aus einem Chat für einzelne, besonders wertvolle Karten. Doch gemessen am Marktwert ist das durchaus im Rahmen.

"Verdächtige Aktivitäten": Ronaldo gegen Cash: Fifa 21 fliegt Skandal um Ultimate-Karten um die Ohren

Dass es überhaupt einen solchen Markt gibt, liegt an der Community der Spiele. Genau wie bei den Sammelkartenspielen gibt es auch bei Fifa Ultimate Fans, die ihre Freude vor allem aus den Sammlungen ziehen. Und dafür auch kräftig Geld hinlegen. Die meisten Geschäfte finden in "Coins", der In-Game-Währung statt. Selbst ernannte Trader kaufen Karten günstig ein, verkaufen sie dann und können sich aus den Gewinnen die Lieblingsstars kaufen.

Coins gegen Cash

Weil aber diese Münzen - ohne Genehmigung EAs - auf manchen Plattformen in hartem Cash gehandelt werden, lässt sich der Wert der einzelnen Karten auch in Euro umrechnen. 100.000 Coins werden zwischen fünf und sieben Euro gehandelt. Die wertvollsten Karten, mit dem brasilianischen Altstar Ronaldo, wären demnach zwischen 2500 und 3500 Euro wert. Wenn sie überhaupt gehandelt würden: Bei 15 Millionen Coins für eine Transaktion ist Schluss. Da die Karten aber mehr wert sind, werden sie lieber behalten.

Die Preise reflektieren auch die enorme Seltenheit der Karten. Selbst wenn man 10.000 Euro in die Kartenpacks investiert, ist längst nicht gesagt, dass man seine Wunschkarten zieht. Schaut man sich die beliebten Livestreams an, in denen die Päckchen geöffnet werden, bemerkt man schnell, dass die Jubelschreie bei einer Eliten-Karte die absolute Ausnahme bleiben.

Glücksspiel in Kinderspielen

Diese Tatsache hatte auch EA schon mehrfach in Kritik gebracht. Wie viele andere Spiele-Studios setzt man auch hier vermehrt auf Lootboxen, den allgemeinen Fachbegriff für die Packs. Lootboxen zeichnen sich dadurch aus, dass der Spieler anders als etwa bei den sogenannten Microtransaktionen, in denen gezielt Spielgegenstände mit echtem Geld gekauft werden, nur die Chance erwirbt, wirklich wünschenswerte Gegenstände oder im Falle von Fifa eben Karten zu bekommen. Gerade bei EA kommt noch hinzu, dass es sich meist nicht nur um kosmetische Objekte wie Kostüme handelt, sondern bessere Karten auch Vorteile im Spiel bringen.

Für viele Kritiker handelt es sich bei diesem Konzept um eine Variante des Glückspiels. Schließlich muss man immer wieder neue Lootboxen kaufen, um gewünschte Figuren zu erhalten. Die Aufregung beim Öffnen ähnelt der von Glücksspielern. Das ist besonders deshalb problematisch, weil sich die Lootbox-Mechaniken auch in Spielen finden, die sich auch an jüngere Spieler und sogar Kinder richten. In Belgien werden die Spiele mit der Mechanik daher automatisch mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren versehen.

Die Fans von Fifa Ultimate Teams scheint dieses Vorgehen allerdings weniger zu stören. In der Szene ist es nicht ungewöhnlich, jede Saison Hunderte oder gar Tausende Euro auszugeben. Und das, obwohl die so erstellten Teams mit dem Erscheinen des jährlichen Nachfolge-Titels quasi wertlos werden. Die Sammler ärgern sich vor allem deswegen, weil EA hart gegen den Graumarkt vorgeht und deshalb sogar Accounts sperrt. Aus Sicht des Konzerns haben die Graumärkte und der jetzige Skandal-Fall allerdings eine klare Gemeinsamkeit: Die Spieler bekommen genau die Karten, die sie wollen. Und das Geld dafür geht nicht an EA.

Quelle: EA Sports, Twitter


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