HOME

Stern Logo Kochbuch-Test - Die stern-Redaktion testet Kochbücher

Serie "Selbst gekocht": Mein Küchenkampf mit der Vier-Stunden-Torte

"What Katie ate" ist ein Bestseller mit vielen interessanten Rezepten und tollen Food-Aufnahmen. Doch wie schmeckt das, was Hobbyköchin Katie isst? Im Test: die Kaffee-Haselnuss-Torte mit Likör.

Von Lea Wolz

Was kommt dabei heraus, wenn eine Irin, die mit einem Australier verheiratet ist und in Down Under lebt und arbeitet, ein Kochbuch herausgibt? Ich habe während meines Auslandssemesters einige Monate in Irland gelebt und würde das Land jedem empfehlen. Es ist großartig, die Iren sind gastfreundlich und die Landschaft ist wunderschön. Aber das beste an der Küche? Nun, tatsächlich das: Man überlebt sie.

Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis: Glück gehabt, die Rezepte aus "What Katie ate" sind eher international. Das Buch ist ein Bestseller. Es liegt überall in den Buchläden aus, der Blog, aus dem viele Rezepte stammen, wurde mehrfach ausgezeichnet. Katie selbst bezeichnet sich als Hobbyköchin und Foodstylistin.

In der Tat macht es Spaß, in dem Kochbuch zu blättern. Die Aufnahmen machen Appetit, das Layout ist frisch, frech und modern. Auch die Geschichte von Katie klingt inspirierend: Sie handelt von einer Grafikdesignerin, die nach dem Tod ihrer Mutter aus ihrem Job ausbricht und sich neu erfindet. Die auf das "vage Gefühl" hört, "dass um die Ecke etwas Besseres" auf sie wartet. Die dabei oft scheitert und dann doch Erfolg hat. Ein modernes Märchen eben.

Beschwipst und buttercremeglücklich

Doch wie schmeckt das, was Katie isst? Mein Anlass: Kaffeetrinken mit einer Freundin. Durchblättern. Stopp. Da ist sie: die Kaffee-Haselnuss-Torte mit Frangelico (italienischer Haselnusslikör). Klingt so, als ob man danach einfach satt und zufrieden in seinen Stuhl sinkt, beschwipst und buttercremeglücklich.

Aufwendig ist das Ding, darauf weist auch Katie hin. "Ein besonderer Kuchen für einen besonderen Anlass." Muss ja nicht gleich Omas Neunzigster oder eine Hochzeit sein, denke ich mir. Denn ich möchte die Torte probieren. Also los.

Ich röste die Haselnüsse und rubbele danach mit einem Geschirrtuch die Hülle ab, was nicht so leicht ist, denn es gibt einige, die nicht aus ihrer Haut wollen. Dafür riecht es in der Küche schon gut, ein wenig nach gebrannten Mandeln und Jahrmarkt. Die Nüsse werden grob zerstoßen, ein Teil wird für den Schokoladensand (Bestandteil der Tortenfüllung) beiseite gestellt. Tipp: Benötigt werden circa 300 Gramm Haselnüsse, ich habe der Einfachheit halber zwei Päcken, also 400 Gramm, genommen. Hat der Torte auch nicht geschadet.



Für den Teig wird der Instantkaffee in Wasser aufgelöst. Butter, Zucker und Eier verquirle ich mit den Handmixer. Frangelico, Milch und die abgekühlte Kaffeemischung kommen dazu, ebenso das gesiebte Mehl, Backpulver und der Kakao. Der Teig wird in drei gleich große Springformen gefüllt. Da meine Küchenausstattung das nicht hergibt, backe ich die Kuchen nacheinander.

Panschereien sind erlaubt

Die Herstellung der Schokobuttercreme und des Schokoladensands dürfte für alle ein Vergnügen sein, die schon als Kind gerne im Sandkasten Kuchen backen gespielt und Panschereien geliebt haben. Für die Creme schlage ich zuerst Butter und Puderzucker auf, erhitze die dunkle Schokolade im Wasserbad und kippe das Ganze dann zur Butter-Zucker-Mischung. Dazu kommen Milch und der Likör. Ein Rat: Von dem Likör mehr kaufen, als benötigt. Denn spätestens zu diesem Zeitpunkt stapeln sich in der Küche Töpfe, Schüsseln und anderes Geschirr - ein Anblick, bei dem ein Schluck Frangelico gut tut.


Für den Schokoladensand vermische ich den kleinen Teil der Haselnüsse mit zerstoßenem Baiser (beim Bäcker gekauft), bis alles die Konsistenz von feinem Mehl hat. Mit einem Spatel wird auch hier zerlassene Schokolade untergemengt. Letzter Schritt, bevor es ans Zusammenbasteln geht: die Herstellung des Schokoladenüberzugs. Dafür habe ich die zerkleinerte Schokolade in einen Topf gefüllt, in einem anderen die Sahne erhitzt und dann über die Schokolade gegossen. Stehen lassen, bis auch die Schokolade geschmolzen ist, dann verrühren und noch - ja, ja, richtig - Likör dazugeben. Beiseite stellen. Wer sich über die flüssige Konsistenz wundert: Keine Angst, die Ganache taugt als Schokoladenguss.

Das Finale naht: Die Böden, wenn nötig, mit einem scharfen Messer begradigen. Danach mit Buttercreme bestreichen und Schokoladensand darüber streuen. Den zweiten draufsetzen, alles wiederholen. Den dritten Boden hinzufügen und die ganze Torte dünn mit Buttercreme überziehen. Ab in den Kühlschrank damit, nach 15 Minuten die Torte mit der Schokoladenganache überziehen. Ehrlich: Eine ganz schöne Schmiererei, aber das Ergebnis lohnt zumindest optisch. Nach weiteren fünf Minuten im Kühlschrank werden die Oberseite und die Ränder mit den zerstoßenen Haselnüssen bestreut.

Und das Ergebnis?

Wir sind uns einig: Optisch ist die Torte eine Wucht. Auch die Schokoladencreme und der Schoko-Haselnuss-Überzug überzeugen. Die Böden sind jedoch zu trocken. Ich habe sie mir saftiger vorgestellt und schaue nach, ob ich etwas falsch gemacht habe, aber alles stimmt. Eventuell liegt es daran, dass ich die drei Böden nacheinander gebacken habe. Aber mehr Creme und weniger Boden wäre besser. Der sollte dafür etwas saftiger sein. Und, um ehrlich zu sein, für den Aufwand enttäuscht mich das Ergebnis dann doch etwas. Tante Friedas Käsekuchen etwa geht schneller und kann durchaus mithalten.

Ach ja, und mehr als ein, zwei Stück schafft man ohnehin nicht. Was also tun mit einer halben Torte? Ein paar Mal die Treppe auf und ab und die Nachbarn haben sich gefreut. Das Fazit dieser Testesser: "Die Creme ist superlecker, die Decke auch, der Teig vergleichsweise trocken. Alles in allem kein Kuchen für gewöhnliche Samstage. Den sollte man backen, wenn festlicher Besuch kommt und möglichst alle nach dem ersten Stück satt sein sollten."

Und insgesamt?

"What Katie ate" ist ein optisch extrem ansprechendes Buch mit vielen tollen Ideen. Der einfache Schokoladenkuchen etwa ist deutlich schneller gebacken als die aufwendige Torte und wirklich eine Wucht. Wer Rezepte aus dem Buch probiert, sollte sich allerdings über eines im Klaren sei: Nicht nur bei den Süßspeisen, auch bei den Hauptgerichten wird mitunter an gehaltvollen Zutaten - etwa Butter oder Sahne - nicht gegeizt. Gespart wird auch an anderen Zutaten nicht: In ein Gericht kommen zum Beispiel sechs Zehen Knoblauch. Meeting am nächsten Tag? Besser nicht. Trotzdem: Ich werde weiter in dem Kochbuch blättern und noch das ein oder andere ausprobieren. Nur eines glaube ich nicht: Dass Katie selbst täglich aus "What Katie ate" isst. Sonst wäre die Dame nicht so schlank.

Haben Sie Appetit bekommen? Das Originalrezept finden Sie auf der nächsten Seite.

Originalrezept "Kaffee-Haselnuss-Torte mit Frangelico"

Definitiv ein besonderer Kuchen für einen besonderen Anlass. Ein bisschen Zeit muss man schon investieren, aber ich verspreche, dass das Ergebnis den Aufwand allemal wert ist, die Torte ist sowohl für die Augen als auch für den Gaumen Vergnügen pur! Durch den Schokoladensand erhält die Buttercremefüllung eine
zusätzliche Konsistenzdimension, er kann jedoch nach Belieben auch weggelassen werden.

Falls sich die Schokoladenganache trennt (was mir schon oft passiert ist, gewöhnlich wenn ich besonders teure Schokolade verwendet habe), lässt sie sich ganz einfach retten: Du musst die Ganache dann lediglich mit einem Pürierstab aufschlagen, und schon erhält sie ihre frühere glänzende Gestalt zurück.

Zutaten für 8-10 Personen

  • 250 g Haselnüsse
  • 1 EL Instant-Kaffeepulver von guter Qualität
  • 80 ml kochendes Wasser
  • 300 g Butter (Raumtemperatur)
  • 300 g extrafeiner Zucker
  • 6 Bio-Eier, leicht verquirlt
  • 60 ml Frangelico (italienischer Haselnusslikör)
  • 2 EL Milch
  • 450 g Weizenmehl
  • 2 EL Backpulver
  • 1½ EL Kakaopulver

Schokobuttercreme

  • 375 g Butter (Raumtemperatur)
  • 40 g Puderzucker
  • 100 g gute dunkle Schokolade
  • 3 EL Milch
  • 2 EL Frangelico

Schokoladensand

  • 45 g Haselnüsse
  • 50 g Baiser (ich verwende hier gekaufte Baiserschalen)
  • 50 g gute dunkle Schokolade (60–70 % Kakaoanteil)

Schokoladenganache

135 g gute dunkle Schokolade (60–70 % Kakaoanteil),
in kleine Stücke gebrochen
180 g Sahne
1 EL Frangelico

Schokoladenlikör zum Servieren (nach Belieben)

Zubereitung

1. Den Backofen auf 180˚C Umluft vorheizen. 250 g Haselnüsse auf einem Backblech verteilen und 10 Min. im Ofen hell goldbraun anrösten, auf keinen Fall verbrennen lassen. Mit einem sauberen, trockenen Geschirrtuch die Häute abrubbeln, dann die Nüsse grob zerstoßen und beiseitestellen. (Falls du den Schokoladensand zubereiten möchtest, dafür die 45 g Haselnüsse mitrösten, ebenfalls die Häute abrubbeln und in einer separaten Schüssel beiseitestellen.)

2. Drei Springformen mit 20 cm ø einfetten und mit Backpapier auskleiden.

3. Den Instantkaffee unter Rühren in 80 ml kochendem Wasser auflösen und abkühlen lassen. Mit einem elektrischen Rührer die Butter mit dem Zucker 8–10 Min. bei mittlerer bis hoher Geschwindigkeit aufschlagen, bis die Mischung sehr locker, schaumig und hell geworden ist.

Bei mittlerer Temperatur die verquirlten Eier in vier oder fünf Portionen hinzufügen. Weiterschlagen, bis sich die Eier vollständig mit der Butter-Zucker-Masse verbunden haben. Frangelico und Milch zugeben und etwa 1 Min. unterrühren, dann die abgekühlte Kaffeemischung zugießen und bei niedriger Geschwindigkeit aufschlagen, bis sich die Zutaten gerade eben verbunden haben.

4. Das Mehl mit dem Backpulver und dem Kakaopulver in eine Schüssel sieben und vermischen, dann zur Butter-Kaffee-Mischung geben und aufschlagen, bis sich alles zu einem Teig verbunden hat. Den Teig in die vorbereiteten Formen füllen, die Oberflächen glatt streichen. Im Ofen 40–45 Min. backen, nach der Hälfte der Backzeit die Position der Backformen vertauschen, damit der Teig gleichmäßig backt.

Nach dem Backen sollten die Kuchen eine goldgelbe Färbung angenommen haben und ein jeweils mittig eingestochenes Stäbchen sollte sauber wieder herauskommen. Kurz abkühlen lassen, dann die Kuchen aus den Formen lösen und auf Gitterrosten vollständig abkühlen lassen.

5. Für die Schokobuttercreme die Butter und den Zucker mit einem elektrischen Rührer locker-cremig und hell aufschlagen (8–10 Min.). Inzwischen in einer kleinen Kasserolle Wasser sanft erhitzen, sodass es leise köchelt.

Dann die Schokolade in einer kleinen hitzefesten Schüssel schmelzen, die genau in die Kasserolle hineinpasst (ohne das Wasser zu berühren), dabei ab und zu umrühren. Die Schüssel
vorsichtig vom Herd nehmen, leicht abkühlen lassen und zur Butter-Zucker-Mischung gießen. Vermischen, dann Milch und Frangelico unterrühren.

6. Falls du den Schokoladensand zubereiten möchtest, die 45 g gerösteten Haselnüsse und das Baiser mithilfe der Küchenmaschine zu feinem Mehl verarbeiten, dann in eine mittelgroße hitzefeste Schüssel füllen. In einer kleine Kasserolle Wasser sanft erhitzen, sodass es leise köchelt.

Dann die Schokolade in einer kleinen hitzefesten Schüssel schmelzen, die genau in die Kasserolle hineinpasst (ohne das Wasser zu berühren), dabei ab und zu umrühren. Die geschmolzene Schokolade über die Haselnuss-Baiser-Mischung gießen und mit einem Spatel verschmischen, sodass alles mit Schokolade überzogen ist. Das Ganze sollte nun wie, tja, wie Schokoladensand eben aussehen...

7. Für die Schokoladenganache die Schokolade in eine hitzefeste Schüssel füllen. Die Sahne bei niedriger Temperatur langsam zum Köcheln bringen. Nach dem Aufkochen die Sahne vom Herd nehmen und über die Schokolade gießen. 5 Min. stehen lassen, dann verrühren. Den Frangelico hinzufügen und bis zur Weiterverwendung beiseitestellen.

8. Zum Fertigstellen der Torte mit einem scharfen Brotmesser vorsichtig die nach oben gerundeten Oberflächen der drei Kuchen so abschneiden, dass gerade Flächen entstehen, die sich gut mit Buttercreme bestreichen lassen. Den ersten (untersten) Kuchen auf die saubere Arbeitsfläche setzen, mit einer Lage Buttercreme bestreichen und, falls verwendet, großzügig mit Schokoladensand bestreuen.

Den zweiten Kuchen daraufsetzen und nochmals Buttercreme und Schokoladensand darauf verteilen. Den dritten Kuchen obenaufsetzen. Mit einer Palette die gesamte Torte mit einer dünnen Schicht Buttercreme überziehen und in den Kühlschrank stellen. Nach etwa 15 Min. die Torte wieder herausnehmen und mit der Schokoladenganache überziehen.

9. Nochmals 5 Min. kalt stellen, dann herausnehmen und die Oberseite und die Seitenränder mit den zerstoßenen Haselnüssen bestreuen. Nach Belieben zum Servieren mit etwas Schokoladenlikör beträufeln.

Themen in diesem Artikel