"Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde 2" Volle Kontrolle trotz Mausmangel


Und es geht doch: "Schlacht um Mittelerde 2" beweist, dass sich auch Strategiespiele auf Konsolen zocken lassen, ohne sich die dabei die Finger zu brechen.

Schon beim Zappen durch die Menüs fällt auf: da fehlt was. Auf den Modus "Ringkrieg" wurde bei der Konsolenadaptierung verzichtet - was allerdings halb so wild ist, wurde die maue Version des Brettspiels "Risiko" von der PC-Gemeinde ohnehin mit Missachtung gestraft. Also rein ins Getümmel, in die Schlacht um Mittelerde, die sich hier abseits der Geschichte von Buch- und Filmtrilogie abspielt. Soll heißen: Anstelle von Aragorn, Legolas und Co. treten Helden wie Elb Glorfindel oder Zwerg Gloin in Erscheinung, deren Namen selbst bei Tolkien-Jüngern nur ein Schulterzucken hervorrufen dürften.

Doch nicht nur die freien Völker Mittelerdes (Menschen, Elben, Zwerge), sondern auch die Truppen Saurons dürfen zum Sieg geführt werden. Acht Missionen pro Partei sind - zugegeben - nicht gerade viel, wurden zum Glück aber recht abwechslungsreich gestaltet. Mal müssen die Zwerge einen fiesen Drachen erlegen oder ihre Feste gegen Heerscharen von Orks und Trollen verteidigen, mal dürfen sich die Schergen des dunklen Herrschers über das Auenland hermachen oder die Heimat der baumknutschenden Elben niederbrennen. Die integrierten Seeschlachten haben indes eine reine Alibi-Funktion, sind aber recht schön anzuschauen.

Apropos: Wie schon bei der PC-Version brennt EA auch auf Xbox 360 ein bombastisches Effektfeuerwerk ab - vorausgesetzt, die Konsole ist an einen HD-Fernseher und eine Dolby-Surround-Anlage angeschlossen. Dann erstrahlt Mittelerde in modernstem Shader-Glanz, und über dem Spieler ergießt sich ein Füllhorn liebevoller Details - vom faulen Minengoblin, der eine Kopfnuss von seinem Boss bekommt, über das famos dargestellte Wasser und die imponierenden Zaubereien bis hin zum lodernden Schwert des Balrog. Auf normalen Glotzen bleibt vom High-Tech-Glanz indes nicht mehr viel übrig. Die geringe Auflösung und die damit einhergehende Unübersichtlichkeit trüben den Spaß am Taktieren doch sehr.

Bleibt noch eine letzte, die wichtigste aller Fragen zu klären: Lassen sich Dutzende von Einheiten und Helden auch mit dem Gamepad dirigieren? Die erstaunliche Antwort: Ja. Mehr als 200 Versuche und Konfigurationen waren laut EA nötig, bis man einen geeigneten Weg fand, die Tastatur- und Maussteuerung auf den Controller der Xbox 360 umzumünzen. Doch das Ergebnis - eine Schaltzentrale in Form einer Kugel - kann sich sehen lassen. Durch diverse, recht eingängige Kombinationen von Schultertasten und gewöhnlichen Buttons werden problemlos alle Soldaten einer bestimmten Gattung aktiviert, Gebäude platziert, eindrucksvoll inszenierte Feldherren-Fähigkeiten und Spontanzauber eingesetzt, Upgrades in Auftrag gegeben und nicht zuletzt die eigenen Truppen ins Gefecht geführt. Natürlich ist das Ganze nur halb so komfortabel wie mit Maus und Tastatur, aber um Längen besser als die bisherigen Versuche, das Strategie-Genre auf den Konsolen zu etablieren. Man denke nur an die katastrophale "Age of Empires"-Fassung für die PS2, die das Wort Strategie ad absurdum geführt hat. Hier ärgert man sich allenfalls darüber, nicht direkt zu jedem Punkt der Karte springen zu können ...

Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde 2

Hersteller/Vertrieb

EA/EA

Genre

Strategie

Plattform

Xbox 360

Preis

ca. 60 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Selbst bei den hektischen "Skirmish"-Schlachten, in denen sich bis zu vier Spieler (auch online) gegenseitig an die Gurgel gehen, bleibt die Übersicht dank dreh- und zoombarer 3-D-Engine gewahrt. Dafür ruckelt's hier und da, was unschön, bei unterschiedlichen Netzanbindungen wohl aber nicht zu vermeiden ist.

Gerd Hilber/Teleschau TELESCHAU

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