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"Die Sims: Lebensgeschichten": Knatsch und Knutschen

Computerspielehersteller Electronic Arts verwandelt sein wunderbares PC-Spiel "Die Sims" mit der neuen Erweiterung endgültig in eine interaktive Soap - inklusive verbotener Liebe und fiesen Intrigen.

Laura Haselnuss ist jung und hübsch, hat aber einen doofen Namen und dummerweise keinen Job. Deshalb zieht sie zu Tante Trudi nach Buchenweiler, wo sie ein neues Leben beginnen will. Hier scheint es das virtuelle Schicksal gut mit ihr zu meinen: Kaum aus dem Taxi ausgestiegen, läuft ihr Mr. Right über den Weg - im Schlepptau seine Freundin, eine echte Schnepfe. Augora Schnepfe, um genau zu sein. Die Frau heißt wirklich so. Was nun folgt, könnte glatt dem Vorabendprogramm von ARD und RTL entnommen sein, ist aber Kernthema von EAs neuer "Sims"-Reihe "Lebensgeschichten": Verstohlene Blicke, verbotene Liebe, Eifersucht, Intrigen, gute Zeiten, schlechte Zeiten. Aber mal unter uns: Alles, was am Ende zählt, ist doch die Unterhaltung.

Und die kommt hier tatsächlich nicht zu kurz - vorausgesetzt, man wagt sich zum ersten Mal an dieses etwas andere Spiel des Lebens. Alteingesessene Simser dürften sich jedoch um ihre 40 Euro geprellt fühlen, bekommen sie letztlich nur ein abgespecktes Hauptprogramm mit Story-Modus serviert. Der erweist sich jedoch als ideale Einstiegsdroge für Neulinge, wird durch überschaubare Aufgaben doch behutsam in die komplizierte Welt der "Sims" eingeführt.

Das pralle Leben

Tante umarmen, einen Happen essen, Klamotten wechseln - das sind die ersten Ziele, die es mit Laura zu erreichen gilt. Später soll sie einen Job finden, das Mobiliar aufhübschen und Augora Schnepfe den Mann ausspannen. Oder mit ihrem verschollen geglaubten Ex glücklich werden, der plötzlich wieder vor der Türe steht. Oder ... Halt! Allzu viel wollen wir an dieser Stelle gar nicht verraten. Nur das: Flirten geht in "Sims" kinderleicht! Nach ein wenig gepflegter Konversation und schmutzigen Witzen schnellen die Sympathiewerte in die Höhe und schalten neue Handlungsoptionen frei. Plötzlich kann nach Herzenslust angegraben, umarmt, gekuschelt und geknutscht werden.

Die Sims: Lebensgeschichten

Hersteller/Vertrieb

Maxis/Electronic Arts

Genre

Simulation

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

o.A.

Aber Vorsicht: Die Wege zum Glück sind unergründlich und die Schmetterlinge im Bauch könnten sich auch als fieses Magenknurren herausstellen. Schließlich sollte der Spieler auch die Grundbedürfnisse von Laura stets im Blick haben. Hunger, Hygiene, Harndrang, Energie, Spaß, Komfort, Freunde, Umgebung - das alles will im grünen Bereich gehalten werden. Sonst klappt's auch nicht mit dem Nachbarn. Und schon gar nicht mit der zweiten Lebensgeschichte, die erst freigeschaltet werden muss. Darin leitet man die Geschicke von Lukas Meurer, millionenschwerer Geschäftsführer einer Computerfirma. Nur im Privatleben des Selfmademans mag's nicht so recht klappen - was Lukas größtenteils seiner hinterhältigen und geldgierigen Ex zu verdanken hat, die ständig seine Dates zu sabotieren versucht.

Spiel ohne Ziel

Wer nicht länger auf mehr oder weniger fest vorgegebenen Storypfaden wandeln will, kann ein freies Spiel starten. Hier darf ein eigener Sim gebastelt oder bereits vorhandene Charaktere übernommen werden. Ein echtes Spielziel gibt es dann allerdings nicht mehr, stattdessen versucht man, den Sims jeden Wunsch von den Lippen abzulesen, sie im Job weiterzubringen, ihnen irgendwann ein schmuckes Häuschen zu kaufen und für Nachwuchs zu sorgen.

Ärgerlich: Keines der bislang veröffentlichten Addons ist zu den "Lebensgeschichten" kompatibel, weshalb der Fundus an Einrichtungsgegenständen und Möglichkeiten im Vergleich zu "Sims 2" ziemlich beschränkt ist. Dafür dürfen sich Laptop-Besitzer freuen: EA hat seine neue "Sims"-Reihe für die tragbaren Rechner optimiert. Die hübsche 3-D-Grafik ist nicht mehr so hardware-hungrig, die Batterieanzeige lässt sich ständig einblenden, und das Game legt automatisch eine Pause beim Schließen des Laptops ein.

Gelegenheitsspieler im Visier

Fazit: Der Story-Modus von "Lebensgeschichten" mag für "Sims"-Profis weder Herausforderung noch anschaffenswert sein. Doch auf die hat es EA gar nicht abgesehen: Mit seiner virtuellen Soap-Opera will der Marktführer die riesige Zielgruppe der Casual Gamer erreichen, weshalb bereits zwei weitere Episoden in Arbeit sind: "Tiergeschichten" und "Inselgeschichten".

Gerd Hilber/Teleschau / TELESCHAU
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